Die Adria liegt an einem Fjord
Text: Anton Waldt aus De:Bug 110


Prins Thomas, den meisten Disko-Konsumenten durch die Kooperation mit Hanspeter Lindström bekannt, frönt auf seinem Label Full Pupp seiner Vorliebe für nordische House-Mashups.

Die Adria liegt heute wohl an einem Fjord, genau gesagt am Oslofjord, an dessen Ende sich die norwegische Hauptstadt findet, wo Prins Thomas seine Wochen als Hausmann und Musikproduzent verbringt. An den Wochenenden tauscht er allerdings das Fahrrad mit Kindersitz gegen Flugticket mit Plattenkoffer, denn Oslo ist nüchtern betrachtet eine beschauliche Kleinstadt, die vor allem satte, südskandinavische Sicherheit bietet, aber nicht ein Fitzelchen Aufregung oder gar Hysterie. Die entsteht dann in Prins Thomas Kopf, beim Durchzappen seines buntscheckigen Vinylarchivs, der Mann ist schließlich seit seinem 13 Lebensjahr DJ, da kommt ordentlich was zusammen.

Und angesichts der äußerlichen Reizarmut muss der House-Spaß, auf den Prins Thomas und seine norwegischen Kumpels stehen, eben aus der Musikgeschichte kommen, die dafür genauso gnadenlos wie sprunghaft geplündert wird. Das historische Vorbild für diese Herangehensweise ist eindeutig Italo-House, wie dieser überzieht der Beardo-House auf Full Pupp die funktionale Albernheit der Tracks gerne mit einer dicken Schicht Glamour-Zuckerguss, und manchmal wird das ganze auch wieder mit einer groben Acid-Spur zersägt – So sieht wohl ein gelungener Studionachmittag in Oslo aus (nach den Einkäufen und bevor es Zeit wird, das Kind aus dem Ikeagarten abzuholen).

Die Ergebnisse der Langeweilebewältigung an der Peripherie werden anschließend freudig auf den Tanzflächen Europas oder Japans empfangen, erfolgreiche Kulturproduktion durch mehrfachen Perspektivwechsel: Prins Thomas und seine Full-Pupp-Bande Blackbelt Andersen, Todd Terje und Magnus International sitzen am Fjord und können sich mit der Aussicht auf ein rentengesichertes Leben im Öl-Marketing oder als Bürokraft in der Ausländerbehörde (Thomas hat nach seinem ersten Japan-Booking gekündigt) nicht wirklich anfreunden, weil die Welt in der Ferne so bunt glitzert. Also pressen sie ihre Interpretation der erspähten Blinklichter auf Vinyl und nennen ihr Label “aufgeblasene Möpse”.

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Elektronische Lebensaspekte.