Die De:Bug-Redaktion hört sich durch das vergangene Jahr
Text: Redaktion aus De:Bug 158


Foto: Roundtable Knights: Die Redakteure v.l.n.r. Ji-Hun Kim, Sascha Kösch, Timo Feldhaus und Thaddeus Herrmann

 
Die Redakteure Sascha Kösch, Thaddeus Herrmann, Ji-Hun Kim und Timo Feldhaus kommentieren wichtige, wichtigtuerische und windelweiche Tracks des Jahres 2011, da heißt es Ohren spitzen und was lernen. Wie sich James Blake re-coolisiert hat, was der Unterschied zwischen britischem und holländischem Dubstep ist, wer wie warum gesungen oder es zumindest versucht hat, was es mit britischer Rave-Romantik und US-amerikanischer Selbstverstümmelung auf sich hat. Nur einige der Stichworte 2011. Am Ende einigen sich eh wieder alle auf Käse.


#01
James Blake – Order
(Hemlock Recordings)

Timo Feldhaus: Ich glaube ja, mit dieser seltsamen verrauschten EP wollte Blake sich nach seinem Stimmendekonstruktions-Superseller von Anfang des Jahres wieder vercoolisieren.

Sascha Kösch: Musikalisch war sein Debütalbum reiner Pop. Deswegen fanden ihn alle Leute, die ihn vorher cool fanden, plötzlich scheiße.

Ji-Hun Kim: Aber war das letztlich der erwartete Hype? Man hat es ja auch als Kuschelrock-Empfehlung in der InStyle gelesen. Die Frage ist, ob es irgendwas gebracht hat. Man hatte ja schon gedacht, dass es die ganze Dubstep-Sache einen Schritt weiterbringen könnte.

Timo: Die InStyle-Leserinnen werden sich allerdings schwer gewundert haben, wenn sie dieses Album tatsächlich gehört haben. Da waren sie doch eher entsetzt und haben es angsterfüllt wieder ausgemacht. Denn für eher mainstreamige Hörgewohnheiten ist sein Pop-Entwurf doch sehr gebrochen und auch radikal.

Sascha: Das Erscheinen des Feist-Covers, mit dem er so populär geworden ist, war für mich der Punkt, an dem mein Interesse daran kein persönliches mehr war, sondern eher dem Phänomen galt. James Blake ist ein wahnsinnig cleverer Geschäftsmann, der auch noch Gefühle verkaufen kann. In zehn Jahren wird er Luhmanns Buch über die Liebe lesen und verstehen, warum er ein so guter Geschäftsmann ist.

Timo: Blakes Debütalbum war aber einfach auch musikalisch total umwerfend. Musik, die ich so noch gar nicht gehört habe oder mir überhaupt vorstellen konnte.

Thaddeus Herrmann: James Blake hat eine ähnlich verkopfte, eigenbrötlerische Vorstellung von Songwriting wie Mark Hollis. Aber das Soloalbum des Talk-Talk-Frontmanns, das in diesem Jahr wiederveröffentlicht wurde, ist nach wie vor die deutlich bessere Platte und Hollis der deutlich bessere Musiker. Ich verstehe auch diesen Spagat nicht, den James Blake zwischen seinem Album und diesem komischen Track macht, den wir gerade hören. Das ist eine Sorte Broken Beats, die ich nie verstanden habe: sechs Minuten Bassline, das leuchtet mir partout nicht ein und ich mag es auch nicht.

Sascha: Das ist ein Ketamin-Problem. Du nimmst zu wenig Ketamin.

Timo: Aber James Blake nimmt nie Ketamin.

Sascha: James Blake weiß aber, dass seine Hörer aus früheren Tagen gerne und viel Ketamin konsumieren.

 
 
#02
Trickski – Wilderness (Genius of Time Remix)
(Suol)

Ji-Hun: Wir haben ja viel über Slowhouse diskutiert dieses Jahr. Das war in der Hinsicht einer der größten Tracks, weil es diese direkte, cheesige Attitüde rausholt und gerade in seiner Langsamkeit auch einen sehr ravigen Charakter hat.

Sascha: Das liegt aber eher an den Remixern, sowas haben Trickski selbst nicht drauf.

Ji-Hun: Genau. Aber Genius of Time, dieses schwedische Duo, war mit ihren drei oder vier Releases dieses Jahr wirklich ziemlich herausragend.

Sascha: Diese extrem breitflächigen, sehr langsamen, harmonischen und ausgetüftelt arrangierten House-Geschichten sind paradigmatisch für 2011. Auf seine Weise ist das schon Popmusik, aber es bewahrt dabei trotzdem eine deepe Strenge, sehr emotional und gleichzeitig von vorne bis hinten durchkalkuliert.

Timo: Ich verstehe aber nicht, wie das im Club funktionieren soll.

Sascha: Man kann das total abfeiern. Es kann voll und ganz gehen auf diesen 112 BPM, oder wo wir hier sind.

Ji-Hun: Ich glaube fast, es sind nur 106.

Sascha: Deshalb hat das aber auch so einen langen Atem, weil das immer noch ein Produzenten-Phänomen ist, was sich ganz langsam erst in Clubs oder auf Floors einschleicht. Aber wenn es da auftaucht, dann hat es eine wirklich extreme Wirkung.

Thaddeus: Dass das funktionieren kann, glaube ich auch, ich halte es aber für eine unglaubliche Herausforderung an den DJ, weil er die Geschichte über musikalische Stichworte erzählen muss. Wenn etwas Geschwindigkeit, Druck und Energie hat, ist man schneller dabei. Du kannst solche Platten auch viel schwieriger mixen. Diese Art von Tracks musikalisch ineinander zu bringen, ist etwas völlig anderes als bei Techno-Maxi A und House-Maxi B, wo du in der Regel ein klassisches Rein und Raus hast und wo es dir der Produzent sehr einfach macht, das zu verzahnen.

Sascha: Das stimmt nicht. Wenn du anfängst, solche Tracks zu mixen, bist du im Endeffekt genauso schnell drin wie im klassischen Auf-den-Beat-Mix. Weil diese Tracks einen sofort einlullen mit ihrem Dicke-Warme-Decke-Sound. Aber die harmonische Dichte muss sich nicht mit dem nächsten Track beißen, weil du diese Platten fast schon spielen kannst wie früher Disco Tracks: einfach hintereinander, immer schön einer nach dem anderen.

 
 
#03
Jonsson/Alter – Dvärg
(Kontra Musik)

Thaddeus: Keine Neuerfindung des Rads, eher im Gegenteil. Das ist tiefkonservative House-Musik, und ich vermute gerade deshalb so geil.

Ji-Hun: “Mod” ist auf eine gewisse Art schon revolutionär, tatsächlich spricht es mich ganz anders an als Abermillionen andere House-Alben. Das können auch Leute wie Lawrence, Move D oder Roman Flügel sein, die sprechen mich viel eher auf der Club-Denke an. Bei der Platte denkt man da gar nicht dran, da herrscht eine ganz andere Ästhetik vor, eine wohltuende Wärme. Eines der tollsten Alben seit langem!

Sascha: Für mich ist es Minimal, genau zwischen Robert Hood und Sähkö. Andererseits ist es Musik, die sich zurücklehnt und das Jetzt gänzlich ausblendet, also auch House. Dabei hat das Album gar nichts mit den diversen aktuellen House-Richtungen zu tun, sondern viel eher mit einer klassisch abstrakten Maschine, die aber trotzdem eine gewisse Körperlichkeit erzeugt. Ein durch finnische Filter gedrehtes Detroit-Minimal-Ding.

Thaddeus: Das ist gut zusammengefasst. Wobei lustigerweise keiner von deinen beiden Eckpunkten tatsächlich viel von der Essenz dessen hat, was die beiden machen.

Ji-Hun: Aber ist das jetzt altmodisch?

Sascha: Auf seine Weise ist es natürlich Retro. Diesen Sound hätte man ohne Probleme auch vor 20 Jahren machen können. Aber Retro definiert sich sowieso einfacher über das, was es alles auslässt, was es gar nicht betrachtet und mit dem es gar nichts zu tun hat. In diesem Fall wurden viele Phänomene, Strömungen und technische Möglichkeiten ausgelassen, während viele andere Retro-Sachen eher Elemente dazupacken und noch mehr Beziehungen schaffen.

 
 
#04
Lone – Coreshine Voodoo
(R&S Records)

Ji-Hun: Auch Retro, aber eine andere Sorte, allein weil Lone einfach viel zu jung für den reflektierten Zugang von Alter/Jonsson ist: Er ist jetzt 26 und seine ersten Veröffentlichungen kamen eher aus einer verschrammelten Beat-Science-Ecke.

Sascha: Sein Retro-Ansatz ist ein ganz anderer, weil er sich eine Ära zusammenhalluziniert. Er bezieht sich auf frühe Manchester-Geschichten und dieses Überschwappen von US-House-Elementen zum UK-Partysound. Gleichzeitig geht es um ein Gefühl von Breaks, das damals zwar entstand, aber noch nicht richtig da war. Diese Sachen haben auch damals nicht zusammengepasst, aber zu verschiedenen neuen Stilen geführt. Lone greift eine Geschichte auf, die weniger gewachsen ist als vielmehr zusammengemasht wurde. Der Track klingt, als könnte er 1991 gekommen sein, aber wenn man genau hinhört, weiß man auch, warum so etwas 1991 nicht richtig stattgefunden hat. Es gibt nur wenige, die die Verbindung zwischen frühen Breaks, Techno-Ästhetik und blumigem Hippie-House-Bleep damals wirklich zusammengebracht haben. Lone schließt überfällige historische Lücken.

Timo: Du meinst er erzählt eine Geschichte nach und erklärt sie gewissermaßen gleichzeitig. Man kann heute auch als Jungspund sehr wohl einen reflektierten Zugang zu Retro haben.

Ji-Hun: Das Bewusstsein dafür, was zu offensichtlich oder reaktionär ist, muss man aber erst entwickeln. Meiner Meinung nach wird es in Zukunft auch nicht mehr viele solcher Lone-Tracks geben, diese offensichtlichen Rave-Momente sind in den letzten Remixen schon wieder zurückgegangen.

Thaddeus: Es klingt, als hätte er auf Discogs zehn Bleeps für zehn Pfund gekauft und war davon derartig geflasht, dass er das alles mal zusammenbringen wollte. Das ist ihm auch sensationell gelungen und wenn er damit gleich noch zwei, drei Lücken schließt, die damals aus welchen Gründen auch immer offen blieben, dann alle Daumen hoch! Dass das nichts ist, worauf er sich langfristig festlegen wird, ist wohl jedem klar, der noch zwei andere Lone-Platten gehört hat.

 
 
#05
The Weeknd – High For This
(Self Release)

Sascha: Das ist die Art von Track, die man beim dramatischen Höhepunkt des CSI-Miami-Staffelfinale erwarten würde. Überdurchproduziert und überglatt. Grauenvoll, furchtbar!

Timo: Für mich das mit Abstand beste Album des Jahres; und danach kommt auch ganz lange gar nichts.

Sascha: Das ist eine Profi-Produktion aus einem klinischen Studio. Da wird mit Sicherheit kein Champagner ohne Scheckkarte bestellt.

Timo: Genau das stimmt eben überhaupt nicht. Ich glaube nicht mal, dass Abel Tesfaye damit überhaupt Geld verdient hat. Er hat das Album nur auf seine Website geladen und ist auch nie auf Tour gegangen.

Ji-Hun: Und was ist mit dieser unerfüllbaren Sehnsucht nach Koks und Nutten, die auf der visuellen Ebene bewusst transportiert wird? Er hat dazu diverse Videoclips auf Vimeo veröffentlicht und es ging immer um gutaussehende Model-Damen und Drogenszenarien, um Champagner und auch um Depressionen. So nach dem Motto: “Jetzt bin ich im 5-Sterne-Hotel mit 30 Nutten und weiß trotzdem nicht weiter.”

Timo: Gleichzeitig ist The Weeknd ein totaler Mini-Produzent, der sich all diese Dinge kaum leisten kann. Gerade dass er kein Superstar oder Superproducer ist, macht es interessant. Wenn man genau hinhört, ist das ja alles wahnsinnig melancholisch und es geht eher um die Unfähigkeit des Zurechtfindens im V.I.P.-Bereich. Und er samplet Siouxsie and the Banshees.

Thaddeus: Und die Tracks gibt es alle umsonst?

Timo: Ja, du konntest auch nicht mit ihm in Kontakt treten und lange war nicht mal klar, wer er überhaupt ist.

Sascha: Das halte ich aber tatsächlich für gutes Marketing.

Ji-Hun: Aber Marketing will immer etwas verkaufen. Wenn es aber weder Tonträger noch Konzerttickets gibt, was dann?

Sascha: Du lizensierst die Tracks, das bringt sowieso viel mehr Geld mit als ein blöder Tonträger.

Timo: Du kommst jetzt bei James Blake und The Weeknd mit dem gleichen “Das sind ja alles Geschäftsleute”-Argument, das entlarvt eher dich als irgendwen sonst. Es ist Musik, die die westliche Dekadenz mit all ihren Ideen und Wahrheiten und Falschheiten 1 zu 1 und völlig ironiefrei umsetzt.

Thaddeus: Das ist ein guter Song mit einer schrecklichen Produktion. Die Vocals gehen mir wahnsinnig auf den Sack. Man hätte da so einen geilen Track draus machen können. Auch diese zuckelnde Bassline in Richtung Refrain, das ist eben nicht mal mehr ironisch, das ist einfach eine völlig falsch verstandene Orientierung hin zu einer Größe, die es so nie gab. Kompletter Bullshit.

Ji-Hun: Das ist auch Teenager-Musik, es spricht eine Zielgruppe an, die in den Achtzigern vielleicht durch My Bloody Valentine geflasht war und in den Neunzigern durch Radiohead. Was daran musikalisch aber interessant ist, sind die Harmonien. Das wird ja gerne als Soul verkauft, aber durchweg hat das Album melodisch und harmonisch gesehen null schwarze Einflüsse. Du hast nicht einen Sechstakkord, das sind alles klassische Moll-Kadenzen, A-Moll, D-Moll, E-Moll. Auch die Art, wie gesungen wird, ist eher aalglatter College-Pop als aus dem Bauch heraus intonierter Soul. Das ist schon sehr weißbrotig, obwohl dieser gewisse R‘n‘B-Kontext aufgebaut wird. Dagegen ist ja selbst Beyoncé die Realness in Person.

Thaddeus: Es transportiert so eine ganz piefige Vorstellung von Funk und schwarz.

Sascha: Wie heißt denn dieser große Phil-Collins-Hit? Dieser Miami-Vice-Hit, “In the Air Tonight”, da ist das sehr nah dran. Das ist ein Hit für gut angezogene Yuppie-Kids, die sich wohlfühlen aber trotzdem ein bisschen hip sein wollen.

Timo: Aber die Realität ist doch, dass die Leute, die du beschreibst, das Jay-Z-und-Kanye-West-Album hören. Die Hörer von The Weeknd sind normale Großstadt-Menschen, die eher De:Bug kaufen. Monocle-Lesern oder Yuppies ist die Musik viel zu krank. Die Art und Weise, wie The Weeknd mit Hochglanz und Oberfläche hantiert, macht es zu einer der düstersten Platten des Jahres. Wobei man auch sagen muss, sein zweites Album, ebenfalls in diesem Jahr erschienen, fällt leider deutlich ab.

Sascha: Düster? Das finde ich überhaupt gar nicht. Von Miami Vice zu American Psycho ist es auch kein wirklicher Schritt. Ich bleibe also bei Phil Collins.

 
 
#06
Skrillex – Scary Monsters and Nice Sprites

Ji-Hun: Man muss bei der Musik glaube ich so ein bisschen White Trash mitdenken, das ist ein ausschlaggebender Punkt. Skrillex repräsentiert dieses Teenage-Angst-White-Trash-Kid, wie es damals in den Neunzigern der Korn-Sänger ja auch sehr gut transportiert hat. “Ich wurde von meinem Vater gevögelt und mir geht‘s so scheiße.” Da gehört die Emo-Art-und-Weise von Scratching und Ritzen zu und das transportiert er auch mit.

Timo: Er sieht ja auch ein bisschen aus wie der Korn-Sänger. Aber Emo ist auf jeden Fall das überschneidene Moment zu The Weeknd und auch James Blake.

Ji-Hun: Von der Grundattitüde her ist es Heavy Metal. Natürlich hast du aber auch diese fröhlicheren Anime-Elemente drin. Wenn Korn damals das Gegenstück zu Bruce Springsteen gewesen ist, aus der Rock-Gitarren-Warte, ist Skrillex quasi die Antwort auf David Guetta.

Timo: Und auf Ed Banger. Es holt eine Formel von da her und amerikanisiert sie. Aber was ich nie verstanden habe, ist der Term Brostep, womit diese schreckliche Musik bezeichnet wird. Geht es dabei darum, das britische Dubstep-Gerüst auf ein amerikanisches Format zu bringen?

Ji-Hun: Nein, Brostep ist ein despektierlicher Begriff. Mit “Bro” spricht man sich in der White-Trash-Szene untereinander an, das ist ungefähr wie “Alter”. Ein Begriff der Musikjournaille für Prekariatsmusik. Das will ja auch keiner, das ist tatsächlich etwas, wo sich Leute weniger mit anfreunden können, weil es so von oben draufgepfropft wurde.

 
 
#07
Martyn – Viper
(Brainfeeder)

Ji-Hun: Sind Holländer die besseren Dubstepper? Das klingt alles viel fokussierter und spricht mich auch eher an als das Zeug aus UK. Holländer haben auch eine gewisse Roghness, also nicht dieses Krautige wie oft die Deutschen.

Thaddeus: Das ist fokussierter. Was man positiv und negativ sehen kannn. Die Engländer driften immer mal nach Links und Rechts und dann kommen halt auch solche Tracks zustande wie dieses James-Blake-Stück von vorhin. mit dem ich gar nichts anfangen kann.

Sascha: Ich glaube ja, dass die Holländer im nächsten Jahr auch eher in diese Richtung gehen werden. Sie werden viel abstrakter. Sie werden alle ihre Melodien rausschmeißen. Das ist eine Prophezeiung! Der holländische Post-Dubstep wird wesentlich mehr auf diese abstrakte James-Blake-Nummer abzielen, sogar solche Leute wie Punch Drunk.

 
 
#08
Portable – Onward
(Perlon)

Sascha: Ein richtiger Herzschmerz-Erste-Liebe-Track.

Timo: Da können auch Modeselektor und Thom Yorke einpacken.

Ji-Hun: Da kann auch Apparat einpacken.

Sascha: Diese Platte werden Hipster nächstes Jahr rauf und runter hören. Das wird der neue Skrillex.

Ji-Hun: Das ist so eine Blaupause für romantischen House. Das hat auch diese ganzen Verwendungen von Vocals nicht als Soundelement sondern als Song allerdings ohne klassische Song-Strukturen. Das ist groß, mich berührt das zutiefst.

Sascha: Dieses Jahr gab es enorm viele Tracks mit komplettem Gesang.

Timo: James Blake hat ja oft nur einen Satz, den er dann variiert und klanglich schreddert. Das ist etwas ganz anderes. Er singt, aber darum geht es gar nicht. James Blake benutzt den Gesang nicht nur als Gesang, sondern wirklich als Beat.

Ji-Hun: Als Beat würde ich das gar nicht sehen. Wo man auch im elektronischen Bereich eine Trennlinie ziehen kann, ist, ob sich jemand als Songwriter versteht oder eben nur über seine Tracks drübersingt? Dieser Portable-Track ist tatsächlich dazwischen, das ist ein lupenreiner und toller Popsong, auch wenn er vielleicht keine klassischen Strukturen haben mag. Die Frage ist natürlich, wie viele gibt es aus dieser Richtung noch, die vor allem auch singen wollen.

Timo: Apparat könnte man jetzt natürlich nennen.

Ji-Hun: Ja, aber der ist dann auch tatsächlich den Weg zur Band gegangen und verkauft es jetzt auch so.

Sascha: Das Verhältnis von Stimme und Track ist über das Jahr hinweg aber ein ganz anderes geworden. In ganz verschiedenen Szenen hast du plötzlich nicht mehr nur diesen quietschigen Feature-Gesang, sondern der Gesang hat ein viel zentraleres Gewicht und ist viel integrierter in den Track. Von diesen Tracks gab es dieses Jahr sehr viele.

Aus dem Special in De:Bug 158: FAZIT 2011

7 Responses

  1. Boden

    Eure Kommentare zu The Weeknd sind der komplette Blödsinn.

    1. Es gibt exakt ein einziges offizielles The Weeknd Video (Zu demTrack The Knowing).
    Der Rest sind Fan Videos und im offiziellen geht es auch nicht um Nutten und Koks, sondern ganz unhip um die äthiopische Geschichte und Aliens.

    2. Die EInflüsse sind “Null schwarz”???? Er hat selbst gesagt, dass die Prince Posse umJesse Johnson und Sheila E., JODECI, Michael Jackson und Mulatu seine Helden seien.

    So eine überhebliche Schöngeiste-Wichserei von Euch. Peinlich.

    Der Rest ist wenigstens etwas amüsant.

  2. Pit

    …”überhebliche Schöngeiste-Wichserei […] Peinlich.”…

    …trifft es.