Links und qualitätsorientiert. Das FSK Radio in Hamburg ist ein freies Radio mit 2 000 Fördermitgliedern, das dem Quotendruck durch verminderte Bezahlung ausweicht. Herr Peel mixt dort jeden Monat zwei Stunden: Lesen sie jetzt, wie all das funktioniert.
Text: jan möller | moeller.jan@gmx.net aus De:Bug 52

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Das Hörfunk Kombinat
FSK Hamburg

Ernsthafte Bemühungen um ein Freies Radio gab es in Hamburg bereits in den späten Achtzigern. Einen entscheidenden Schritt nach vorn bedeutete 1993 der Zusammenschluss diverser Radiogruppen zum Freien Sender Kombinat (FSK). Das funkt nach ewigem Hin und Her (inklusive der Verlegung in ein dreieinhalb Stunden-“Fenster” auf der Frequenz von DLR Berlin) seit Januar 2001 endlich täglich rund um die Uhr auf eigener Frequenz (93.0 MHz; Kabel: 101.4 MHz). Obwohl diese nur in Hamburg zu empfangen ist, gibt’s natürlich nichts geschenkt: GEMA, Buchhaltung, Miete – all das und noch viel mehr will bezahlt werden. Mit Geld, das ausschließlich von den bislang gut 2000 Fördermitgliedern kommt. Die redaktionelle Arbeit wird nicht, die organisatorische fast nicht entlohnt. Weitgehende Unabhängigkeit ist durch Werbe- und Sponsoringfreiheit garantiert.
Allerdings: Das FSK ist kein Offener Kanal, wo alle (fast) alles dürfen, wo Avantgardisten und Stadtteilinitiativen neben Nachwuchs-Dudelfunkern und reaktionären Schwaflern senden. Es ist vielmehr ein linkes Projekt mit all seinen positiven Aspekten (etwa regelmäßigen Sendungen aus der Roten Flora) und auch den typischen Diskrepanzen (einer so zermürbenden wie notwendigen Antisemitismus-Debatte zum Beispiel).
Der Wortanteil im gesamten Programm beträgt um die 50 Prozent. Die Qualität der Sendungen variiert, das steife Ablesen von Pamphleten hat jedoch deutlich nachgelassen. Hin und wieder werden sogar Perlen der Radiokultur produziert. Einer der Gründe: Wo kein Quotendiktat ist, muss niemand die Formatschere fürchten. Und radikale Experimente, etwa mit Interaktivität oder Stille, dürfen gewagt und notfalls auch in den Sand gesetzt werden. Was das Musikalische betrifft, gibt es aufgrund der verheerenden Programmpolitik der Öffentlich-Rechtlichen und Privaten eh keine zwei Meinungen. Auch KünstlerInnen, um die man sich bei De:Bug gern mal kümmert, gastieren öfters im Studio, schicken Mixtapes oder machen selbst Sendungen (wie Felix Kubin mit der Radio-Gagarin-Besatzung). Zudem nimmt sich ein gewisser Herr Peel jeden Monat zwei Stunden Zeit, um eigens für das FSK alte Revox-Bänder mit Content zu füllen. Irgendwann, so ist es geplant, soll er die Ausstrahlung auf seinem englischen Landgut per Livestream verfolgen können. Mit dem Aufzeichnen des kompletten Programms im MP3-Format hat man beim FSK immerhin schon mal begonnen.

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Elektronische Lebensaspekte.