Text: gregor wilderman aus De:Bug 10

Fat Cat – Das Grundmodell der Kommunikation von Gregor Wildermann Gergorw@berlin.snafu.de Was ist ein Plattenladen? Umschlagplatz für Musik, bunter Bazaar für alles von A wie Ambient bis Z wie Zwölftonmusik? Oder macht der Sony-Pappaufsteller in der örtlichen Poststelle auch diese zu einem Plattenladen? Vielleicht war es die Nähe und die Mischung von Einflüssen eines Hair&Beauty-Salon und des Flughafen Gatwick, der Alex Knight, Dave Cawley und Andy Martin 1991 den Sinn für den richtigen Plattenladen bescherte und sich dann Fat Cat nannte, wobei keiner sich erinnern kann, wie so ein Name entstehen konnte. Ein Jahr später zog man dann bereits in das Herz von London und etablierte in der Earlham Street im Covent Garden einen Kellerladen, der bereits am Anfang ein Forum für Musik schuf, die es so bisher nicht zu kaufen gab. ãNiemand hat Aphex Twin, B12, Platten von Irdial oder Black Dog verkauft und als wir es dann taten, merkten wir erst, wie viele Leute das immer gesucht hatten. Somit wurden wir automatisch zu einer Art Anlaufpunkt und das hat uns auch stolz gemacht!Ò Diese Worte stammen von Alex Knight, der erst kürzlich wieder im Berliner Tresor auflegte und auch in London Clubgeschichte mitgestaltet hat. Als einer aus dem Team der Geschmackskontrolle Fat Cat, erledigte er alles vom Verkauf, den wöchentlichen Chartfaxen, der Beratung (ãThey trust your judgementÒ) bis zu Aufgaben, an die er sich nicht mehr so gerne erinnert. ãIch habe immer das Beschriften von Platten gehasst. Es ist einer der langweiligsten Jobs, wenn man 400 Platten durchnummerieren muß und immer den selben Namen draufschreibt! Auch ein Fanzine mit Intros wie ãA users guide to impossible musicÒ oder eine Webpage waren nur eine der selbstverständlichen Facetten von Fat Cat, der sich nicht wie unzählige andere Läden mit 60 % Goa- oder Tranceplatten über Wasser halten muß. All das fand dann aber im Herbst letzten Jahres ein jähes Ende, als plötzlich der Laden geschlossen wurde und viele sich nach Gründen fragten. ãDer Grund für die Schließung war schlichtweg Missmanagement von Accounts. Wir haben immer sehr viel Geld für das Lager ausgeben, die Miete stieg ziemlich an und plötzlich kam eben heraus, daß wir auch noch einiges an Steuern nachzahlen mußten. Am Ende schien die zu zahlende Summe einfach zu hoch und deshalb schlossen wir den Laden. Wir beauftragten dann schließlich Steuerfachleute mit den Rechnungen und nach deren Analyse hätten wir noch nicht einmal zumachen müssen. Sandy hat zum Teil die Übersicht über unsere finanziellen Verhältnisse verloren und das führte natürlich zu einigen Auseinandersetzungen. So gesehen ist es besonders schade, weil wir einfach zu früh in Panik geraten sind und es später gar nicht mal so schlimm aussah. Jetzt ist aber wieder alles back on track!Ò Ein neuer Laden ist dabei schon anvisiert und soll im April oder Mai dafür sorgen, das wieder Vinyl durch den Covent Garden getragen wird. Fast synchron zu der Schließung des Laden ging der Relaunch des eigenen Labels, das nach einer Fat Cat-Tour durch Japan mit der Web-EP gestartet war, dann jedoch nicht weiterging. ãWir wollten das Label ja schon immer machen, aber der Laden lief immer recht gut und wir hatten kaum Zeit für andere Projekte. Es war dann schon komisch, daß das Label dann erst richtig begann, als der Laden zumachte. Aber vielleicht war dieser Break auch sehr wichtig!Ò Auch die kommenden Releases belegten dann den Sinn für Qualität, wo man durchaus mal tief Luft holen sollte, wenn man all die Verbindungen und Entwicklungsgeschichten bedenkt. ãDer zweite Release kam von Grain, er heißt Arthur (20) und ist ein guter Freund von mir aus London. Er ist sehr schüchtern und zurückhaltend aber für diese Art von Musik ist er einfach sehr tatentiert. Der dritte Release ist von Sascha und Thorsten aus dem Hardwax, die als Various Artists auftreten und auf Chain Reaction und DIN Platten gemacht haben. Sie sind ja wirklich nicht darauf aus, irgendwelche Presse zu bekommen und wir können sie da auch gut verstehen. Es gab immer einen guten Austausch an Ideen, Vinyl und Informationen und ich glaube, unsere beiden Läden sind uns sehr ähnlich.We are really chuffed about this relationship! Die dritte Platte kommt von Lee Insync und er war eigentlich einer der Gründungsmitglieder von FatCat, trennte sich dann aber und baute sein eigene Studio auf. Er war einer der ersten Acid-House-DJs und hätte zu einer der größten gehören können, aber er ist da einfach rausgebrochen und hat in Detroit mit Juan Atkins und Derrick May gearbeitet. Er hat bisher Platten bei 10th-Planet, Irdial und Fragmented herausgebracht, auch wenn es bei ihm manchmal ein wenig an der eigenen Qualitätskontrolle fehlt und man konnte er auch immer raushören, wenn er mit anderen produziert hat. VVM (hatten zwei Releases auf eigenem Label mit gleichem Namen sowie auf Skam) kommen aus Manchester und machen relativ harte Industrial Music, die mehr an Soundscapes erinnert. Auf der anderen Seite dieser EP sind Third Eye Foundation alias Matt Elliot aus Bristol (inklusive Drum&Bass-Remix von KS Kollective) die schon einen Release auf Domino-Records hatten. Live Human aka DJ Quest aus San Francisco ist der fünfte Release und ist im Stil wie eine improvisierte Hip Hop-Jazzband. Mit dieser Platte wollen wir auch zeigen, daß wir uns nicht festlegen lassen und man auf Überraschungen gefasst sein muß. Es wird auch wirklich Zeit, das andere Produktionen angenommen werden!Ò Wer denkt, damit seien bereits die Grenzen des Labels erreicht, hat nicht mit den musikalischen Horizont der Fat Cat-Crew gerechnet. ãClaude Joung wird für uns eher experimentelle Sachen machen, Jay Denham hat Interesse gezeigt und Bands wie Tortoise mögen wir sehr, wo wir gerne in Zukunft etwas ausprobieren würden. Auch der siebente Release von To Rocco Rot geht in diese Richtung!Ò

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Elektronische Lebensaspekte.