Perfekte Schnellfeuer-Coffetable-Lektüre
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 112


Nicht erst seitdem ich der eigenwilligen Sekte derer angehöre, die immer noch glauben, dass Hannelore Kohl den Freitod aufgrund der rings um die Spendenaffäre veröffentlichten Listen gesucht hat, bin ich ein Fan von Listen, Charts, Datenformaten mit vielen Tabs und sonstigen Aufzählungsmöglichkeiten. Fingermag ist nicht das erste Magazin, das versucht, Listen zum Hauptmotiv journalistischer Spielereien zu machen, aber das erste, das mir einfällt, das obendrein hinten auch noch einen Index der vorkommenden Namen hat. Gelegentlich ufern die Fragenkataloge schon mal in komplette Interviews aus oder die Befragten haben die schwierige Aufgabe, gleich zu jeder Frage ihre Top 5 auszugraben.

Aber der Normalfall in der zweiten Ausgabe von Finger ist: Antwort nicht länger als Frage. Ein höchst gleichgewichtetes Geben und Nehmen zwischen Banalitäten-Plauderei, ausgegrabenen Peinlichkeiten und diskursivem Verhör also, das natürlich immer stark von dem Interesse, das man für die jeweils befragte Persönlichkeit (sehr viele Debug-nahe Musikanten und Musikantinnen) hat. Und so erfährt man diese berühmten Dinge, von denen man sich im Nachhinein nicht sicher ist, ob man sie wirklich wissen wollte (Trentemøller hört zum Relaxen am Strand Sade), oder die auf obskure Weise als unvergesslich überflüssige Informationsschnippsel einen neuen Sinn machen (A Guy Called Geralds erste Platte war der Star-Wars-Theme-Tune). Perfekte Schnellfeuer-Coffetable-Lektüre jedenfalls.
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Elektronische Lebensaspekte.