Extraproduktionen sind drei musikalisch Vernarrte, die (fast) alles spielen könnten, sich aber auf Entertainer-House in einer Riege mit Kurtis Blow und den Ramones konzentrieren, der genau die Grenze von lustig zu albern kennt. Definitiv das nächste dicke Ding nach Basement Jaxx und Tweets "Oops (oh my)".
Text: anett frank aus De:Bug 59

Tick, Trick und Track

It was a “Good Day”
Mit gleichnamigem Titel könnte man auf jeden Fall diesen sonnigen Märztag (übrigens: März ist super) bezeichnen, an dem ich mich mit den drei lustigen Vögeln von Extraproduktionen getroffen habe. Entscheidend für das nun folgende “Frage-Antwort-Antwort (…) später auch mal wieder ‘ne Frage-Spiel” war die vergnügte Redseligkeit von Sebastian Maschad, Daniel “Wir haben das Recht schluffig auszusehen, wann und wie immer wir wollen” Nentwig und Thomas “Saap” Sabrowsky, die mich mit einer verbalen Verpackungsbeilage in hessisch-bayrischer Hybridität empfingen.

DEBUG: Wenn ich mich bei euch so umgucke, scheint sich ein Großteil der Produktionen in den Glitschiner Privaträumen abzuspielen.
Daniel: Wir produzieren auf minimalstem Equipment, deshalb ist der Sound auch vielleicht nicht so rund und deshalb bin ich als der lernende Tontechniker auch nie zufrieden. Wenn man es alleine hört, ist es cool. Wenn man es im Vergleich zu anderen Platten hört, dann ist es einfach Heimproduktionsstyle. Ganz klarer Fall: PC-Recording, da lacht uns jeder aus.
Sebastian: Also es sieht keiner aus beim Tanzen, als würde es ihn stören, wenn es nach Heimwerkerei klingt. (lacht sehr lustig und mitreißend) Wir müssen einfach mal ein bissi andere Frequenzen pushen, weil die gepushten sind auf der Platte gar nicht mehr drauf. Das müssen wir mal beachten. Vinyl kann die nämlich nicht. (lacht wieder sehr lustig und mitreißend; lacht sowieso immer nach fast jedem Satz, den er sagt, und ist auch erstaunlicherweise immer lustig)

Die “normale” musikalische Sozialisation
Sebastian: Bei mir ist es Sun Ra, auf jeden Fall. Sun Ra, der durchgeknallte Free Jazz Musiker – ich halte sehr große Stücke auf den Herrn, ich glaub, ihr auch.
Daniel: Daneben sind wir aber normal musikalisch sozialisiert, denn wir sind auf alle Sachen abgefahren, auf die alle anderen auch abgefahren sind. Mir fällt gerade nur Jimmy Hendrix ein. Bei Maschad weiß ich es nicht genau, aber Thomas und ich, wir haben Rockmusik gehört und zwar geile rockende Hippie-Scheiße. Und ich glaube, das ist es, was wir noch im Ohr haben, wenn wir produzieren. Es muss nämlich unglaublich rocken, wenn wir produzieren. Oder unglaublich deep sein auf der anderen Seite. Gitarrenwand, ein Wahwah und Jimmy Hendrix da drin, so was machen wir ja nicht, aber das Feeling muss schon rüberkommen. Es muss einfach enorm reinhauen. Und andere geile Sachen, z. B. ein positives Lebensgefühl. Es muss suggern, es muss geil sein, ich mein, Moll hat damit nichts zu tun, ja.

Debug: Aber so ein bisschen cool seid ihr schon, und wollt ihr ja auch sein?!
Daniel: Wir sind total cool. Vielen Leuten gefällt auch unsere Musik, die keinen House hören. Das liegt bestimmt daran, dass unsere Musik ziemlich o.k. ist… Wir haben ja alle früher richtige Musik gemacht, mit richtigen Instrumenten. Und das machen wir ja auch jetzt noch.
Thomas: Aber eben im House-Bezug. Ich glaube, ich mag House wegen der Loops so sehr. Wie bei James Brown. Der war einer der ersten, die nur Loops gespielt haben. Für mich bedeutet House halt, das geilste Thema aus einem Stück herauszupellen und nur das zu spielen. Das ist Musik mit warmen, souligen Loops, in der Fender Rhodes-Pianos vorkommen.
Daniel: Auf irgendwelche leicht metallischen Industriehallen-Sounds, bei denen gleich alle Pillenfreaks sofort schreien, auf so was haben wir glaube ich gar keinen Bock. Wir stehen zwar auf Synthesizer und haben uns auch neulich einen gekauft…
Sebastian: Der ist dann kaputt gegangen.
Daniel: Deshalb müssen wir auch unsere alten Instrumente benutzen, die wir schon in unseren Hippie-Bands benutzt haben, das ist wirklich so. Auf jeden Fall finde ich natürliche Sounds geil. Ich glaube, wir stehen auf Natursounds, guck mal, wir benutzen nicht so viele Effekte, wir lassen alles so.
Debug: Also so wenig wie möglich durch den elektronischen Filter?
Daniel: Auf gar keinen Fall. Warum soll ich die schlechte Qualität, die ich hier erreiche, mit noch schlechteren PlugIns zwar vielleicht interessant klingen lassen, aber eigentlich dann doch schlechter, als es das Instrument hergibt.
Sebastian: Wir benutzen auch keine Preset-Sounds. Es ist mir persönlich ein Graus. Jedes einzelne scheiß Fitzelchen wird selber geschnitten aus irgendwelchem Kram. Ich hab mal Teile von einer zertretenen Orgel in einem Ofen verbrannt, es war Feuerholz und das knackst ja … ich hab das aufgenommen und zerschnitten und Drumsounds draus gemacht. Eine unserer Bassdrums zum Beispiel ist also ein zerplatzendes Stück Holz. Und die geht oben rund, weil noch so ein Flammenboost dabei ist.
Debug: Ihr seid ja hart entertainende Live-Spieler. Mit wem möchtet ihr mal zusammen spielen?
Thomas: Mit Metro Area würden wir total gerne was machen. Das wäre natürlich traumhaft. Da sind vor allen Dingen immer richtige Instrumente am Start, die zocken auch alles live ein, haben einen unglaublich fetten Sound – ich glaube, das hat uns alle ganz krass umgehauen, auch wenn das der totale Hype ist im Moment. Sag ich immer: Hat’s verdient. Das wäre echt ein Traum von mir.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.