Für ihr Label Friends of Tomorrow ist Sabine Niedergassel die Harmonie zwischen den Menschen genauso wichtig wie die Harmonie in den kleinsten musikalischen Ereignissen.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 99


Mach meinen Kumpel nicht an

Kassel gehört zu den Städten auf der musikalischen Landkarte, die man trotz Bringman und Kopetzki und dem Stammheim immer wieder übersieht. Eins der sympathischsten Label des Jahres kam aber genau aus diesem Zentrum. Bine aka Sabine Niedergassel, die nicht nur oft im Stammheim und sonstwo auflegt, sondern dort auch noch mit Pierre das Booking macht und die Bookingagentur Spineakle betreibt, hat dieses Jahr Friends Of Tomorrow gegründet und mit Releases von ihr selbst und ihrem Freund Losoul, Dapayk, Paradroid und Jay Haze für mich dieses Jahr ein wichtiges Statement für Label als Projekt unter Freunden gesetzt, deren gemeinsames Ziel gerade darin klar wird, auch wenn sie so unterschiedlich sein können wie nur vorstellbar.

Ist Friends of Tomorrow mehr als ein Labelname, vielleicht sogar das Thema?

Ja, genau. Es geht um zukünftige Freunde. Damit meine ich nicht nur Freunde im menschlichen Sinn, sondern auch im musikalischen. Die Brücke zum Zuhörer oder Gast einer Veranstaltung. Das hat sicher auch viel damit zu tun, dass ich leidenschaftlich DJ bin und schon immer einen sehr persönlichen Bezug zum Inhalt meines Cases gehabt habe. Viele meiner Platten sind inhaltlich so nah an mir dran, dass ich sie durchaus als Wegbegleiter und Freunde bezeichnen würde. Zeitlosigkeit mit Blick in die Zukunft, Komplexität, Spannung, aber auch Harmonie sind neben viel Spaß und Blödsinn ein wesentlicher Aspekt.

Welchen Sound verfolgt Friends Of Tomorrow?

Mir ist es ausgesprochen wichtig mit Künstlern zusammenzuarbeiten, die einen hohen Grad an persönlicher Authentizität mitbringen. Die sich selbst produzieren, keine Angst vor Experimenten haben, vermitteln wollen, was ihnen wichtig ist und sie als Person darstellt. Die aus Liebe und Spaß an der Musik musizieren und auftreten und nicht, um von irgendwelchen Groupies bewundert zu werden. Hinsichtlich des Inhalts sind nur wenig Grenzen gesetzt. Ich könnte mir auch vorstellen, irgendwann mal Jazz oder Postrock zu veröffentlichen, wobei ich persönlich einen starken Hang zu minimalen und experimentellen Projekten habe. Wichtig sind mir besonders die kleinen Details in den einzelnen Stücken, die Harmonie zwischen den einzelnen kleinen Ereignissen, überraschende Wendungen, Erzählhaftigkeit, Emotionalität und verschmitztes Augenzwinkern. Alles, nur keine Langeweile, Klobigkeit oder Trübsinn.

Was macht das Label so speziell?

Der Blick auf Freundschaft, Zusammenhalt, gegenseitige Akzeptanz, Toleranz, Hilfe und Respekt vor der Arbeit des anderen, auch wenn sie nicht immer dem eigenen Gusto entspricht. Zicken und das ausschließliche Trachten nach dem eigenen Vorteil: völlig unerwünscht.

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Elektronische Lebensaspekte.