Text: oliver köhler aus De:Bug 10

Das lange Jahr im Studio Future Forces und ihre Nächte auf dem Fußboden Oliver Köhler okoehler@rumms.uni-mannheim.de Für die meisten von uns scheint das Leben eine lange bittere Pille zu sein. Für die anderen hat sich das Schlucken schon längst bezahlt gemacht. Für diejenigen dazwischen ist diese Pille, so gräßlich sie auch sein mag, Mittel zum Zweck. Und was die erste Gruppe von der letzteren trennt, ist gerade diese Erkenntnis. Klar ist: das Leben hart. Klar bekommt man vorgegaukelt, daß alles gut wird, wenn man Drum and Bass macht, und ordentlichen dazu! Nur wie man dahin kommt, sagt dir niemand. Das mußt du selber auskosten. Aber glaube ja nicht, daß das von alleine kommt. Also schluck schon runter! Es wird alles gut. Ein Jahr lang mußten jetzt Maldini und D-Bridge, bürgerliche Namen Jason Maldini und Darren White, die Kehle weit offen halten. 1997 war das Jahr, in dem die beiden mit ihrem Future Forces Inc.-Projekt das Trouble on Vinyl-Studio seziert, in ein Nachtquartier verwandelt und bis an die äußersten Grenzen der roten Pegel strapaziert haben. Wofür? Für eine Kollektion standfester Maxis, die sich bis in die Plattenkoffer der Drum and Bass-Illuminaten vorgearbeitet haben. Zusätzlich ging es noch darum, die ursprüngliche Renegade Hardware-Dynamik ihrer Single “Dead by Dawn”, die sowohl den Techstep- als auch den Jump-Up-Markt in beispielloser Manier durchbrach, zu vertiefen. Das Jahr auf der untersten Etage (kein Parkett) des Studios dürfte sich jetzt gelohnt haben. Die erste Renegade Hardware-Compilation, Quantum Mechanics, trägt den Segen einiger der prächtigsten Remixer, die die Szene zu bieten hat. D-Bridge muß sich nicht mehr davor fürchten, in die schnelle, dunkle Seite Londons zu geraten. Und Maldini ist nicht länger ein Begriff, der ausschließlich mit Paolo Maldini, seinem Cousin und Verteidiger bei AC Milan 1899, in Verbindung gebracht wird. Und das Studio? Ende des letzten Jahres durfte sich das Studio erholen und sich auf eine technologische Sanierung freuen. Bleibt also nur noch abzuwarten, wer von den Renegade Hardware-Künstlern sich dieses Jahr um die Gunst der Logis im Studio prügeln wird. DE:BUG: Future Forces Inc. ist ja in gewisser Hinsicht der Vorzeige-Act auf Renegade Hardware. Von elf Releases waren bis jetzt acht Stück Maldini- und D-Bridge-Produktionen. Was kam zuerst: Renegade Hardware oder Future Forces Inc.? D-BRIDGE: Wir haben beide schon auf Trouble on Vinyl veröffentlicht. Maldini hatte sogar schon auf allen drei Labels der Hines Enterprises (Trouble on Vinyl, Renegade und Renegade Hardware) Releases. Aber das, was Jason Maldini und ich machten, paßte nicht in das TOV-Konzept, also wurde Renegade Hardware ins Leben gerufen. Ohne blasiert klingen zu wollen, sind wir schon so etwas wie die Botschafter für Renegade Hardware. DE:BUG: Wie lange seid ihr jetzt schon im Geschäft? D-BRIDGE: Seit ungefähr Mitte/Ende 1995. Wir sind aber immer noch in der Ausbildungsphase. Wir nehmen uns auch Zeit und leisten erst die Vorarbeit, die man braucht, um sich als Produzent zu etablieren. Schließlich wollen wir uns nicht psychisch erschöpfen. DE:BUG: Beruhen die Remix-Arbeiten auf der Quantum Mechanics (u.a. von Dillinja, Tech Itch, Dom & Roland und Optical) auf persönlichen Kontakten? D-BRIDGE: Ja, die kennen wir schon persönlich. Irgendwie sind wir alle in der selben Position. Wir wollten damit Renegade Hardware eine andere Richtung geben. Das Label ist ja nicht unbedingt sehr rigide. Wir sind offen für neue Einflüsse. DE:BUG: Bahnen sich auch mögliche zukünftige Kollaborationsprojekte an? D-BRIDGE: Ein paar solche Projekte sind schon in Vorbereitung. Grundsätzlich haben sie natürlich alle ihre eigene Agenda. Aber von Dylan von Droppin’ Science werden wir wohl etwas veröffentlichen. Zuerst müssen wir aber unseren Künstlern auf Renegade Hardware eine Chance geben. DE:BUG: Kommt auch viel mit anderen Renegade Hardware-Künstlern zustande? MALDINI: Die letzten Sachen waren ein paar Tracks mit DJ Kane und Justin von Genotype und Nico Sykes, von No U-Turn. Momentan wird das Studio renoviert und mit neuem Equipment ausgestattet. Wir sind jetzt lange Zeit außer Gefecht gesetzt gewesen. Aber wir sind bereit. Es wird einen Haufen neue Spielsachen geben. Damit müssen wir erst mal lernen, zurecht zu kommen. Viel analoges Zeug und so. DE:BUG: Habt ihr kein Studio zu Hause? MALDINI: Ich habe keine Instrumente, D-Bridge auch nicht. Wir sparen, aber ein Studio kostet schon etwas! Wir haben uns halt bis jetzt nur darauf konzentriert, Musik zu machen. Wir haben praktisch ein Jahr lang in dem Studio gewohnt. Mit dem Boden haben wir uns sehr, sehr anfreunden können in der Zeit. Aber eigentlich hat niemand auf dem Label ein eigenes Studio… DE:BUG: Gibt das nicht einen Heidenchaos? MALDINI: Es ist eine Schlacht! Es gibt zwar ein Buch in dem man sich eintragen muß, aber wer hält sich schon daran? Es wird auf jeden Fall eine Riesenschlacht, wenn das Studio endgültig fertig und wieder in Betrieb ist. Man muß halt warten. So ist z.B. unser Stück mit Genotype entstanden. Wir kamen vorbei, und er war noch am arbeiten, also haben wir schnell etwas zusammen gemacht. Aber ansonsten mußt du halt immer warten und warten … DE:BUG: Bewegst du dich, außerhalb des Studios, viel in Drum and Bass-Kreisen? MALDINI: Ab und zu gehe ich ins Blue Note zur Sunday Session, aber grundsätzlich genieße ich meine Zeit im Off von Drum and Bass. Ich bin gerade vor kurzem von Battersea nach Brixton Hill gezogen und wohne jetzt mit meiner Freundin zusammen. Nach so viel Drum and Bass am Tag mag ich einfach chillen. Man kann doch nicht die ganze Zeit über Beats reden! — Wir haben praktisch ein Jahr lang in dem Studio gewohnt. Wir nehmen uns die Zeit und leisten die Vorarbeit, die man braucht, um sich als Produzent zu etablieren. Es wird einen Haufen neue Spielsachen geben. Damit müssen wir erst mal lernen, zurecht zu kommen.

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Elektronische Lebensaspekte.