Organisch gejammte Clubmusik auf Albumlänge.
Text: Leon Krenz aus De:Bug 144

Die anzüglichen Edelmänner von Feindrehstar bringen mit “Vulgarian Knights“ ihre erste Veröffentlichung in Albumlänge heraus. Ganze zwölf Jahre lang haben sie sich vorher quer durch Europa gejammt. Der Album-Name soll den Gemütszustand der Band widerspiegeln: “Der alltägliche Wahnsinn im Proberaum hat irgendwann diesen Titel angeschwemmt”, erklärt die Band. Das achtköpfige Musikerkollektiv nahm in den neunziger Jahren in Jena als kleine HipHop-Combo seine Arbeit auf.

Übrig geblieben von der Urbesetzung sind nur der Trompeter Kalle Mille, der DJ Thomas Schläfer und der Drummer Friedemann Ziepert. Alle anderen Musiker sind die letzten Jahre dazugestoßen. Sie sind teils mit Rock, Techno und Jazz, aber auch mit Klassik groß geworden. Einige Bandmitglieder haben Jazz studiert, andere fühlen sich im Indie-Bereich heimisch und fast alle verdienen ihren Lebensunterhalt mit Musik. Die meisten haben noch andere Projekte am Laufen, sind teilweise mit der Jenaer Musikszene verbunden, teils in Dresden oder in Berlin ansässig.

Der größte gemeinsame Nenner der Band bleibt jedoch wahrscheinlich HipHop – denn damit haben sie schließlich angefangen. Ziepert erklärt ihren Schritt zur Albumaufnahme und die lange Wartezeit: “Es war schon immer ein großes Vorhaben von uns, unsere live gespielte Clubmusik auf Tonträger zu bannen. Wir haben viele Versuche unternommen, unzählige Aufnahmen und Anläufe haben uns schon beinahe verzweifeln lassen. Erst durch die Zusammenarbeit mit Flowin’Immo, Axel Reinemer von Jazzanova und Michel Baumann aka Soulphiction ist dann tatsächlich das Album möglich geworden, von dem wir immer geträumt haben.“

Und das hört man auf den Aufnahmen. Die Mühe und das Herzblut scheinen in jeden Trommelschlag übergegangen zu sein. Und die Percussions sind es auch, die das gesamte Album zusammenhalten und in einen Guss fassen. Auch wenn der eine Track mehr Elektronisches und der andere wieder mehr Akustisches bietet, der Schlagzeugsound ist stetig. Dazu kommen ein Sammelsurium aus Samples, Bläsern und Klavier, und immer wieder viel Funk, Jazz und Broken Beat.

Mission Trance
Die Tanztauglichkeit beweisen sie mit Stücken wie “Arabikanana“ und “Tyurkiimsbour“. Ziepert gibt aber zu, dass dies ein Stück weit auch ein gewolltes Zugeständnis an die DJ-Kultur ist: “Die Platte soll ja auch aufgelegt werden. Da geht es natürlich irgendwann auch um gewisse Konventionen, wie zum Beispiel die dicke Bassdrum.“ Aber vor allem live versuchen die Künstler, das Publikum in Fahrt zu bringen.

“Wir versuchen unser Set wie ein DJ-Set zu gestalten, das heißt möglichst ohne Brüche oder Pausen. Dabei wollen wir jedes Mal uns selbst und das Publikum in Trance spielen. Meistens gelingt uns das, und das ist dann das Schönste an den Gigs. Ob jetzt 1000 oder 50 Leute da sind, wenn der Funke überspringt, haben wir unsere Mission erfüllt”, so Ziepert. Das nimmt man den Jenaern auch gerne ab: Ihre Band ist ihr Lebensmittelpunkt, und das ist wohl auch der Grund für ihr zwölfjähriges Bestehen.

“Musik beginnt da, wo Sprache aufhört“, sagt Ziepert, das werden sie auch wieder Live unter Beweis stellen. Denn zusätzlich zum Albumrelease ziehen die vulgären Ritter ab Ende Juni wieder nach alter Freude-am-Tanzen-Manier aus, um die Welt das Tanzbein schwingen zu lehren.

“Vulgarian Knights” ist auf Musik Krause erschienen.