Text: Mercedes Bunz aus De:Bug 64

Wenn einen jemand anlässlich eines Geburtstags zwingen würde auf den Punkt zu bringen, wie und in welcher Weise Foucault das Denken und die Theorie veränderte, dann wäre es nicht ganz falsch, folgenden Begriff zu stottern: Bewegung. Denn tatsächlich, Theorie ist nach Michel Foucault auf keinen Fall mehr das, was sie vorher war. Eine tiefe Historizität ist mit Foucault in das Denken eingedrungen, hat es dynamisiert und vom Elfenbeinturm der Neutralität gestupst: Denken ist abhängig von einer jeweiligen kulturellen Ordnung, ihrer diskursiven Formation, die immer und überall – im Denken und allen anderen Praktiken ebenso wie im Blick auf Geschichte selbst – ihre Spuren hinterlässt. Es gibt kein Außerhalb der Geschichte. Nicht zuletzt Foucault selbst hat seine Zeit produktiv genutzt, Auseinandersetzungen mit den politischen Turbulenzen prägten ihn ebenso wie die mit anderen Köpfen, mit älteren, toten und jüngeren von Kant bis Althusser, von Canguilhem bis Deleuze. All das zieht sich durch Foucaults stilistisch brilliante Texte, die sich trauen, auch mal auf vermeintlich periphere Ränder zu fokussieren und dort Erstaunliches zu entdecken, die selber eher Netzwerken gleichen als zentralisierten Bauten und die nicht zuletzt immer am Rand unserer Gegenwart einmischend entlangtaumeln. Von Foucault haben wir gelernt, dass ein kritisch ambitioniertes Denken sich an keine feste Position klammern darf, Kritik bedeutet nie einfach beruhigt auf der besseren und richtigen Seite stehen bleiben zu können. Sie ist eine Kunst, die immer wieder von neuem beginnen muss: “die Kunst nicht auf diese Weise und um diesen Preis, die Kunst nicht dermaßen regiert zu werden” (Foucault). Die Kritik muss beweglich bleiben, um wirksam zu werden. Für einen neugierigen und politisch-ambitionierten Blick ist der Zugriff Foucaults einer, der produktiv zu irritieren vermag. Am 15.10. wäre Michel Foucault 75 Jahre alt geworden. Wir schicken Grüße und essen einen Kuchen.

Unter der Leitung der alten Foucault-Bekannten Heidi Paris und Peter Gene vom Merve-Verlag, findet am ZKM in Karlsruhe noch bis zum 03.11. eine Ausstellung ihres Archivs statt. http://www.zkm.de/foucault-treffen

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Elektronische Lebensaspekte.