Text: kerstin schäfer aus De:Bug 24

Downtempomenschen existieren nicht in Ballungen, wie etwa Drum and Basser in London oder Deutsch-Hiphopper in Stuttgart, sondern leben in den Städten der Welt verstreut. Auch Berlin hat welche vorzuweisen: Extended Spirit. Eigentlich stimmt das jedoch auch wieder nur so halb. Denn eigentlich haben Extended Spirit als Produzenten im klassischen angefangen, d.h. sie bauten Musik nicht für eigene Tracks, sondern für andere, für Hiphopper genauergesagt, wie S.W.A.T. oder A Real Dope Thing. Mittlerweile sind sie jedoch bei Downtempo angekommen. Meistens zumindest. Begonnen haben Axel Reinemer und Stefan Leisering als Hip Hop- begeisterte Jugendliche. Wie so viele Producer arbeiteten sie in Tonstudios und fingen an Hip Hop – was sonst – zu produzieren. Irgendwann folgten Remixe für Fettes Brot und Produktionen für Cora E. Von hier aus entwickelten sie ihren Stil. Vor allem ihre Produzententätigkeit für Jazzanova konfrontierte sie mit anderen Hörgewohnheiten. Stefan: “Die Hörerfahrungen, die wir in den späten Achzigern und den frühen Neunzigern mit Hip Hop und den etwas bekannteren Housesachen hatten, haben sich auch bis heute nie negativ ausgewirkt. Auch dieses Gefühl, dass die Stile immer nebeneinander oder miteinander existieren, das ist schon so in uns drin. Es ist nicht so, dass wir das als unmöglich empfinden, betimmte Fusionen zu machen; die Sachen liegen schon so in der Luft., man muß sie nur noch greifen”. Der Sound von Extended Spirit hört sich weich und jazzy an, trotzdem ist fast alles programmiert und gesamplet, zu 95 Prozent: “Der Computer als Sequenzer ist unser zentrales Nervensystem”. Heutzutage ist ihre Musik beeinflusst von verschiedenen Genres wie Drum ‘n Bass, Trip Hop, Jazz und House. Und genau dieses Gefühl, das erzeugt wird, wenn man Fusion unter einem bestimmten Gesichtspunkt betreibt – nähmlich den der Ästhetik – unterscheidet Extended Spirit von einem bunt zusammengewürfelten Mischmasch aus allem möglichen Stilarten. Ihre Musik wird gerade deshalb von dem Phänomen begleitet, sie nicht einordnen zu können. Genau das ist ihr Stil: Es ist ein Sound, den man nicht nur auf dem Dancefloor konsumieren möchte, man kann ihn zusätzlich im Wohnzimmer geniessen und- falls die Eltern mal zu Besuch kommen sollten- gefällt’s ihnen wahrscheinlich auch. Sagen sie. Im Ernst. ”Dieses ‘aber’ entsteht, weil die Leute vielleicht Probleme haben, die Musik direkt in eine Sparte, ein Genre pressen zu wollen, was aber so nicht geht. Eigentlich haben wir uns die Suppe ja auch selbst eingebrockt, weil wir die Stile nicht so erkennbar machen, aber das wollen wir ja eigentlich auch nicht. Detailverliebt, ein auffälliges Attribut, das vor allem dadurch entsteht, dass Extended Spirit das Bedürfnis verspüren, in den Tracks Sachen zu verstecken, die man dann beim Hören wie zufällig entdecken kann. Das tun sie. Bestimmte Stellen sind einmalig, kehren nie wieder, sind so im Hintergrund- dass man sie nur mit Kopfhörern hören kann, erzeugen aber einen so spannenden Gesamteindruck. Neben den eigentlichen Veröffentlichungen, wie der Ep ‘Solid Water’ auf Dialog, ihrer eigenen Reihe auf Sonar Kollektiv, sind auch Remixe erschienen – zu ihren eigenen Stücken und auch für andere. Die Solid Water Remix- Ep enthält auch Versionen, die sich eher strikt einem bestimmten Genre, wie z.B. House, anpassen. Alles in allem sehr spannend – auch für Extended Spirit selbst – zu sehen, was andere Leute daraus machen. Mit den Projekt ‘Pathless’, dass mehr Percussion- orientiert ist, gehen sie einen Weg auf Afro- oder Brazil/Latin- orientierten Sachen bezieht. Die Veröffentlichung einer eigenen Ep folgt demnächst und es steht noch ein Remix für King Britt an, der ein Stück mit Dela Soul gemacht hat, auf den sich die Extended Spirits schon besonders freuen. Wir sind auf jeden Fall gespannt, womit sie uns in Zukunft noch überraschen werden. Go on!

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Elektronische Lebensaspekte.