Kieran Hebden hat als Four Tet hat bereits Menschen wie To Rococo Rot oder Godspeed You Black Emperor in Verzückung versetzt. Sein neues Album "Pause" hat den klassischen alten Klang, ist aber postmodern manipuliert und gemischt. Es klingt recht down to Earth. Der Schein trügt.
Text: Christoph Jacke | cj@lebensaspekte.de aus De:Bug 49

Mathe und Musik
Four Tet

Hebden studierte Mathematik und Computerwissenschaft. Keine schlechte Grundausbildung für einen Musik-Elektroniker. “Ich entschied mich für Mathe, weil ich vor hatte, mich in meiner Freizeit sowieso schon mit eher künstlerischen Dingen zu beschäftigen. Mathematisch-logisches Denken hat mich aber auch dahingehend trainiert, den Computer auch für die Musik effektiv zu nutzen. Musik am Computer zu produzieren hat eine sehr wissenschaftlich-analytische Art. Nach über drei Jahren des Übens würde ich sagen, dass ich genau jetzt und hier wirklich gelernt habe, mit den Geräten einigermaßen professionell umzugehen. Nun ist es wie meine zweite Natur, denn ich muss nicht mehr alles vorab bedenken. Ich kann einfach drauflosbasteln. Beim ersten Four Tet-Album habe ich eigentlich erst angefangen zu lernen.
Mittlerweile gibt es eine Menge Leute die phantastisch mit dem Computer arbeiten. All diese Laptop-Nächte. Oft gibt es sehr viele aggressive, krachige Sounds – ohne große Studios, alles wird an den Laptops erstellt. Das ist schon vergleichbar mit der Do-It-Yourself-Attitüde des Punk.” Auch wenn sich seine Musik in wesentlich entspannteren Wellen wiegt. “Ich habe einige heftige Acts wie Autechre gesehen, die mich sehr begeistert haben. Zumindest solange sie in einem Club auftreten, auf großen Bühnen kommt das eher unvorteilhaft.” Vor einigen Wochen gab der Engländer seine erste Solo-Show in Bristol – nur mit Laptop. Natürlich. Hebden liebt eine ganze Menge des deutschen Minimal-House à la Thomas Brinkmann. Einiges davon hat ihn vor allem für seine Live-Sets sehr beeinflusst. “Bei Four Tet interessiere ich mich kein Stück für die Performance der Tracks, auch live soll alles sehr low key sein.” Auf dem neuen Album “Pause” ist das etwa bei dem Track “Untangle” zu bemerken. Eine Minimal-Kollaboration gab es bereits mit Stefan Betke aka Pole. Hebden: “Wir haben uns befreundet und sind große Fans der Musik des jeweils anderen.”
Hebdens wichtigster Stil ist allerdings der Jazz, wie auch auf dem neuen Album zu hören ist: “Gerade diese Sorte psychedelischen, verrückten Cosmic Jazz’ der späten 60er, frühen 70er gefällt mir sehr gut. Ich bin oft genervt, wieviele schlechte Dance-Sachen auf den Markt geworfen werden, die so tun, als seien sie jazzbeeinflusst.” Auf “Pause ” gibt es außerdem Folkanklänge (“Everything Is Alright”) oder Saxophon-Samples. Kieran: “Aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Ich liebe es zu manipulieren. Eigentlich ist alles auf ‘Pause’ manipuliert, auch der Jazz.”
Ganz nebenbei hat Hebden jüngst ein eigenes Label ins Leben gerufen: “Wir suchten für Fridge nach einem neuen Vertrag. Dann gab mir auch noch ein Freund ein wundervolles Demo-Tape. Da lag es nahe, mit “Text Records” ein eigenes Label zu gründen.” Dort erscheint Ende September das neue Fridge-Album. Aber es bleibt zunächst bei diesen beiden Projekten. Aktueller Fokus ist schließlich auch “Four Tet”. Hebden: “Ich mag diese totale Abwechslung: Musik für eine Webpage, dann für eine eigene Platte, dann einen Remix, dann live, solo, mit Band, dann wieder als DJ. Wenn ich das nicht variieren könnte, würde ich abstumpfen.” Wünschen wir uns, das Hebden so aktiv bleibt und vor allem dass Stefan Betke ihn zu Liveauftritten überreden kann.

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Elektronische Lebensaspekte.