Text: Jan Joswig aus De:Bug 105

Die rechte Hand der UK-Jugendmode
Firetrap

Mit englischer Mode verbindet man Karos, Regenmäntel, Miniröcke, Tweed. Aber auf keinen Fall Jeans. Wenn eine englische Marke mit Gespür für die Traditionen des eigenen Landes beschließt, sich als Jeansmarke zu definieren, kann das nur interessante Effekte bringen. Firetrap mischen seit 1993 da mit, wo Jeans zwischen LA und Italien ganz groß geschrieben werden. Sexy Verwaschungen, Glitzersteinchen hier und da, Stringtanga-Sichtfenster. Aber eben auch einfach slim und schwarz. Wie es dem ”21st Century Mod“ ansteht, den Firetrap ausruft. Ihr Maskottchen ”Deadly“, ein Gartenzwerg mit Leatherface-Maske, gibt die Richtung vor: Alles passt, wenn es denn nur tödlich catchy ist. Das begreifen die Engländer als Erstes. Zum Beispiel die Gorillaz, sie lieben Firetrap und trugen die Klamotten exklusiv auf ihrem Manchester-Konzert. Oder die Mitchell Brothers von Mike Skinners Streets-Label, sie gehen nie ohne vor die Tür.
Einer Marke, die vom Hemd bis zum Schuh so den Spagat zwischen englischem Erbe und globaler Mode schafft, fällt auf unseren Fragekatalog sicher ganz anderes ein als den Klassikern von Fred Perry. Wir fragten Carlos Singh, verantwortlichen Manager für die Außenwirkung von Firetrap:

Debug: Wenn jemand behauptet, zwischen den USA und England läuft seit den Tagen von Rock’n’Roll und Beat ein ewiger Wettstreit, wer die Jugendkultur anführt, was würdest du antworten?

Carlos Singh: Beide haben für die Jugend Leitbilder entworfen, nur auf verschiedene Weise und zu verschiedenen Zeitpunkten. Die USA waren voraus mit Rock’n’Roll und allem, was die Gitarre in den Vordergrund stellt. UK revolutionierte die Ska- und Mod-Szene, die eine Schlüsselrolle unter den Jugendbewegungen einnimmt.

Die USA stehen für bedruckte T-Shirts, Sweatshirts und Baseball-Sneaker, in UK geht es um Polo-Hemden, Strickjacken und Loafers. Im Moment orientiert sich alles am UK-Beispiel.
Ist es nicht ein bisschen, als würde man den Schlüssel zur Schatztruhe wegwerfen, wenn man als englische Marke seine englische Herkunft ignoriert?

Firetrap versteht sich als Marke, die von Mode und nicht von Nationalität angetrieben wird. Wir haben zwei Grundpfeiler: Jugendorientierung und Attitüde. Inspiration kann von überall kommen, von allen Jugendbewegungen irgendwo auf der Welt.

3.) Eure Idee vom ”21th century mod”, wie ihr sie zu eurer letzten Kollektion formuliert, hat nicht mehr viel mit dem Mod-Modell zu tun, das man zum Beispiel aus dem Film ”Quadrophenia” kennt” …

Das Entscheidende am Mod-Look ist die schmale Silhouette. Guck dir den Film an, die Silhouetten sind schmal und lang. Das war unsere Interpretation, nur ins 21. Jahrhundert übertragen. Schmal, lang und modern, aber eben modern im Sinne von 2006 und nicht 1966.

Wer sind eure unmittelbaren Mitwettbewerber?

Diesel, Miss Sixty, Fornarina, G Star, Pepe Jeans, Replay.

Wie würde die Idealperson aussehen, die Firetrap trägt?
David Hasselhof in seinen roten Badehosen

Welche Musik würde sie hören?
David Hasselhof’s Greatest Hits

Wo würde sie Urlaub machen?
Deutschland

Was für ein Auto würde sie fahren?
Kit von Knight Rider

Hätte sie einen MySpace-Account?
Jawoll

In Deutschland haben wir dieses Sprichwort: ”Die Amerikaner sind smarte Verkäufer, aber die Engländer haben die smarten Produkte.“ Was sagst du dazu?

Absolut richtig. Wir kümmern uns um Qualität, während die Amerikaner nur davon reden. Wenn man das smartes Verkaufen nennt …

Skandinavien ist gerade schwer im Blick der Modewelt. Acne, Nudie, Tiger of Sweden, Cheap Monday … Bauen diese Marken nicht nur originäre UK-Stile nach, so schmal und schwarz-weiß, wie sie sind? Nervt das oder ist das eher eine Einladung zur Zusammenarbeit? Vielleicht ist Firetrap das in seiner internationalen Ausrichtung auch egal?

Der skandinavische Markt hat seine ganz eigene Identität gefunden. Alle Ähnlichkeiten zu UK-Stilen sehen wir nur als schmeichelhaft. Aber du hast Recht, Firetrap versteht sich als internationale Marke und schert sich nicht weiter drum.

Kannst du dir vorstellen – in deinen wildesten Träumen -, dass Deutschland je verstehen wird, was auf eurer Seite des Kanals vorgeht. Oder wird es immer so bleiben: Ihr habt die hippe Musik wie Dizzee Rascal und Roxy Music, wir haben Xavier Naidoo und die Scorpions, ihr habt Topshop, wir haben New Yorker?

Machen wir uns nichts vor, die beiden Länder wird man nie und nimmer vergleichen können. Die Kids aus England haben kaum etwas mit den Kids aus Deutschland gemein. Die Frage kann man nur vergessen.

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Elektronische Lebensaspekte.

One Response

  1. Fashion-Fan

    ob der stil von Firetrap tatsächlich an den der mods angelehnt ist sei dahingestellt. fakt ist die sachen sind klasse.