Teens in dysfunktionalen Familien, Drogen, Sex und Gangstaposen- und diesmal von Herzen ganz klischeefrei. Was Larry Clarke mit"Kids" an Treffsicherheit vormachte, kann das Coming of Age-Drama"Thirteen" genauso gut." Thirteen" zeigt 13jährige Mädchen, wie sie sind odersein möchten. Das Script schrieb selber eines, und zwar eines das Hanni & Nanni bestimmt schon immer für brave Doofchen gehalten hat.
Text: Verena Dauerer aus De:Bug 74

Self-Destructed Violance, Language and Sexuality – all involving young teens!

Na und? Thirteen kommt ins Kino

“Thirteen” befasst sich mit den altersmäßig Jungen, also den Teens und ihrem Rumprobieren und nach sich selber Ausschau halten. Tracy (Evan Rachel Wood), 13, ist ein nettes Mädchen, hat das Unauffälligsein satt und will zur coolen Gang dazugehören. Dazu wird sie die beste Freundin vom angesagtesten Mädchen mit dem ultimativen Look, dem It-Girl, Evie (Nikki Reed). Die ist allerdings ziemlich durch in jeder Hinsicht und bringt Tracy als böser, wilder Einfluss auf die “schiefe Bahn”. Sie fahren das krasse Programm, angefangen mit Klamotten klauen, piercen, Drogen reinziehen, dealen und mit verwegenen Jungs im handelsüblichen Gangsta-Dress rummachen. Tracys Mutter (Holly Hunter) ist überfordert, ihr Freund und Ex-Junkie genauso und beide können nur zuschauen, wie Tracy sich in sich verzwirbelt, verknotet und ganz woanders landet. Irgendwo zwischen dem schwarzen Lippenstift und dem Fetzenshirt hat sie sich beim Inhalieren von Kältespray verloren: Sie wird sitzen bleiben. Und dann hat noch dazu die Freundin hat den Drogenkram in ihrem Zimmer deponiert und schiebt ihr die Dealerei in die Schuhe.

Spannend ist es zuzugucken, mit was für einem Lösungsvorschlag das Drama am Ende kommt, um die Vertracktheit aufzuweichen. Nur zumindest bei Evie und ihrer Manipulationstour leistet sich die Jugendstudie, abgesehen von einer manchmal ruckeligen Dramaturgie, in diesem Moment eine zu banal aufgemachte Erklärung. Sie lässt Evie für ihre Mitleidshascherltour ihren Background aus familiärem Missbrauch und die ganze dazu gehörende Leier benutzen, was als aufgetuntes Klischee wirkt.
“Thirteen” hat auf dem Sundance Festival den Regiepreis gewonnen. Das Drehbuch wurde von der Regisseurin Catherine Hardwicke mit der damalig 13-jährigen Nikki Reed geschrieben, der Darstellerin der “Evie”. Vielleicht wirkt der Jugendfilm deshalb vor allem eins: lebendig. Weil er den Spirit, die Stimmung vom geplagten Teenagerdasein rüberbringen kann. Damit sind auch die Einstellungen gemeint, wenn die Girl-Gang eingehakt in Zeitlupe auf die Kamera zurauscht und man weiß, hey, da kommt jetzt wer. Gefilmt mit DV, in der Farbgebung verwaschen und grobkörnig, um schön echt auszusehen, ermogeln sich die Bilder erfreulicherweise keinen Dokudrameneffekt.
“Thirteen” schneidet außerdem an, was sich zufällig “Secretary” (Start: auch der 25.September) als Thema nimmt: das Ritzen, das Schneiden in Arme und Beine mit Nagelschere oder Rasierklinge. Ritzen, um sich die Spannungen wegzukratzen und durch den Schmerz ein Gefühl vom Körper zu haben. Genauso wie Tracy mit dem Alk und den anderen Substanzen das Leere innen drin zumacht. Ritzen, eine Erscheinung bei Teens und vor allem weiblichen, die es schon lange gibt, die aber erst seit Anfang der 90er und immer etwas ratlos benannt wird. Mit der Grund, warum die MPAA, das ungefähre Pendant zur FSK, den Film mit “self destructive violence, language and sexuality – all involving young teens” beurteilte. In Filmsprache umgesetzt ist es eben verzwackt, Teenager auch nur halbwegs vernünftig wiederzugeben. Zu hören ist das in den vielen Coming of age-Geschichten, in denen die Kids gestelzt reden, wie man sich das als Älterer vorzustellen meint, dabei aber seine gereiften Reflektionen einschiebt. “Thirteen” dagegen löst das mit der Jugendsprache fein, ohne dämlich zu klingen: Über das zurückhaltende Sprechgebaren der Jugendlichen, die mit einem Weniger an coolem Gequatsche auskommen und lieber was tun.

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Elektronische Lebensaspekte.