Vom Ravehit "Yes Sir, I Can Hardcore" zum Albumprojekt für Kompakt haben Resident und Booker des Nitsa in Barcelona Fra Soler und sein Produzent Maxi Ruiz fast 3 Jahre gebraucht. Jetzt ist der Spaziergang durch eine Handvoll Lieblingsgenres fertig, um das Jetzt des barcelonesischen Clubsounds zu bestimmen.
Text: Katja Hanke aus De:Bug 94

FERENC // Deutsch-Katalanische Freundschaft

Zehn, elf Jahre rotieren, als Resident-DJ in einem angesagten Club auflegen, als Programmplaner “elektronische Qualitätsmusik” buchen, Verbindungen aufbauen, jedes Jahr ein Festival organisieren; da sammelt sich viel an, nicht nur Erfahrung, auch Musik im Kopf. Und die muss raus. Also selbst produzieren, nicht viel, nur ab und zu, da man ja nicht viel Zeit hat. Die Ideen werden mehr, die Zeit sie umzusetzen weniger. Also frei nehmen, einen ganzen Sommer lang, und raus damit, mit den Ideen, mit der Musik. Das Ergebnis heißt “Fraximal” und ist auf Kompakt erschienen. Ferenc haben alles rausgelassen und ein rundes Album produziert, dessen Grundausstattung definitiv Techno ist, das dabei aber klingt wie ein Spaziergang durch fünfzehn Jahre Clubmusik: manchmal trocken-minimal, dann mit dichten Synthesizer-Flächen, Acid-Bleeps oder Dubeffekten gefüllt, mal housig, etwas poppig oder düster-elektronisch. Oder eben alles zusammen. Auch in einem Track. “Wir haben viele Einflüsse gesammelt, kombiniert und unseren eigenen Sound geschaffen”, sagt Fra Soler, viel beschäftigter Resident des Nitsa im Apollo in Barcelona und ein Teil des Produzentenduos Ferenc.
Vor sechs Jahren begannen er und Maxi Ruiz, der hauptsächlich den technischen Teil der Arbeit übernimmt, eigene Stücke zu produzieren. Drei 12″ haben sie bisher auf Kompakt veröffentlicht, darunter eine Lizenzpressung von Nitsa Recordings und eine Speicher-Platte. “Musikalisch habe ich schon immer mit den Deutschen fast denselben Geschmack geteilt.”
Und jetzt das Album. Eigentlich hätten es nur ein paar Tracks werden sollen. “Nach einer Weile haben wir aber festgestellt, dass viele davon zusammenpassen, und Kompakt ein Album vorgeschlagen.” Fast ein Jahr später ist es erschienen, passend zum Sommeranfang. “Warme Musik”, nennt Soler sein Album. Musik ist das, die vor sich hinschwebt, geleitet von einer warmen, runden Bassdrum, die unaufdringlich ist, doch weiß, wo es lang geht. Sehr beschwingt und voller Überraschungen, da man nie weiß, was als nächstes kommt, ob aus dem minimalen, trocken-groovigen Stück nicht doch noch etwas Tranciges wird. Das passiert übrigens ziemlich oft. Schwimmt er auf der 90er-Jahre-Retro-Welle? “Nein, das hat nicht nur mit Retro und Zurückschauen zu tun, sondern mit Gegenwart. Die Leute mögen diese Musik auch jetzt, in den Clubs. Das hat Seele. Es beeinflusst uns.” Man darf also gespannt sein, was am Ende dieses Sommers dabei rumkommt. Ferenc werden wie letztes Jahr frei nehmen, sich im Studio einschließen, “um wieder ein paar Tracks zu produzieren, kein Album”. Das ist zumindest die Idee.

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Elektronische Lebensaspekte.