Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 21

Benjamin Weiss nerk@de-bug.de Federation BPM FX DJ Die Federation BPM FX DJ ist ein Multieffektgerät in Pultform, bei dem alle wichtigen Parameter ihre eigenen Knöpfe und Drehregler bekommen haben, ganz im Gegensatz zu so manchem Rackeffektgerät, bei dem man sich durch unzählige Sub- und Subsub Menüs kämpfen muß. Es besteht aus vier Effektblöcken: einem Filter, einem Cutter, einem Delay und dem Panner. In der Mitte des Pults gibt es einen Joystick, der das Mischverhältnis der Effekte untereinander bestimmt. Per Activate lassen sich die Effekte aktivieren und ausschalten.Die Reihenfolge in der das Eingangssignal die verschiedenen Effektsektionen durchläuft, läßt sich frei konfigurieren. Alle Effekte können zur Geschwindigkeit des Eingangssignals synchronisiert werden, wozu die Federation einen eingebauten automatischen Beatcounter hat, der erstaunlich zuverlässig funktioniert, in der Pro Version läßt sich die Synchronisation auch über MIDI steuern. Synchronisation Neben der automatischen Geschwindigkeitserkennung per BPM-Counter kann der Syncpunkt verschoben oder die Geschwindigkeit per Hand eingetappt werden. Jede Effektsektion läßt sich auf unterschiedliche Weise zum Eingangsmaterial synchronisieren, wofür die Werte 1/4, 1/3, 2/3, 3/4, 1/1, und 2/1 zur Verfügung stehen, die sich jeweils auf eine Taktlänge beziehen. Bis auf das Delay besteht bei allen Effekten die Möglichkeit, den Effekt tempounabhängig über die Usertaste einzusetzen. Wem das noch zu starr ist, der kann für den Filter, den Panner und den Cutter Trigger – Pattern erzeugen, die sogenannten User Beats. Sie können bis zu acht Takte lang sein und wahlweise auf Achtel, Sechzehntel, oder Achtel/Sechzehntel triolisch quantisiert werden, was eine Menge netter rhythmischer Verschiebungen ermöglicht und vor allem beim Panner zu sehr verwirrenden Ergebnissen führen kann. Zusätzlich dazu können auch die Triggersettings, die benutzten User-Beats und die Einstellungen aller Regler per Snapshots in sogenannten Programs abgespeichert werden. Filter Der Filter der Federation hat in der DJ Version eine Flankensteilheit von 12 dB, in der Pro Version wird es zusätzlich die Option geben, einen 24 dB Filter anzuwählen. Die Parameter Frequency (für die Cutoff Frequenz), Resonance (Resonanz), Env Mod (Envelope Modulation = wie stark der LFO die Cutoff Frequenz moduliert) und Speed (für die Geschwindigkeit des LFOs) sind als Drehregler ausgelegt. Zusätzlich gibt es noch wie bei den anderen Effekten auch die LED Anzeige für die Geschwindigkeit des LFOs, eine Aktivierungstaste und den Set Button zur Festlegung der LFO Geschwindigkeit. Der Set Button hat bei der Filtersektion aber noch eine Sonderstellung: mit ihm lassen sich auch die anderen Effekte auf die gleiche Geschwindigkeit bringen wie den Filter. Der Filter packt gut zu, klingt fett und die Resonanz geht bis zur Selbstoszillation, so daß nach erfolgreicher Einfilterung auch noch ordentlich losgefiept werden kann. Zu meckern gibts fast nichts, der Klang ist wirklich gut, der Verlauf gleichmäßig, schön wären aber noch Attack und Release gewesen… Cutter Der Cutter funktioniert im Prinzip wie ein Gateeffekt, der das Signal kurz durchläßt und es dann nach kurzer Zeit wieder abschneidet, abhängig von der Geschwindigkeitseinstellung. Zusätzlich lassen sich damit aber auch kurze Fade-Ins und Fade-Outs realisieren. Als Drehregler stehen Shape, Depth und Speed zur Verfügung. Shape definiert den Grundverlauf des Cutters: ist der Regler ganz nach links gedreht (abfallender Sägezahn), wird das Signal schnell laut, um dann langsam leiser zu werden, je weiter nach rechts gedreht wird, um so “gateiger” wird der Effekt, bis in der Mittelstellung (Rechteck) hart ein- und ausgeblendet wird, danach wird das Signal immer langsamer laut und schneller leise (ansteigender Sägezahn). Depth ist stark abhängig von der Shape-Einstellung: ist Shape in der Mittelstellung, definiert Depth die Länge der Zeitspanne, in der der Cutter geöffnet, also das Signal zu hören ist. Im Sägezahnbereich der Shape-Einstellung definiert Depth den Lautstärkelevel des leisesten Punktes im Verhältnis zum lautesten: dadurch entsteht in der Reglerstellung ganz links nur ein subtiler Tremoloeffekt, je weiter nach rechts gedreht wird, um so größer wird der Unterschied des lautesten zum leisesten Punkt des Sägezahns, bis der leiseste Punkt schließlich nicht mehr zu hören ist. Delay Das Delay des Federation ist eigentlich eine erweiterte Sample/Hold Funktion: ein Teil des Signals wird kopiert und abhängig von der Einstellung der Regler für Repeat, Level und Speed wiederholt und dem Quellensignal zugemischt. Level steht für die Lautstärke des Delaysignals, Repeat für die Anzahl der Wiederholungen und Speed natürlich für die Geschwindigkeit der Wiederholungen, hier kann man die Geschwindigkeit allerdings nicht selbst bestimmen. Panner Der Panner bewegt das Signal im Stereoraum, abhängig von der Geschwindigkeitseinstellung. Neben dieser Standardfunktion kann der Panner des Federation aber zusätzlich das einströmende Signal in drei Bänder (Bässe, Mitten und Höhen) aufsplitten, und sie dann, voneinander unabhängig im Stereofeld bewegen. Über den SPS Regler wird diese Funktion gesteuert: in der Nullstellung (ganz nach links gedreht) ist das Frequenzsplitting ausgeschaltet, je mehr es in Richtung Mittelstellung geht, umso mehr werden die Frequenzen getrennt; in der Mittelstellung bleibt eines der drei Bänder im Stereoraum in der Mitte, während die anderen gepannt werden. Je weiter dann nach rechts gedreht wird, umso mehr ändert sich das Panverhalten der drei Bänder und auch das mittlere Band wird mehr und mehr mit gepannt, bis in der Extremeinstellung sich die Bänder nach dem Pattern “links, mittig, rechts, links, mittig, rechts….” durch den Stereoraum jagen, was ein ziemlich beeindruckendes Feature ist. Der Split Regler dient der Definition des Bandes, das in der Mitte liegen soll, wenn SPS nicht voll aufgedreht ist. Effektoverkill Wenn das Effektgewitter lange genug gewütet hat, gibt es noch zwei kleine Tasten, mit denen sich die verbleibenden Sounds nochmal total in die Mangel nehmen lassen: Fazed und Bass in der “Superkill” Sektion. Mit Fazed werden die Phasen umgedreht, wird zusätzlich noch Bass gedrückt, werden auch die Bässe unterdrückt, was aber auch ohne Fazed geht. Unterschiede zur Pro Version Das hier getestete Gerät ist die DJ-Version der Federation, wobei ich mich ein bischen frage, wie man als DJ noch die ganzen Funktionen unter Kontrolle haben will, wenn man zusätzlich noch am Mixen ist. Die Profiversion fürs Studio und Livesets hat neben Klinkenanschlüssen statt Cinch noch ein paar Features mehr: separate Ein- und Ausgänge für die einzelnen Effekte, MIDI, einen wahlweise zuschaltbaren 24 dB Filter mit einstellbarer Tiefpass, Bandpass oder Hochpass Charakteristik, die Filtersektion bietet alternativ zum Filter einen Flanger, definierbare Delayqualität, sowie die Möglichkeit, die Frequenzbänder beim Panner selbst zu definieren und die Richtung der Panbewegung zu ändern. Dafür ist sie natürlich auch ein wenig teurer. Bedienung Die Bedienung der Federation ist sehr übersichtlich strukturiert und geht nach kurzem Eingewöhnen sehr leicht und intuitiv von der Hand. Alle Parameter sind schnell editiert und auch die Programs und User-Beats lassen sich bequem definieren und wechseln. Hat man sich verschraubt sind die einzelnen Effekte per Activate schnell ausgeschaltet, wenn es ganz schlimm kommt, genügt ein Druck auf die Mastertaste, um das Signal von den Effekten unbeeinflußt durchlaufen zu lassen. Fazit Vor allem im Livebereich ein prima Tool, definitiv das am besten und intuitivsten zu bedienende Effektgerät, was ich kenne, vermittelt die Federation bei entsprechendem Enthusiasmus den Spaß eines 3D Videospiels für Ohren, wozu auch der Joystick seinen Teil beiträgt. Auch der Klang ist sehr gut, allein der Preis ist vielleicht ein wenig hoch, aber vielleicht tut sich da ja noch etwas. Macht viel Spaß! ***** Info: http://www.redsound.com Vertrieb: Music And More Preis: ca. 1300,- (DJ) ca. 1700,- (Pro)

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Elektronische Lebensaspekte.