Container ist ein Duo aus London, das an der Schnittstelle von Illustration, Design und Grafik ansetzt, um so beeindruckend verschnörkelte, wie dezent romantische optische Bereicherungen aufzutischen. Zuletzt im Fox-Hotel in Kopenhagen und auf Telefonzellen in Notting Hill.
Text: Clara Völker aus De:Bug 93

CONTAINER
Formschön verschnörkelt

Die Uni. Ein beliebter Ort, an dem man sich trifft und von dem aus man weitere Dinge in Angriff nimmt. So ähnlich war es auch bei Luise Vormittag und Nicola Carter, die sich während ihres Grafikdesign-Studiums am Camberwell College of Arts in London kennen gelernt haben. Luise ist gebürtige Österreicherin und seit 1997 in London beheimatet, Nicola ist Engländerin und zusammen sind sie Container. “Was uns an der Uni unter anderem zusammengebracht hat, war die Liebe fürs Fotokopieren. Wir haben mal während des Studiums einen Film gemacht, der hauptsächlich aus fotokopierten Stills bestand. Wir mochten die unperfekte Qualität des Kopierers und auch heute fotokopieren wir noch gerne. An der Uni, die wir 2002 abgeschlossen haben, haben wir immer davon geträumt, unseren eigenen Kopierer zu haben auf dem wir so viel kopieren können, wie wir wollen. Dieser Traum ist im Project Fox in Erfüllung gegangen.”

SPIELZIMMER
Im Fox-Hotel in Kopenhagen (siehe Seite XX) haben Container vier Räume sowie eine Installation gestaltet. “Wir hatten totale kreative Freiheit – es gab überhaupt keine Vorgaben. Als wir gefragt wurden, vier Räume zu gestalten, haben wir uns dafür entschieden, die vier Farben von Spielkarten als Basis für unsere Ideen zu nehmen. ‘Herz’ wurde zum ‘The Royal Wedding Room’, es ging allerdings nur um die Liebes-Hochzeit (anstatt der Hochzeit aus Status- oder finanziellen Gründen). Daher sind die Paare, die in diesem Raum heiraten, oft unpassend oder auf den ersten Blick nicht so attraktiv. ‘Karo’ (engl. ‘Diamonds’) wurden zu ‘The Crown Jewels’, dem BlingBling-Raum, in dem Leute mit schlechtem Geschmack ihren Reichtum zeigen, alles ist weiß oder gold. ‘Kreuz’ wurde zu ‘The Secret Palace’, ein bisschen wie ein verführerischer Nachtclub mit schönen Frauen und absurden kleinen Männern, die plumpe Kleidung tragen und die Zunge in der Wange haben. Und ‘Pik’ wurde zu ‘The Royal Garden’.”
Oberstes Gestaltungsprinzip war hierbei die Verknüpfung von analogen und digitalen Arbeitsweisen und insbesondere selektive Handarbeit, beispielsweise haben Container eigens Tapeten anfertigen lassen. Mit ihrem gesammelten Material wurden die Räume dann vor Ort peu à peu gefüllt und währenddessen die Ausgangsbasis nochmal modifiziert. Da ist es in der Tat “schade, dass ein Gast immer nur einen (seinen) Raum sieht. Es sollte so etwas wie Tage der offenen Tür geben wo man sich alle Räume anschauen kann.“ Immerhin sind detailverliebte Hotelgestaltungen mit Geschichtenerzählungen eine extrem rare Sache.

SCHICHTEN UND ERZÄHLEN
Neben den Fox-Zimmern haben Container schon diverse andere Projekte realisiert: Illustrationen für Zeitschriften, Buch-Design, Schaufenster- und Cafégestaltung eines Kaufhauses auf der Oxford Street, Installationen, Web-Design uvm. Momentan arbeiten sie unter anderem an einer Animation für ein Musikvideo. Gibt es eine einheitliche Herangehensweise? Luise: “Wir haben im Osten Londons ein Studio, in dem ich auch wohne, ‘work-live unit’ nennt sich das. Nicola kommt manchmal ins Studio, oft arbeitet sie aber auch von zu Hause und wir kommunizieren in einem ständigen Ping Pong von Emails und Telefonaten. Meistens ist es so, dass wir am Anfang eines Projektes uns erst mal zusammen setzen und so lange mehr oder weniger sinnvolles Zeug labern bis wir ein Konzept haben. Dann überlegen wir uns ein Layout, die Materialien und eine ungefähre Arbeitseinteilung. Schließlich beginnen wir einfach zu zeichnen, scannen, malen und fotokopieren, und so entwickelt es sich dann bis zur Fertigstellung. Wir verwenden Bleistift, Posca Pens, Acrylfarben, Scanner, Photoshop, Drucker, Fotokopierer, Kleber, Tapeten, Filzstifte, Stoffe, Teppiche, etc. Wir machen es uns eigentlich immer kompliziert, weil wir so aufwändige Arbeitsprozesse entwickelt haben, in denen meist sehr viel von Hand gemacht wird.“ Das Ergebnis sieht jedoch weniger kompliziert, als vielmehr komplex und dennoch formschön verschnörkelt aus. Kein Wunder, dass Container oft darauf angesprochen werden, ob Jugendstil sie stark beeinflusst. Dem ist nicht so, ihr Stil steht schon auf eigenen Beinen, tänzelt durch verschiedene Ebenen und ist dabei bewusst (und unverwunderlicherweise) hauptsächlich von dem englischen Künstler Aubrey Beardsley beeinflusst: “Seine Arbeit interessiert uns unter anderem deshalb, weil die Frauen in seinen Bildern nicht nur hübsche Gestalten sind, sondern oft einen sehr ‘twisted character’ zu haben scheinen. Außerdem sind in seinen Bildern immer kleine Geschichten versteckt, ‘narratives within one image’. Abgesehen davon ist auch die Komposition und das Design seiner Bilder sehr gut.” Und genau das haben auch Container raus: unterschiedliche Materialien und Erzählungen zu einem leicht nostalgisch wirkenden Ganzen zu verbinden.

RAUM UND PRINT
Im Druck sieht das leicht anders aus als im dreidimensionalen Raum. Beispielsweise haben Container eine desolate Telefonzelle im Londoner Bezirk Notting Hill mittels Umbauung durch eine hölzerne Box, auf der ihre Sachen klebten, verschönert. Trotz Kurzlebigkeit (die Box wurde mittlerweile abgerissen), bleibt die schwerkraftgeprägte Umgebung eines ihrer liebsten Arbeitsfelder: “Die Arbeiten auf der Straße und im Raum sind die Projekte, bei denen wir immer versuchen ‘to push things forward’ (die Dinge voran zu treiben) – neue Ideen und Techniken zu entwickeln, neue Arbeitsansätze und Konzepte. Die kommerzielleren Printprojekte sind für uns Phasen, in denen wir im Detail Sachen verfeinern können, und die uns zudem ständig auf Trab halten, damit wir auch wirklich immer wieder und wieder und wieder Figuren, Hände, Gesichter zeichnen – Übung bringt beim Zeichnen wirklich sehr viel.”

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Elektronische Lebensaspekte.