Text: dietmar dath aus De:Bug 15

Der Minkowski-Baumfrosch Science Fiction-Fortsetzungsroman Dietmar Dath Synopsis: Ist “Zeit” etwas, das ontisch, beobachterbeziehungslos, autonom existiert und tatsächlich objektiv “vergeht,” sowie eine (neuerdings vielleicht relativistischen Gesetzen unterworfene) “Eichbarkeit” aufweist, wie man Jahrtausende lang glaubte, oder eine Ansammlung von “Bernsteiniken”, Oberflächenkräuselungen eines bloß “idealen” Mediums, wie z. B. Kurt Gödel annahm, nachdem er die R-Universums-Lösungen für Einsteins Felgleichungen der allgemeinen Relativität gefunden hatte? Dieser Streit ist der Ausgangspunkt eines viele Jahrhunderte und mehrere “Bernsteiniken” übergreifenden Krieges zwischen der (Gödels Ansichten nahestehenden) “Froschpartei” (um den Erfinder der Twistorzeitmaschine, Kato Takahashi) und der “(an einer “absoluten Zeit” festhaltenden) “Fischpartei” um Martin “Merlin” Späth (dessen Tochter Cordula, “die Chefin”, zu den wichtigsten ParteigängerInnen der Frösche zählt). Die “Frösche” haben offenbar auch über die Metapher vom “Zeitsprung” auf dem “bernsteinischen Teich” hinaus etwas mit den Tieren, nach denen sie sich nennen, zu tun und interessieren sich außerdem für ein in “Froschsprache” (= bernsteinischen Codes) gefaßtes Signal vom Stern Procyon, das durch die Jahrhunderte beständig auf der Erde empfangen wird. Die Froschleute sind, jedenfalls im hier präsentierten Szenario, und da der Ich-Erzähler dieser Partei selbst angehört, die “Guten”. Ihr Hauptargument gegen die absolute Zeit, das auch gilt, wenn es den Fischleuten gelingen sollte, eine solche wirklich zu errichten, lautet mit Gödel (aus dem Aufsatz “Relativity and idealistic philosophy” von 1949): “The mere compatability with the laws of nature of worlds in which there is no distinguished absolute time, and therefore, no objective lapse of time can exist, thwors some light on the meaning of time also in those worlds in which an absoulte time CAN be defined”. Nach zahllosen temporalen, spatialen und teilweise annähernd völlig wahnsinnigen Verwicklungen inklusive Verrat, Mord, Totschlag, Exfreundinnen aus einer Zukunft, die Vergangenheit ist und noch Undurchsichtigerem, kulminiert scheinbar alles in einem Riesengemetzel vorerst dort, wo die Geschichte angefangen hat: bei einer Abendgesellschaft von Charles Darwins Großvater Erasmus, “Old Err”, in dessen Haus bei Birmingham. Aber es gibt noch andere Schauplätze und -zeiten … Kapitel 9: Invasion auf den Langerhansinseln Eins: Neue Software für den Marathonläufer Es war der beeindruckendste- von Menschen und ihren nichtmenschlichen Alliierten aus der Amphibienwelt geschaffene bzw. arrangierte- Ort, den Charles Darwin je besichtigt hatte, und er kam leicht fröstelnd (der riesige Korridor wurde mit nonalgogesteuerten Klimagebläsen kühl gehalten) zu dem Schluß, daß schlichte Gemüter, die sonst etwa das Innere der Westminster Abbey für den Beweis der Existenz des Gottes nahmen, von dem der anglikanische Glaube sprach, hier mühelos zum größenwahnsinnigen Heidentum des technischen Äons bekehrt worden wären. Auf ihn jedenfalls wirkte das hier einschüchternd und blasphemisch, und mehr als nur ein bißchen deutsch (mit leichtem Schauder rief er sich das “Nürnberger Reichsparteitagsgelände” in Erinnerung, und die Wewelsburg, und andere megalomanische Klotz- und Protzbauten völkischster Monstrosität). Die Anlage wirkte auf distinkte Weise nichtmenschlich, und das war sie ja zumindest teilweise auch- Darwin dachte wenig begeistert an die “Great Old Ones” aus einer Geschichte eines schwer gemütskranken Mannes aus der Neuen Welt, nach seiner eigenen Zeit, die ihm Katja Benante einmal zum lesen überlassen hatte. Grusliges Zeug. Wesen wie diese “Great Old Ones” mochten durchaus Anlagen wie die aus dem Fels der Insel sprengen und graben, in der Darwin jetzt herumspazierte. Es waren freilich gutmütigere Lebensformen, das wußte Darwin selbst- dennoch, nichtmenschliche Architektur war nichts, worin man sich besonders wohlfühlen konnte. Das einzige, was der langgezogenen, vier Meter hohen unterirdischen Halle wieder einen Anschein, einen Abglanz von etwas humanem, jedenfalls beruhigendem verlieh, waren die großen Mosaik”Fenster”, leicht leuchtend, grünlich, auf denen Darwin vielhundertfach überlebensgroße Repräsentationen diverser Froschspezies erkannte: Dort saß ein stilisiertes Exemplar von Litoria Chloris auf einem Ast, daneben, schlank und mit diesem unerfroschlich-intelligenten Blick, der Charles immer innehalten und sich wundern ließ, was im Hirn des Tiers vorgehen mochte, “lauerte” Litoria infrafrenata einer Fliege oder sonst einem unvorsichtigen Insekt auf. Und vorhin, erinnerte sich Charles, schon etwas milder gestimmt, draussen am Eingang, an der Oberfläche, war eine Froschskulptur auf ihrem Sockeln gehockt- das war schon etwas anderes als die Löwen und Greife und sonstigen Raubtiere, mit denen sich Einschüchterungsarchitekturen und -heraldiken für gewöhnlich in die Brust warfen. Charles beschleunigte seinen Schritt, um nicht hinter den anderen beiden zurückzubleiben- seit Joyce so plötzlich in einem Wirbel aus Twistorfeldgradienten verschwunden war, vorhin, ein Augenzwinkern nach dem unerwarteten Auftauchen Cantors, fühlte sich Darwin ein bißchen unwohl, der Unterkiefer schien zu schmerzen, und im Nacken zog es – unmöglich eigentlich, wußte der Engländer, denn derartige Anfälligkeiten waren bei Synthozweitkörpern wie dem seinen eigentlich ab ovo ausgeschlossen. Psychosomatisches also vermutlich, oder ein Zeitreisenden-Äquivalent für Jetlag bzw. zu langsame Akklimatisierung an die Parallelvergangenheit (wenn er an die unnatürlich gefärbte See draußen dachte, wurde ihm immer noch ganz anders). Barbara und Georg, die ein halbes Dutzend Schritte vor ihm einhergingen, in diesem trotz der überwiegend rechtwinkligen Formen und schlanken Pilaster irgendwie gotisch wirkenden großen Wandelgang, vermochten miteinander zu plaudern, als wäre es eine Tiefgarage in der Innenstadt einer dieser geschäftigen 20.Jh-Metropolen, die bei Charles jedesmal nervöse Ticks und ärgste Beklemmung ausgelöst hatten, wann immer es seinem Großvater gelungen war, ihn zu einem Twistorabstecher in diese staubigen Lärmhöllen zu überreden – er mußte danach jedesmal mehrere Wochen in seiner angestammten Weltzeit ein paar “Spaziergänge durch die Botanik” einlegen, wie sich Cordula Späth mit kaum verhohlenem Spott ausdrückte. Stolpernd versuchte Darwin jetzt, den Anschluß an die beiden anderen wiederzugewinnen, damit nicht womöglich noch aus einer unsichtbaren Seitentür, verborgenen Paneelen o. ä., eines der Wesen vor ihn hintreten würde, die diesen Ort bewohnten und denen er um nichts in der Welt ALLEINE unter die merkwürdigen Augen treten wollte. Barbara sah ihn freundlich an, als er sich, unabsichtlich drängelnd, kaum daß er die beiden erreicht hatte, auch schon zwischen sie schob: “Na, Chuck? Du siehst blaß aus. Georg hier”, sie wies auf den Begleiter, der als einziger der drei kein Zweitkörper, sondern per klassischer Gehäuse-Twistormaschine verschickter “richtiger Mensch” war, “hat mir von seinem Programm erzählt – es leistet noch ein bißchen mehr als nur Doppelagentenvorhersage, stimmt’s Georg?” Cantor nickte nur, zurecht von sich überzeugt, und Darwin versuchte, sich für dieses ganze komplizierte Zeug – Probabilistik, Strategeme, Mengenlehre für Konflikte, Gefangenendilemma etc. – das Barbara jetzt vor ihm ausbreitete, nachdem Georg es ihr soeben auseinandergesetzt hatte, aufrichtig zu interessieren. Schließlich, die drei waren fast am Ende der Wandelhalle angelangt, bemerkte Barbara wie beiläufig: “Es sind natürlich ein paar Voraussetzungen in Georgs Programm für den Marathonläufer enthalten, die Cordula nicht recht schmecken. Er hält, wenn er auch kein Freund der absoluten Zeit ist, ein paar der … pragmatistischen Annahmen unserer lieben Frau für verzichtbar bei der Betrachtung eines, wie er es nennt, großen Szenarios …” “Ich weiß wohl”, hob Georg ein bißchen abwehrend die Hand, “daß Frau Späth es vorzieht, lokale Betrachtungen sozusagen induktiv ein Gesamtbild immer bloß erahnen zu lassen, damit die Froschleute flexibel bleiben …” Eine Abneigung gegen Masterpläne …” murmelte Darwin, der damit eine Formulierung wiederholte, die Cordula selbst ihm gegenüber einmal gebraucht hatte. “Ja, gewiß.”, stimmte Georg, ein wenig halbherzig, zu, und fuhr eilends fort: “Aber es gibt eben gewisse Grundsätze der Übersicht, die ich mir angeeignet habe … es ist, wie ich glaube, nicht nötig, in diesen Grundsätzen irgendeine Gefahr für die Wissenschaft zu befürchten. Dagegen scheint mir aber jede überflüssige Einengung des mathematischen Forschungstreibens eine viel größere Gefahr mit sich zu bringen und eine umso größere, als dafür aus dem Wesen der Wissenschaft wirklich keinerlei Rechtfertigung gezogen werden kann, denn …” “Schwing’ deine Reden ein andermal, Schorsch. Wir sind da.” Und mit diesen Worten wies sie auf den noch blinden, aber bereits leise summenden und schwach fluoreszierenden Bildschirm etwa in Augenhöhe auf dem großen Portal vor ihnen beiden, eingerahmt von zwei stilisierten Fröschen im Halbrelief. Barbara, die schon einmal hier gewesen war, hob die rechte Hand, einerseits zum Gruß und andererseits, um die audiovisuelle “Gegensprechanlage” zu aktivieren. Charles und Georg zögerten, ihrerseits den Gruß auszuführen, und da war es auch schon nicht mehr nötig, denn auf dem Schirm erschien das seltsamste Gesicht, das beide je gesehen hatten. Zwar kannten sie beide Abbildungen, auf denen die Helfer von Katos und Cordulas Partei in dieser fernen Parallelprähistorie zu sehen waren, aber einem Amphibienblick, dem Blick eines Molches, der intelligent war (und, dachte Darwin, außerdem mit der Meermolchspielart Triturus Oceanis Sundermeier verwandt, die sie auf der Schiffahrt zu den Langerhansinseln begleitet hatte), zu begegnen, das hatte, bei aller Wunderbarkeit, doch etwas stark irritierendes. “Guten Tag!”, sagte das Wesen durch unsichtbare Lautsprecher und hob eine Hand, die noch merkwürdiger war als ihr Gesicht. Zwei: Piraterie vom Schurkischsten Der Leiter des Landungskommandos, Sir Garlon, von Merlin persönlich ausgesucht, um die ebenfalls handverlesene Truppe aus deutschen Wehrmachtssoldaten, amerikanischen Ledernacken und arthurischen Rittern anzuführen bei der Invasion der logistisch so wichtigen Froschstation, stand mit einem leicht flauen Gefühl im Magen am Bug des Schiffes, das nun schon drei Tage die rote See kreuzte, von der Spione der Fischpartei ermittelt haben wollten, daß sie irgendwelche “Langerhansinseln” barg, auf denen angeblich der große Backup-Nonalgorechner “Marathonläufer” zu finden war, den Garlons Trupp zerstören sollte, wobei wenn möglich soviele Daten wie irgend machbar gerettet werden sollten, die Zerstörung und Unbrauchbarmachung der Anlage für die Machenschaften des Feindes jedoch absolute Priorität hatte. Sir Garlon fühlte sich wie einer jener Piraten und Rotblondbärte, die an der englischen Küste einfielen, obwohl er natürlich wußte, daß das Schiff, auf dem er sich mitsamt seinen 50 eisenharten Männern befand, kein gewöhnliches normannisches Langschiff war, wenn es auch von fern, und mit unbewaffnetem Auge, den Anschein eines jener Drachenboote aus Norwegen erweckte, die mindestens so sehr Legendenstoff waren wie Garlon selber. Das Fahrzeug nicht allein meerestauglich, es konnte sich auch an Land, in der Luft und sogar (wenn man eine mehrstufige Trägerrakete damit koppelte, die hier nicht zur Verfügung stand) im Weltraum bewegen. Es war mit äußerst komplexen defensiven und offensiven Waffensystemen, mit Radaranlagen, Gravitationsgradiometern (für die Reise im All), optischen und Radioteleskopen, Navigationselektronik etc. ausgestattet, besaß Lenkraketen, Gasgeschosskanonen, Schwerkrafttorpedos und wurde mit S-Energie-Batterien betrieben, die erst in Jahrhunderten verbraucht sein würden. Es war eine Heidenarbeit für Merlins technischen Stab gewesen, das Fahrzeug samt Besatzung mit der neuentwickelten Parallel-String-Zeitmaschine hierher zu schicken, aber der alte Zauberer war sich vollkommen sicher, diesmal eine Stelle im Matrixpattern der Kämpfe gefunden zu haben, an der die Froschpartei verwundbar war wie selten. Mit seinen großen, behaarten, vielfach an den Fingern beringten Händen stützte der Ritter sich auf die Reling des Bootes und murmelte unzufrieden in seinen Bart: “Schuft soll mein Name sein, wenn das hier mit rechten Dingen zugeht. Wo ist sie, die verfluchte Inselgruppe? hat sie sich unsichtbar gemacht, wie ich?” – denn im Sagenschatz der Arthurlegenden war Sir Garlon bekannt als der “unsichtbare Ritter”, der nur von einem Verband mehrerer Kämpfer einmal in die Flucht geschlagen worden war, da seine Fähigkeit, sich für die Augen Sterblicher buchstäblich in Luft aufzulösen, ihn zu einem schier unbezwingbaren Gegner machte. Die Fama behauptete, Garlons Unsichtbarkeit sei eine Zaubergabe, die man ihm mit der Auflage verliehen hatte, seine Wunderkräfte nur “im Kampf gegen das Böse” anzuwenden. Aber der Ritter wußte es besser – “das Böse”, das war nur Kato Takahashis und Cordula Späths Froschpartei, und seine Unsichtbarkeit verdankte er einem Tarnanzug, den Merlin in seiner Waffenkammer hergestellt hatte, und der aus einer feinen Webarbeit photomechanisch instabiler Moleküle bzw. Submikro-Filamente bestand. Gegenwärtig trug er diesen Tarnanzug nicht und war so für alle Mitglieder seines Kommandos, die sich gegenwärtig wie er auf Deck des Drachenbootes befanden, deutlich genug sichtbar. Just in dem Moment nun, in dem Sir Garlon seine Verwünschung der fruchtlosen Suche nach dem auszuräumenden Versteck der Feinde in seinen dichten schwarzen Bart gemurmelt hatte, rief ein junger Matrose/Schütze, der so dankbar war wie kaum einer an Bord, an dieser Mission teilnehmen zu dürfen (man hatte ihn nämlich direkt von der deutschen Weltkriegs-Ostfront des Jahres 1943 geholt), vom Ausguck aus: “Land in Sicht! Land ! Das sind sie!”. Sir Garlon drehte sich langsam, nicht zu aufgeregt (dies war ja nicht sein erstes Enterunternehmen) zur Mannschaft um, als auch schon von unten, aus dem Bauch des Bootes, einer der an den Geräten Dienst tuenden Soldaten hinaufstürmte und rief: “Confirmed sighting of designated target area…” und den Rest des Satzes verschluckte, als sie alle, den Blick nach Steuerbord wendend, das zu ihrer Seite scheinbar aus dem Wasser auftauchende felsmassiv des so lange gesuchten Promontoriums erblickten. Sir Garlon klatschte in die Hände, und brauchte nicht erst einen Befehl zu bellen, daß seine Truppe sich zu rüsten begann: Er selbst schritt entschlossen zur Treppe aus, die zu seiner Kajüte führte, denn dort, auf seinem Bett, lag seit Tagen zusammengefaltet der Tarnanzug, der nun endlich zum Einsatz kommen sollte. Drei: Verteidigungsvorkehrungen? Eben erst hatten Charles und Georg ihr erstes sprechendes Molchwesen (“Lurchus Sapiens!”, meinte Barbara scherzend) kennengelernt, Bhinajk, wie er sich nannte, der ihnen die Pforte geöffnet hatte – und schon fanden sie sich inmitten dutzender, vielleicht ganzer hundert dieser merkwürdigen Geschöpfe, die zwischen kleinen Cockpits, Cubicles, Departments, Schalttafeln, Armaturen und Steuereinheiten des runden, ein wenig an ein Raumfahrtkontrollzentrum erinnernden zentralen “Dialograums” des Marathonläufers herumwuselten, alle etwa anderthalb Meter lang bzw. groß (je nachdem, ob sie auf allen vieren oder auf den zwei Hinterbeinen herumliefen bzw. -standen). Es war ein verwirrender Eindruck, und ihre Stimmen, die zwar vertraute menschliche Laute formten, aber immer klangen, als hätten die Wesen Schlamm im Mund, verstärkten den unwirklichen Eindruck noch. Sie riefen durcheinander, sprachen in Mikrofone (manche trugen Kopfhörer, es mußte sich um ein komplexes internes Kommunikationsverbundsnetz handeln) und hielten generell den Laden am Laufen. “Einer von Minkowskis Botenfröschen” führte Bhinajk, an sie alle gerichtet, aus, während seine hervortretenden Augen im Raum herumblickten, als wollten sie überprüfen, daß alle seine Kollegen ihre Arbeit mit dem nötigen Ernst verrichteten, “hat uns schon mitgeteilt, daß ihr kommen würdet … ich muß mich erst mal daran gewöhnen, daß dies hier für euch ein Aspekt einer Neobernsteinik ist. Mann, mit Finkelsteinkoordinaten rechnen ist leichter als dieses Takahashi-Zeug!” Er pfiff leise, und Charles vermutete bei sich, daß das ein Amphibienäquivalent fürs seufzen sei. “Habt ihr”, er wandte sich Georg zu, “die Software mitgebracht?” Georg tippte sich mit dem Zeigefinger der rechten Hand sachte an die Stirn: “Alles hier drin. zeig mir nur ein Eingabemodul mit Kontakfeld, oder sonst eine Schnittstelle für den Marathonläufer, und ich gebe alles Nötige ein.” “Ok. Jhanneban?”- eines der Wesen stand von seinem Konsolenstuhl auf, offenbar angesprochen, und huschte heran, stellte sich auf die Hinterbeine und sah die drei Menschen neugierig an – es hatte ein besonders breites Maul und sah beinahe aus, als lächelte es freundlich. Vielleicht, überlegte Charles verdutzt, tat es das sogar wirklich. “Zeig dem Herrn”, Bhinajk deutete auf Cantor, “doch bitte das Kontaktfeldinterface IV.” “Gern!”, rief der “Jhanneban” Genannte erfreut aus und führte Georg weg, durch die Reihen der Arbeitsplätze hindurch an eine Anlage, die von ihrer Bauart her (Sessel, Keyboard, Bildschirm) schon eher menschlichen Gewohnheiten und Erfordernissen angepaßt schien. Gerade wollte sich der Gastgeber an die verbliebenen zwei aus dem ursprünglich von Old Err, Kato und den anderen hierher geschickten Ozeanteam wenden, als ein deutlich sirenenartiges Geräusch allen Anwesenden durch Mark und Bein fuhr. Es verstummte nach dreieinhalb Sekunden wieder, aber das überall sichtbare Pulsieren von Leuchtanzeigen, die schlagartige Zunahme der ohnehin schon hektischen Betriebsamkeit der intelligenten Amphibien um einen Faktor fünf und Bhinajks nervöses Vorstrecken und Zurückziehen des Kopfes sowie die Kommandos, die er augenblicklich rief, verrieten Barbara und Charles, daß offensichtlich etwas sehr Ernstzunehmendes geschehen war. “Was ist los?”, fragte Charles beunruhigt. “Wir werden angegriffen. Vom Meer aus. Bootsgestützte Lenkraketen. Und diese Leute wissen offenbar ganz genau, womit sie es zu tun haben – sie konzentrieren ihren Beschuß auf die Felsverschalung der Zentraleinheit. Den NAL-Prozessor.” Barbara furchte ergrimmt die Brauen, Darwin fühlte eine leichte Schwindelattacke und hörte sich selbst wie aus großer Ferne fragen: “Oh Dear, und was machen wir jetzt?” Bhinajk zuckte mit den Schultern, es sah verblüffend menschenähnlich aus. “Wir werden unsere Verteidigungsvorkehrungen treffen. Zurückschlagen. Vor allem müssen wir verhindern, daß sie ein Landungskommando auf der Insel absetzen können.” “Na, dann verhindert mal schön.”, sagte Barbara sarkastisch und zeigte mit ausgestrecktem Zeigefinger der rechten Hand auf einen großen Videomonitor an der Wand, auf dem deutlich zu erkennen war, wie ein Fischarmee-Kommando mit Schlauchbooten in die Bucht einfuhr, in der die kleine Yacht des Ozeanteams vertäut war. Fortsetzung folgt ZITATI Nach zahllosen temporalen, spatialen und teilweise annähernd völlig wahnsinnigen Verwicklungen inklusive Verrat, Mord, Totschlag, Exfreundinnen aus einer Zukunft, die Vergangenheit ist und noch Undurchsichtigerem, kulminiert scheinbar alles in einem Riesengemetzel. Auf ihn jedenfalls wirkte das hier einschüchternd und blasphemisch, und mehr als nur ein bißchen deutsch. ”Guten Tag!”, sagte das Wesen durch unsichtbare Lautsprecher und hob eine Hand, die noch merkwürdiger war als ihr Gesicht. ”Schuft soll mein Name sein, wenn das hier mit rechten Dingen zugeht. Wo ist sie, die verfluchte Inselgruppe? hat sie sich unsichtbar gemacht, wie ich?” ”Habt ihr”, er wandte sich Georg zu, “die Software mitgebracht?”

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Elektronische Lebensaspekte.