Ein Trademark-Sound, den man auch auf einem White Label sofort wiedererkennt, ist ein Non plus Ultra in der Produzentenwelt. Florian Meindl ist das egal. Aber er sucht sich seine Musik-Freunde auch nach Fotos und nicht nach der Musik aus. Oliver Koletzki zum Beispiel.
Text: Constantin Köhncke aus De:Bug 106

Florian Meindl
Talent mit Stil und Masterplan

Der 21-jährige Österreicher Florian Meindl hat auch schon vor seiner durch ihn initiierten Bekanntschaft mit Oliver Koletzki Musik gemacht. Auf Balkon debütierte er mit der wunderschönen housigen Hymne “Liquid Source“ und verlockte damit sogar die ehrwürdige Chicagoer Elite zu Lobesliedern via MySpace. Klar, nach so einem Start ist man motiviert, will mehr und schickt mehr raus, aber gezielt. “Als ich den Mückenschwarm das erste Mal hörte, fand ich den Track überhaupt nicht so geil, aber das Coverfoto von Oliver hat mir gesagt: Den Typen finde ich extrem sympathisch.“ Gesagt, CD rausgeschickt, wiederum MySpace-Message bekommen und dann durch fluffige Freundschafts-Emails näher gekommen. Resultat: Er wurde als ”Talent mit Stil“ gebrandet und produzierte den meistverkauftesten und am häufigsten gespielten Track der ersten Compilation des Labels mit dem albernen Namen. Das baut Vertrauen auf. Mit “Sputnik“ hatte er dann im Juni sein eigenes Release auf Koletzkis Label, das seine Vielfältigkeit in den drei Tracks der Platte manifestierte. “Da ist was für die Minimal-Crowd, die Elektro-Crowd und für die Afterhour dabei.“
Der aus dem 3.000-Seelen-Nest Eferding stammende Florian denkt beim Musikmachen über die Crowd nach, will mit seiner Musik unabhängig sein und sich nicht in eine Schublade stecken lassen. “Es gibt keinen Florian-Meindl-Stil. Mein Sound ist nicht so definierbar wie bei anderen. Mir macht es einfach Spaß, mich in jegliche Richtung auszuleben.“ Deshalb hat er sich schnell ein Pseudonym zugelegt. Unter Colour Switch wird er in Zukunft klackernden Minimal produzieren, seinen Geburtsnamen hält er sich für etwas anderes offen: “Als Florian Meindl will ich jetzt mehr in Richtung Elektro und Primetime-Sound gehen, natürlich nicht cheesy oder so. Ich will einfach meinem Melodie-Schreib-Trieb nachgehen und eher melodiösere Sachen machen, die wahrscheinlich bei der Masse besser ankommen als das ewige Minimal-Geklacker.“
Zeichen der Zeit erkannt? Könnte man meinen, denn seine Tracks unter Florian Meindl melieren Elemente verschiedenster Couleur. “Bei meinem Elektrostil ist ein bisschen dieses Neo-Trancige drin, aber nicht zu viel, und dazu dieses klassische Elektro-Ding, das kann auch ruhig mal etwas dark sein.“ Zusammen mit Oliver Koletzki, der sich mit seinem ”Stil vor Talent“-Label merklich auf das Aufstöbern von interessanten Newcomern festgelegt hat, bringen die beiden im Oktober ihr eigenes Label an den Start. Auf ”Flash Records“ gibt’s zumindest auf den ersten drei Releases reine Kollaborationen der beiden Label-Owner. Vor allen Dingen soll das Ganze durchdachter sein als noch bei “Stil vor Talent”. Eine durchgängige Grafiklinie und Philosophie, die sich von der Namensgebung der Tracks bis zur Webpräsenz durchziehen soll. “Ich glaube, bei Stil vor Talent wurden noch einige Fehler gemacht. Flash wird nicht nur eine Plattform für Olivers und meine Musik sein, sondern auch durch eine ganzheitliche Linie überzeugen.“ Das hört sich durchdacht an und kalkuliert, Florian ist einer dieser Menschen, die die Freiheit des Produzentendaseins zwar ausleben, dennoch aber sehr bedacht sind, ihren Output zu koordinieren, und sich über ihre Außenwirkung bewusst sind. Dieses Organisierte ist auch Teil seines Produktionsprozesses. “Wenn ich mit Oliver Musik mache, dann kann ich ihm technisch schon noch was beibringen, ich bin da sehr akribisch. Dafür kann er mir extrem viel Input geben, was Melodien anbelangt. Wir ergänzen uns sehr gut.“ Gut ergänzt er sich auch mit Traumtänzer Daso, mit dem er gerade zusammen Tracks produziert hat, die noch auf einen Release warten.
Florian hat einen Masterplan und zieht den durch, denn er will von seiner Musik leben können. Deshalb verlässt er im September nach nur drei Monaten Berlin wieder, um in London Sound-Engineering zu studieren. Berlin bleibt er aber treu, zum Auflegen kommt er gerne wieder her. Als DJ muss er sich sowieso nicht mehr beweisen. Schon mit 17 hat Florian Warm-Up-Sets für Villalobos und Väth gespielt und so bereits jeden hintersten Clubwinkel Österreichs kennen gelernt.

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Elektronische Lebensaspekte.

3 Responses

  1. Gregor

    Krass, mit 17 schon warmup und mit 21 releases…dabei finde ich seine musik jetzt gar nicht so der knaller

  2. Markus

    Nicht schlecht, wobei ich seine eigentlich Musik auch recht belanglos finde..