Der französische Autorenfilmer Francois Ozon setzt mit "Swimming Pool" seine Hommage an das englische Krimigenre fort und lässt das Duo Charlotte Rampling (als Krimiautorin Sarah Morton) und Ludivine Sagnier (als Stör- und Inspirationsfigur Julie) auf die im Raum stehende Frage antworten: "Wie drehen Sie nur einen Film nach dem anderen, Monsieur Ozon?" Er entdeckt seine Figuren und schaut ihnen zu.
Text: Tim Stüttgen aus De:Bug 74

Zwei Frauen
“Swimming Pool” von Francois Ozon

Das Kino des französischen Autorenfilmers Ozon zelebriert in seinen charakteristischsten Momenten was eigentlich ganz Gemeines. Es geht letztendlich um nichts anderes als die sadistische Lust am Zuschauen. Verschachtelte, mit blassen Retro-Lettern verzierte Genre-Variationen wie “Sitcom”, “Tropfen Auf Heiße Steine” oder zuletzt “8 Frauen” lassen den mit der Zunge schnalzenden Voyeur seinen Herzschlag spüren, ohne dass er sich dabei wie ein primitiver Fiesling vorkommt. Dafür sind Ozons Filme zu smart. Dass er aber noch mehr zu bieten hat, fiel bei gewohnter Rezeption oft unter den Tisch: Es ist leider symptomatisch, dass bei seinem vorletzten Werk “Unter Dem Sand” viele Zuschauer zu Hause blieben. Zu unkultig war sein Poem über das Sterben und die Einsamkeit, zu ernsthaft womöglich sein Anliegen. Halt Kunstkino und so. Dass aber genau hier der beliebte Schauspieler-Regisseur seinen dreidimensionalsten, filigransten Charakter ins Celluloid brannte, hat kaum jemand bemerkt. Charlotte Rampling brauchte keine Genre-spezifische Figuration mehr, um die sie zu kreisen hatte.
Von manch einem Franzosen hört man, dieser Ozon wäre ihnen lieber. Warum raffe er sich nicht einmal auf, um seine Stärken in einem Film zu bündeln? Spiel mit dem Format und intensives Seelendrama, verkappte Hommage und klassische Figuren – auch ohne Fassbinder-Skript, so lautet die Hoffnung.

All das, es lässt sich jetzt flüstern, ist ihm mit “The Swimming Pool” gelungen. Am Anfang wieder eine Referenz: Der gleichnamige Klassiker mit Alain Delon und Romy Schneider (1968) und mittendrin Sarah Morton (gespielt von Miss Rampling): die Figur einer kühl-britischen Krimi-Autorin, eindeutig angelehnt an prominente Kriminal-Romanciers wie Ruth Rendell oder Patricia Highsmith. Um ihre Schreibblockade zu überwinden, hat ihr Verleger sie in sein Ferienhaus nach Frankreich geschickt, wo sie wieder zu sich kommen soll. Das klappt auch erstmal ganz gut. Die Sonne scheint, Ruhe breitet sich aus, die Zeilen finden langsam aber sicher zu ihrem Flow zurück. Bis Julie (Ludivine Sagnier), die Tochter von Mortons Verleger, durch die Haustüre schneit. Ausgestattet mit erotischster Physis und allen Lastern, die der steifen Britin von nun an die Ruhe rauben werden, isst, trinkt und vögelt sich Julie durch das noch eben so friedliche Domizil. Sicher trägt Ozon herbe auf in der Unterschiedlichkeit seiner Figuren, die sich erstmal nicht riechen können. Doch die Chemie zwischen Rampling und der aus “Tropfen…” und “8 Frauen” bekannten Sagnier erscheint so stimmig, dass es ein Genuss ist, ihren Disputen zu folgen.
Wie stark Julies Eskapaden auch die Autorin irritieren – die Neugier ist stärker. Für eine Krimi-Autorin ist die Ausstrahlung der Femme Fatale eine viel zu fruchtbare Inspiration. So werden Tagebücher durchforstet und Gespräche geführt, um Mortons Roman die nötige Schärfe zu geben. Auf diesem Wege entwickelt sich nicht nur eine Beziehung zwischen den beiden Frauen, sondern auch eine Komplizenschaft. Als würde Julie von ihrer Funktion wissen, hat sie schon bald die nötige Leiche herbeigeschafft. Das Spiel kann also beginnen! Was nach Hitchcock aussieht, soll auch so schmecken, schien sich Ozon gedacht zu haben. Dabei schafft er es, zwischen so verschiedenen Komplexen wie Freundschaft, Suspense und Kreativität zu changieren, die in einem überraschenden Ende über sich selbst hinausgehen. “Cinéma”, raunt der kritische Franzose, vollkommen befriedigt.

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Elektronische Lebensaspekte.