Text: Mercedes Bunz aus De:Bug 21

FuriFuri.Co Kulleraugenfiguren mit Breitschwertern zur Ehre Japans Mercedes Bunz mrs.bunz@de-bug.de Man muß mit den Begriffen Anime und Manga nichts verbinden, um als deutscher Fernsehhaushalt mit der Ästhetik der japanischen Exportkultur vertraut zu sein. Die Comic-Kulleraugen von Heidi und Almöhi in der Welt der Berge gehören z.B. seit Jahren zu den Kassenschlagern der Kindernachmittagsunterhaltung in Deutschland. Eigentlich ist jedoch Manga eine gesamte Kultur, ein riesiger Markt und eine japanische Kunstform in einem. Der Begriff “Manga” geht auf Hokusai zurück, in Europa wahrscheinlich der bekannteste japanische Maler, der mit der Welle. Hokusai nannte eines seiner Skizzenbücher “Manga”, d.h. ???. Heute bezeichnet dieser Begriff die japanische Zeichentradition im Comic und überschneidet sich mit der etwas neueren Bezeichnung “Anime”, die allerdings eher für animierte Comics benutzt wird, während Manga die gedruckte Version bezeichnet. In Japan sind beide richtig fett im Business. Es gibt Manga spezialisiert für Altersstufen aller Arten und aller Themen. Die Zeitungskioske und Buchhandlungen sind voll davon. Werbungen, Verbotschilder, Kinderfernsehen und Pornographie: Manga ist die ultimative Kommunikationsform für alles. Selbst hierzulande hat sich Manga und Anime über Comicsendungen wie “Heidi”, “Captain Future” oder “SailorMoon” unbemerkt in den Fernsehalltag eingeschlichen und wird von Millionen verfolgt, die meistens keinen blassen Schimmer davon haben, daß sie Animes gucken. Firmen, die sich auf Anime oder Manga spezialisiert haben, können wir allerdings nicht vorweisen. In Japan dagegen gelten Anime und Manga als Kunstformen, mehr noch als spezifisch japanische Kunstform, die sich den Weltmarkt erobert hat. Der Markt dafür ist gross, und mittlerweile sind die Comics längst von den traditionellen Zeichentischen der Comiczeichner zu den Designern auf die Desktops gewandert. Furifuri.com ist eine dieser neuen jungen Firmen, die sich auf das Designen von Manga und Anime-Figuren spezialisiert haben. Gegründet wurde die Firma von Ryosuke Tei und Miho Sadogawa, die beide nach ihrem Abschluss in Graphik Design an der Tokioter Universität erste Erfahrungen in Spielesoftware sammelten, bevor sie sich selbstständig machten. Schnell kam noch ein dritter, Osamu Iwasaki, dazu. Manga und Anime-Figuren als Auftragsarbeit zu entwickeln, ist ein schnell wachsender Markt in Japan. Vor allem viele junge Designer können hier ihr Know-How von Spielekonsolen und Popkultur auf die Arbeit übertragen. Wir trafen Furifuri anlässlich der Ausstellung “TokioTechnoTourism” in Berlin, zu der sie von Hiroshi Masuyama eingeladen wurden. Dort stellten sie Tokio und seine Stadtviertel anhand von verschiedenen Videospielen vor, in denen jeweils ein typisches Thema eines Stadtviertels präsentiert wurde, oder in dem das Stadtviertel vorkam. Mercedes Bunz forschte nach: DEBUG: Mangafiguren als Auftragsarbeit, wie funktioniert das? Kommen andere Firmen und beauftragen euch, eine niedliche oder eine härtere Manga-Figur zu entwerfen, oder wie muss man sich das vorstellen? Und aus welchen Bereichen kommen die Anfragen? Furifuri:Wir arbeiten viel mit Firmen, die Textbücher für Kinder entwerfen. Aber auch Modefirmen kommen zu uns, ebenso wie Entwicklungsfirmen von Spielesoftware. Foetus ist z.B. eine Modefirma, die in Tokyo sehr populär unter jungen Leuten ist, vielleicht könnte man sie als hippe, japanische “Clubwear” bezeichnen. Für so etwas entwerfen wir dann z.B. Anzeigen. Oft kommen Firmen auch zu uns, weil sie unsere Webside gesehen haben. Um andere wiederum kümmern wir uns, besonders bei Aufträgen, an denen man wirklich Spass haben könnte. DEBUG: Woher nehmt ihr Eure Anregungen? FuriFuri: Wir sind natürlich hauptsächlich von der traditionellen japanischen Manga- und Animekultur beeinflußt, klar. Danach kommt vielleicht Techno. Wir mögen da gerne Acid, Hardfloor etwa. Aus Deutschland ist z.B. Mike van Dijk in Japan sehr bekannt. Unser Lieblingsclub ist “Club Asia” in Shibuya. Vor allem, weil er nah an unserem Office liegt. Manchmal spielen wir auch VJ in dem Club. Für uns ist es dort ein bisschen wie unser Wohnzimmer. Auch unser Lieblingsstadtviertel beeinflußt uns, Harajuku. Es ist aber auch das Zentrum für Design in Tokyo, viele Designfirmen haben hier ihren Sitz. DEBUG: Ihr habt eine ausführliche Webside, auf der ihr euch präsentiert. Welche Rolle spielt das Web bei euch? FuriFuri: Die Website von FuriFuri Co. war für uns bislang ziemlich wichtig. Wir präsentieren dort unsere graphischen Arbeiten und kommunizieren mit unseren Partnern und Freunden. DEBUG: Ihr wart anlässlich einer Ausstellung in Deutschland. Was hattet ihr für einen Eindruck, welche Rolle Manga hier spielt? FuriFuri: Als wir in Berlin waren, haben wir einige animierte Cartoons gesehen, die meisten waren aber für kleine Kinder. In Japan ist das Genre “Anime” oder “Manga” viel weiter. Alle möglichen Leute erfreuen sich an ihnen, vor allem auch Erwachsene. Generell ist die Qualtität also viel grösser. Viele beobachten diese Kultur aufmerksam und beurteilen sie als eine Kunstform, auf die Japan stolz sein kann. Die Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen wird einfach ganz anders begriffen. Man zieht allgemein nicht so viele Grenzen für seine Identität. Die Japaner umgeben sich gerne mit allen möglichen verschiedenen Dingen, sie bekommen gerne die verschiedensten Eindrücke. Sie sind auch als Erwachsene an kindlichen Eindrücken interessiert. Sie vergessenen nicht ihr Kindsein, wenn sie erwachsen werden. Sie leben weiter damit. Webside der FuriFuris: http://www.furifuri.com Englischsprachige Manga/Anime-Sites: Manga/Anime-Sites: http://www.mangapalace.com http://www.anime-genesis.com http://www.centralparkmedia.com Deutschsprachiges Netzine für Animes und Mangas: http://www2.crosswinds.net/bielefeld/~otaku ZITAT: Manga ist in Japan die ultimative Kommunikationsform für alles. Japaner sind auch als Erwachsene an kindlichen Eindrücken interessiert. Sie vergessenen nicht ihr Kindsein, wenn sie erwachsen werden.

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