Mit Final Scratch 2.0 machen die digitalen Plattenspieler einen großen Schritt nach vorn. Neues Hardware-Interface, viel besserer Klang, optimale Integration in das OS und die eigene Musikarchive. Dabei ist eins klar: Von der traditionellen Timeline eines Soundfiles hat sich Final Scratch längst verabschiedet. Und darum ging es bei Vinyl eh nie.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 87

Final Scratch 2.0

Irgendwie ist es schon verblüffend, dass es immer noch Menschen gibt, die vor einem Final-Scratch-Setup stehen und gar nicht glauben können, was da geschieht. Wir nehmen mal an, dass ihr es wisst, denn jetzt geht es in die zweite Runde mit einem neuen “Scratch Amp”, einer Menge an Software-Zusatzfunktionen und der kommenden Kompatibilität mit “Traktor DJ Studio”, die selbst den letzten noch davon überzeugen könnten, dass das Zeitalter des digitalen Vinyls gekommen ist.

Das bislang gültige Interface, der Scratch Amp, wurde komplett erneuert. Drei In- und Outputs, 2 x Firewire, Mikrophoneingang und 24Bit / 96 kHz-Soundqualität sind dafür verantwortlich, dass man den Scratch Amp nun auch als reguläre Soundkarte nutzen kann. Hard- und Software laufen jetzt mit minimalster Latenz so gut miteinander, dass selbst der erfahrenste Scratch-DJ Unterschiede zu realem Vinyl selbst bei Hyperspeed-Backspins eher seiner eigenen mythologischen Plattenvorliebe zuschreiben wird, als diesem Monster.

Durch die drei Inputs kann man jetzt “On The Fly” eigene Mixe oder eben einen MC aufnehmen während man mixt und gleich auf den nächsten Plattenteller legen. Was man allein damit alles anstellen kann, ist – neben der banalen Tatsache, dass man jetzt seine eigenen FS-Mixe direkt aufzeichnen kann – kaum noch zu übersehen (die besten MC-Momente weiterscratchen, den Liveact covern etc. etc.). Da jede Aktion in FS jetzt mit Midi angesteuert werden kann, kommen die Freunde obskurer Interfaces auch nicht zu kurz, die wahre Funktionionalität wird sich aber wohl vor allem mit der Verbindung zu Traktor DJ Studio 2.6 ergeben, das mit Traktor FS (der Software) ausgeliefert wird, aber auch selber komplett über den Scratch Amp und die Plattenspieler ansteuerbar ist. Für die zwischen Old- und Newschool schon komplett Verwirrten unter euch kann man Final Scratch übrigens jetzt auch über pitchbare CD-Player ansteuern (mit speziellen Timecode-CDs).

Das gewohnte FS-Vinyl hat jetzt jede Minute eine breitere Rille, die nicht nur dazu da ist, schnell auf dem Vinyl Stellen im Track zu finden (in der Software werden die Minuten als kleine Striche in der Waveformübersicht markiert), sondern auch noch zusammen mit eine speziellen Loop-Plattenkiste funktioniert, so dass man auf einem Vinyl 15 Loops zur Verfügung hat, die man nicht nur schnell wechseln kann, sondern die auch noch nach Hochheben der Nadel weiterlaufen. Der erste Abschied vom absoluten Timecode bei FS, der sich mit den Loops in Traktor DJ Studio noch weiter verflüssigen wird. Wer bislang von den Key-Lock-Funktionen (Pitchen ohne Tonhöhen-Wechsel) nicht ganz so beeindruckt war, der wird jetzt, sollte er einmal von 33 auf 45 mitten in einem Vocaltrack umschalten, umfallen, denn ein Abfall im Sound ist genausowenig zu hören, wie ein Bruch im Track. Und schaltet man den Plattenspieler ganz aus, rollt das Stück dennoch wie gehabt tief in die Bässe hinein.

Die Searchengine und Browserfunktionen des neuen FS wurden – obwohl immer noch extrem übersichtlich und auf den ersten Blick zu verstehen – so verfeinert, dass man selbst bei größten Plattensammlungen keine Wartezeit mehr hat, bis genau das Stück gefunden ist, das man braucht. Die virtuellen Plattencases lassen sich mit Funktionstasten aufrufen, Tracks auch in einzelnen Cases suchen, die Playlists von iTunes werden ganz selbstverständlich importiert und wer nach seinem Mix mal eine Playlist haben möchte … die steht komplett in der History, bereit für den Export. Den ganzen Rest an Feinheiten und Verbesserungen lassen wir euch jetzt selbst rausfinden, Final Scratch 2 ist auf jeden Fall ein großer Schritt nach vorn, den kein DJ bereuen wird.

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Elektronische Lebensaspekte.