Text: max ernst aus De:Bug 15

Ford, die tun was? Detroit versus Köln oder was Ford mit Techno zu tun hat und was lieber nicht Max Ernst Es wird der Versuch gestartet, der Firma Ford in Köln ein paar Verdienste nachzuweisen, die gemäß ihrer “Die-tun-was”-Ambition außer Tun-ing noch ein paar andere Chancen im Bereich der “ing’s” – wie Sponsor-ing, Market-ing, und Club-ing – eröffnen soll. Anlaß ist eine CD-Produktion (Sound Of Cologne), die sich die Stadt Köln, u.a. vertreten durch das Amt für Wirtschaftsförderung, den Rockbeauftragten, das Kulturamt und die Stadtsparkasse, zur Selbstbespiegelung, teilweise ohne die hier vertretenen Musiker zu fragen, schmückend um den Hals hängt. Es wird die Idee diverser Mittelstandsvertretungen aufgegriffen und als Gesprächsangebot an die Ford-Werke weitergeleitet – und das in völliger Verkennung der Tatsache, daß Ford mit diesem Mittelstand eher nichts zu schaffen hat. 1. Produktionshintergründe in zugespitzterer Form Wir weisen Ford deswegen in diesem Zusammenhang auf einige andere Zusammenhänge hin: z.B. daß es neben den bekannten Zusammenhängen wie “Ford Köln” und “Ford Detroit” auch noch die der musikalischen Entwicklung des “Techno” gibt, dessen Ursprung und Entwicklung ebenfalls mit diesen Städten verbunden ist. Dieses kommt nicht von ungefähr, da das repetetive Prinzip des “Loop” und der Samplingtechniken ihren Vorläufer in Motor City Detroit (Motown) und Motor City Köln bereits mit der Erfindung von Ford’s Assemble-Line hat. Die innovativen Impulse zeitgenössischer Musiken und Automobiltechniken kommen aus diesen Städten. Es gibt außerdem in der Musikszene einen regen kulturellen Austausch zwischen den Regionen. Und nicht wenige Väter und Mütter der Technokids stehen bei Ford am Fließband: Der Sound, der hier herrscht, ist Urerfahrung im industriellen Uterus am Scheideweg zum postindustriellen Software-Zeitalter. So ähnlich hat es auch Derrick May gesagt, als man ihn fragte, warum er Detroit nicht verläßt, wo sich solche Produktionshintergründe in zugespitzterer Form zeigen. ”Détroit”, seinem französischem Ursprung folgend, läßt sich auch mit “Zwangslage” übersetzen und ist die Stadt, in deren Downtown, dem jetzigen “Greektown” (58 Bageley Ave Garage), einst der erste Ford mit Beteiligung von Ransom Olds und den Dodge Brüdern entstand. Damals war Greektown das Viertel deutscher Auswanderer, die in diesem Umfeld ihre Sozialisation bereits hinter sich hatten. “The value duplicable event was everywhere perceived” schreibt E.L. Doctorow in Hinblick darauf und auf das Kino, in dessen Palästen die Automobile heute unter reich verzierten Decken vor der ehemaligen Projektionsfläche parken. Aus den Disassambly-lines der Clevelander & Chicagoer Schlachthöfe waren die Assemble-lines in Detroit geworden. Die Filmstreifen und Fließbänder ratterten hier bereits in der Postmoderne, als die Moderne noch nicht einmal richtig begonnen hatte. 2. Deutsch-Amerikanische-Freundschaft Es sollte doch möglich sein vor diesem Hintergrund etwas zu “tun”. Die “Sabotage” Leute aus Wien haben die Traditionen Deutsch-Amerikanischer-Freundschaft durch ihr Parfüm CASH gerade erst wieder belebt, der synthetisierte Geruch von Dollarnoten$$, der im Hause Ford seit jeher geschätzt wird, wo es gelang “das Niveau von Arbeit auf ein so idiotisches Maß zu senken, daß Demokratie möglich wurde” (Jerry Herron / After Culture – Detroit And The Humilation Of History). Nach dem Krieg gelingt es Ford via Cash auch in Köln, einer Stadt, die nach den Bombenangriffen so ausgesehen hat wie Detroit heute, den Deutschen Nachhilfe in Demokratie zu erteilen. Beim Betreten des Werksgeländes in Niehl sind die Kontrollen durch den hauseigenen Sicherheitsdienst so aufwendig, daß man unweigerlich nach dem Schild “Arbeit macht frei” zu suchen beginnt. Diese Fortschrittlichkeit im Hinterkopf, haben wir uns gedacht, Ford mit kulturellen Zusammenhängen zu konfrontieren, unter der Prämisse “We’re all in it for the money” (Zappa): Auf die Love Parade soll Ford einen Wagen entsenden, da mit dem 1. FC Köln mittelmäßiger Zweitligafußball durch Millionenaufwand unterstützt wird, dessen Werbewirksamkeit mit den Bildern randalierender Fußballfans, die den Ford Mannschaftsbus mit faulen Eiern bewerfen, verknüpft sind. Sowieso muß man zwanzigmal das Stadion füllen, um die entsprechende Menge Leute einer einzigen Loveparade zu erreichen, deren Bilder um die Welt gehen und die gerade in Amerika als Erfolgsmeldung erfolgreicher Umerziehung gern gesehen werden. Zu den Demütigungen des Fußballsponsorings in der Vergangenheit durch die Bayer-Werks-Elf kommen in Zukunft womöglich auch die von Fortuna/Toyota-Köln. Und mehr als lokales Interesse an diesem Geschehen ist wohl nicht drin. (Ob der Ford-Aufsichtsratsvorsitzende Albert Caspers als F_C_Präses dem Toyotafortuna gratuliert? Den Opelbayern wird er jedenfalls nicht in Müngersdorf treffen, aber der Opelbayer vielleicht den Toyotafortuna nächstes Jahr im Südstadion?) 3. Das Table-Dancer-Projekt Wir erinnern Ford daran, daß die VW-Tochter Audi unlängst in einem Spot feststellte, Fußball sei auch nicht mehr das, was es einmal war und der Mutterkonzern heute vor einer Zielgruppe steht, denen man mit Golf “Bon Jovi” / Golf “Rolling Stones” / und Golf “Pink Floyd” frei nach dem Motto “kick out the jams motherfuckers” (MC 5) die Perspektive “Mit Anstand alt werden” liefert. Mercedes Bunz und Sabrina Setlur gehen da mit der “S” Klasse ganz andere Wege. Wir wissen um die Probleme mit dem Bilderbuch FOCUS, die es Ford gerichtlich untersagen ließen, ihren Neuen “FOCUS” zu nennen, und sprangen in der Stunde der Not Ford zur Seite, um Ihnen unsere Labelnahmen anzubieten. “Ford Ernst” , “Ford Profan” , “Ford Popkom” wäre nach entsprechenden Verhandlungen möglich gewesen, ja sogar eine Ford Sonderserie “Sound of Cologne” mit eingebautem CD-Player Blaupunkt “Techno”, Sonderlackierung mit Veilchenmadonna und dem kostenlosen Soundtrack stellen wir in Aussicht. Um dieses zu feiern, bieten wir DJ Kontakte nach Detroit und Köln an, die in den Werkshallen einen geilen “Fiesta” machen würden. Ein runder Tisch mit den Beteiligten von Kulturamt, dem Amt für Wirtschaftsförderung, der Stadtsparkasse soll eingerichtet werden. Das Table-Dancer Projekt, von dem Mike Ink geträumt haben soll. Sogar die Kunsthochschule für Medien bietet ihre Mithilfe an und will das Anliegen mit Empfehlung weiterleiten. 4. History is bunk Klüngelüng, Knüngelüng, Ford tut tatsächlich was: Sie investierten in FOCUS, damit beim Hocus Pocus wieder Focus rauskommt. Das Traditionsbewußtsein hat sich über die Jahrzehnte im Kölner Brennpunkt “Karneval” entwickelt, wo das Dreigestirn sich der Unterstützung durch den Fuhrpark-Ford auch in Zukunft sicher sein darf. Man hat offensichtlich Henry Ford mißverstanden, als dieser sagt: “History is bunk”. Die Kultur- und Brauchtumspflege wird ernst genommen, Funkemarieche tanz. Dicke Trommel ja, aber bitte nicht auf der Love-Parade oder Popkomm. Keine Macht den Drogen! Deutsche Telefon und Tour de France sind Warnung genug. Und der französische Ex-Kulturminister Jack Lang, der die Love-Parade nach Paris holen will, schaut auch manchmal durch zu große Pupillen. Die Bemerkung: “Sie haben die Autos, wir haben den Style” die wir protzig und frei nach Andy Warhol Richtung Ford lancieren, verfängt da nicht, wo man unter Party “Fiesta” versteht. Für eine Firma, die sich mit ihrem Slogan so weit aus dem Fenster lehnt, ist es folgerichtig, daß die Tätigkeitsethik auf den Airbag reduziert wird, sind es doch gerade diese Luftbeutel, die den Aufschlag dämpfen, wenn man wo raus fällt. Der Aufforderung “Tue Gutes und rede darüber” will man auch nicht folge leisten, obwohl wir ausdrücklich nach Erfüllung des Slogans “Tun was” in der Kulturabteilung nachfragen: “Ein wenig Mut in der Selbsteinschätzung, schämt euch nicht, laßt uns wissen, wie toll ihr seid !” Verschämt kommt das Antwortschreiben: “Ihr Spendengesuch ist zuständigkeitshalber an den Spendenausschuß weitergeleitet worden. Leider müssen wir Ihnen hierzu mitteilen, daß der Spendenausschuß keine Möglichkeit sieht, Ihrer Bitte, Ihnen ein Fahrzeug für die Love-Parade zur Verfügung zu stellen, zu entsprechen.” Nein, wir haben nie nach Spenden gefragt, verweisen in einem weiteren Schreiben darauf, daß wir weder “…ein Haufen von Schnorrern, noch ein karitativer Verein sind, der davon ausgeht, daß es bei Ford irgendetwas zu verschenken gibt, vielmehr ein Stück farbenfrohe Jugendkultur anbiedern wollen, die dem innovativen Erscheinungsbild der Ford-Werke eine dynamische Note hinzufügen kann.” Böses Kind ! Ford will nicht, kann nicht, tut auch nicht. 5. Böses Kind Der Spruch “Ford. Die tun was.” muß als Introjekt offengelassener Objektbeziehungen verstanden werden. Er klingt etwas verunfallt. “Die”, also eigentlich “Wir” das Objekt, sind hinter dem ersten Punkt und “tun”, aber “was”? Durch den Kauf von “was” Neuem bei Abgabe von “was” Altem finanzieren wir die Baumschule und “tun” einen von 300 Bäumen im Werte von 1000 Mark gewinnen. Der Un-Fall bezeichnet das Verschwinden eines Autos in einem Baum. Hier verschwindet gleich eine ganze Firma im Wald. Bäumchen wechsle dich! Autos und Bäume pflegen traditionell Bumskontakte, aber wer will das? Nicht gleich “gebumst” werden, nur mal schöne Augen machen und ein bischen mit “reich und sexy” flirten. Der “ESCORT” ist schließlich ein geiler Begleiter und auf den haben wir es abgesehen. Klar sind wir käuflich, aber der Preis ist hoch und wir machen Ärger. Wir lernen eben von den Autos. In einem Land, wo sich der Staat aus der Kulturpolitik verabschiedet und seine Kompetenz in Straßenbau, Verkehrsregelung und Abschiebung nachweist, sind aufmunternde Sprüche, wie die von Ford, genauso gern gesehen, wie die Bestseller von Dale Carnegie. Sorge dich nicht lebe! Träum schön, bis auf weiteres in Clubland Deutschland. Tun ist Silber, nicht tun ist Gold. ZITAT: Klar sind wir käuflich, aber der Preis ist hoch und wir machen Ärger. Wir lernen eben von den Autos.

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Elektronische Lebensaspekte.