Robin Slomkowski, einer der Entwickler von Flock, im Interview über die Browser-Metapher und die Auswirkungen sozialer Unterschiede auf Softwareentwicklung.
Text: Johnny Haeusler aus De:Bug 98

Was ist deine Aufgabe beim Flock Developer Team und wie kamst du dazu?

Robin Slomkowski: Ich arbeite vor allem an Infrastruktur und Integration. Ich kümmere mich auch um die verschiedensten offenen Probleme und Bugs, die sich vor den Deadlines sammeln. Zu Flock bin ich gekommen, weil ich mit dem Gründer Bart DeCrem zusammen bei einer Firma namens Eazel gearbeitet habe und er einen Generalisten gesucht hat, der Technologie und andere Dinge zusammenbringt und tun kann, was immer getan werden muss bei einer Firma, die nur aus vier Leuten besteht.

Warum noch ein Browser?

R.S.: Der Browser hat sich nicht in der gleichen Geschwindigkeit entwickelt wie das Internet. Die Metapher des “Browsens” impliziert ja schon, dass man einfach nur Sachen ansieht und nicht Teil hat. Wenn man in einem Shop “browst”, kauft man nichts, wenn man ein Buch “browst”, schreibt man nicht, tatsächlich liest man oft nicht mal. Wir brauchen eine bessere Art, mit dem Internet zu interagieren, und das Tool, das alle benutzen, ist eben der Browser. Einerseits braucht die Welt wirklich nicht noch einen Browser, der noch mehr Probleme aufwirft, mit denen sich dann Content-Provider rumschlagen müssen, deshalb basiert Flock auch auf Firefox. Wenn eine Webseite mit Firefox funktioniert, dann funktioniert sie auch mit Flock. Wir wollen den Kommunikationsmöglichkeiten im Netz etwas hinzufügen und wollen, dass sie gleichzeitig einfacher sind und mehr Spaß machen. Die Information, die man schon hat, soll leichter erreichbar sein, deshalb gibt es durchsuchbare Favorites, Suche in dem kompletten Inhalt besuchter Seiten, eine Zwischenablage (Shelf), Flickr-Bar, direkte RSS-Ansicht und -Sammlung. Und es soll neue Wege geben Ideen zu kommunizieren, dafür stehen das Blog-Tool und die geshareten Bookmarks. Wir arbeiten gerade an der dynamischen Integration dieser beiden Arten von Information. Photos aus der Flickr-Bar direkt ins Blog legen, Text nehmen und über das Shelf als Zitat formatieren. Bessere Kommunikation durch besseres Informationsmanagement eben.
Das Hauptaugenmerk liegt auf integrierter Kommunikation und das ist auch eine der großen Ideen von Web 2.0. Manche erreichen das, indem sie ihre APIs öffnen, andere durch Applikationen wie Flock, die es Leuten ermöglichen, ihre eigenen Informationen zu verbinden. Klar, das alles kann man auch ohne Flock, aber mit ist es einfacher.

Wie ist der Zeitplan für das 1.0 Release?

Das wird wohl noch ungefähr sechs Monate dauern, aber wir hoffen ein sehr benutzbares Beta gegen Ende des Jahres zu haben.

Du wohnst in Berlin und arbeitest für eine US-Firma. Kannst du uns etwas über die unterschiedlichen sozialen Gegebenheiten bei der Software-Entwicklung sagen? Wäre Flock auch in Deutschland möglich?

Zurzeit lebe ich sogar in München, vermisse aber viele Dinge aus Berlin. Der größte Unterschied ist wohl die Toleranz von Risiken und das Level des persönlichen Engangements. Silicon Valley ist ein besonderer Ort. Das Maß an Risiken, das Leute hier einzugehen bereit sind, was Arbeitgeber und Arbeitnehmer betrifft, ist den Deutschen ziemlich fremd. Und dabei geht es nicht nur darum, dass Venture- Capitalist-Firmen nur von einer von zehn Investitionen erwarten, dass sie Geld macht. Das Ganze betrifft auch viel persönlichere Ebenen. Man geht zu einem Start-Up, auch wenn man weiß, dass sie nur für sechs Monate Geld haben und die Richtung der Firma sich in diesem Zeitraum auch noch völlig ändern kann. Du erwartest sozusagen, dass sich deine Aufgaben ständig ändern. Und du weißt auch, dass du deinen Job verlieren könntest. Es könnte aber auch sein, dass die Firma zwei Jahre funktioniert und du nicht einmal Zeit hast Urlaub zu machen.
Ich glaube, dass auch deutsche Entwickler Flock als Produkt hätten entwickeln können. Es gibt viele talentierte, enthusiastische und intelligente Programmierer in Deutschland. Aber Flock als Firma hätte in Deutschland nicht funktioniert. Es gibt diverse Probleme, wenn man eine kleine Firma in Deutschland hochziehen will. Zunächst gibt es nicht so viel Geld für Projekte, deren Einkommensquellen nicht besonders erprobt sind. Und dann ist es auch schwerer, Partnerschaften mit anderen Firmen einzugehen, weil sie seltener bereit sind, flexible Deals mit amateurhaften jungen Firmen einzugehen. Und nicht zuletzt gibt es auch weniger Leute, die bereit sind umzuziehen oder zwei Stunden zu pendeln und ihren sicheren Job und ihren Urlaub aufzugeben, weil sie die Chance sehen, etwas Neues zu tun.

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Elektronische Lebensaspekte.