Unser Lieblingsspielzug diesen Monat: Vestax Handytrax, ein Auto und ein MP3 Player ohne Namen. aus De:Bug 83

VESTAX HANDYTRAX
Dieser portable Plattenspieler ist nicht nur äußerlich einem Waffeleisen oder Sandwichtoaster nachempfunden, mit ihm lassen sich auch ähnlich delikate Sachen anstellen. Nahezu federleicht für ein Instrument dieses Vermögens, zumindest solange die sechs dicken Batterien nicht eingeschoben sind, kann der Handytrax mühelos in die Hand genommen und ausgeführt werden, eigentlich sollte man ihn seinem Hund aufschnallen. Wir empfehlen als Zielpunkt aufgrund des etwas sonnenanfälligen Vinyls nicht unbedingt den Park, sondern eher schattige Orte wie die U-Bahn. Der Handytrax entpuppt sich nicht nur wegen des Poser-Effekts (was ist schon ein liebloser iPod mit weißen Steckern in der Tasche gegen einen Handytrax mit passender Vinylwahl auf den Knien?) als immenser Vorteil, sondern vor allem, weil er jeden Plattenkauf aufwertet. Kein ungeduldiges Warten auf einen freien Turntable im Laden, falls es da überhaupt welche gibt, keine gebrauchten Blindkäufe mehr – mit dem Handytrax werden DJs nahezu autonom. Klar, Stereo-Lautsprecher bekommt man nicht geboten, dafür aber ein Line-Out in Stereo zum Anschluss an die Anlage. Der Handytrax kann auch an die Steckdose angeschlossen werden, Kopfhörerausgang, integrierter Phono-Vorverstärker uvm. Man kann nicht nur zwischen 33, 45 und, schellaklich oldschool, 78 Umdrehungen pro Minute wählen, der Handytrax ist sogar pitchbar. Zudem ist er ideal für DJs unter zehn Jahren, singletauglich, leicht zu bedienen und auch in 90 Grad Abwinklung noch funktionsfähig. Ein optimales Kinderspielzeug und perfektes Cratedigger-Tool. 199¤, http://www.vestax.info [caynd]

special gadget
mitsubishi auto
(rikus, ca. 2000 zeichen)
ich und mein neuer Colt
“Where will the Colt take you?” fragt mich Mitsubishi nett aber kontinuierlich in meinem Infomaterial zu meinem Promo-Ausflug mit neuer Plug-In Identität als Motorjournalist. Und ich sage, “Ey Jungs, nach Barcelona, ihr müsstet es doch wissen! Ihr habt mich doch in einer belgischen Charter-Turboprop hierhergeflogen, um eure neue Kompakt-Karre zu testen! Und das Fahrtenbuch, dem wir auf unserer Probefahrt die ganze Zeit folgen, lässt zudem wenig Spielraum für Wegexperimente! Wir wollen keine Fragen, wir wollen Antworten!” Wir testen deshalb im Hinterland von Barcelona also den neuen Colt, Mitsubishis letztem Strohhalm, wieder ein Fuss auf dem europäischen Automarkt zu fassen und den dicken DaimlerCrysler zu ärgern, der sie so böse im Stich gelassen hat. Wohl um möglichst viel Freiheitsdrang (im Autobauerjargon ”Emotion”) im Automobil erfahren zu können, ist das Rahmenprogramm so eng gefasst, dass wir froh sind, endlich alleine zu zweit im Colt zu sitzen, unsere Probefahrt zu starten und mal nicht gefragt zu werden: “Where will the Colt take you?” Wir wissen es aber eh wieder nicht, also Fahrtenbuch auf und los, leider zu spät orientiert und schon sind wir im Einbahnstrassengemetzel von Barcelona gefangen. Da Männer ja nie nach dem Weg fragen und meine Mitfahrerin alleinig Kaufgelüste für grosse spanische Schinken entwickelt, orientieren wir uns Richtung Peripherie. Denn da sind bekanntlich die grossen Supermärkte und im Endeffekt auch der richtige Weg. Ich habe aber keine Lust auf Schinken, fahre deshalb schnell und geradeaus. Autobahn rules. Wenn schon testen, dann ernsthaft. Der CD Player testet mit. Die neue Dumb Unit Mix CD macht den Wagen klar schneller, doch die 95 PS tun sehr gute Arbeit, was man allerdings auch erwarten sollte. Irgendjemand hat erzählt, der Colt wäre schon immer etwas spritziger als die anderen Konkurrenzmodelle gewesen. Soll mir sehr recht sein. Wir fahren Autobahn, dann gehts ab in die Hügel im Hinterland, Serpentinengegurke, ein bisschen Strada deformata, dann ein kurzer organisierter Stop führ ein paar Tapas und Fahrerwechsel. Als Beifahrer darf ich die Anlage mal richtig austesten und am Bassregler rumspielen. Ja, richtigen Bumms gibts auch. Dann mache ich alle Klappen auf und suche überall nach irgendwelchem Produktionsfusch. Finde aber keinen. Ist ja eh nur ein Prototpy. Das Innenraum-Design fusst auf der sogenannten Clean Cut Philosophie, meint wohl klare Formen, klare Linienführung und allgemeine Reduktion, also angenehm unauffällig, mit einer Menge indirekter Beleuchtung der Bedienungselemente mit zeitgenössisch japanischem Architekturbezug. Im Gegensatzt zu den Anderen Misubishi Modellen bin ich darüber positiv überrracht, denn die erinnern mich grundsätzlich an 80ties Sci-Fi-Flug-Autos mit fürchterlich dampfenden Wasserstoffantriebsagregaten. Die Sitze kann man alle falten, verschieben und zum Teil ausbauen, Plug and Play. Gut testend dampfen wir also gen Küste, geben unseren Colt vor dem essen ab, stecken noch einmal die Füsse in den Sand und fragen uns bis heute: warum und wofür hatte der zwei CD Schächte? Mobile Kopiereinheit? Ein Killergadget! [RIKUS]

MP3 PLAYER OHNE NAMEN
Musik bleibt Musik, aber die Formate ändern sich. Netlabels, DJs und Radio-Shows versorgen einen via Web so fleißig, dass man mit dem Brennen nicht mehr hinterherkommt. Da muss ein neuer Player her und MP3 ist das Format der Zeit. Wer will schon jede Menge CD-Rohlinge das Regal mit ihren Slim-Fast-Hüllen verwüsten lassen, die man eh’ nicht wieder findet. Doch den richtigen Player zu wählen ist nicht einfach, wenn man nicht mal eben 500 Euro investieren will und sich einen Apfel kauft. Gut klingen soll er, das reicht. Auf in die Stadt mit Referenzkopfhörer und schwups stranden wir beim Elektro-Discounter. Fachelektronikhandel gab es einmal. Heute werden dir nur noch Schildchen vorgelesen vom unwilligen sowie unfähigen Dienstvolk, das einen unwirsch anschaut. Geiz ist Geil. Jaja. Aber frag einen Verkäufer nach einem bis zu maximal 150 ¤-Gerät und er zeigt mit dem Finger auf das fast teuerste 250 ¤-Gerät. Die Provision lechzt.
Darf ich mal anhören? Nö, geht nicht, kein Sound drauf, nur bei dem da. OK, anhören, Pop-Gekrächze einen Augenblick dulden, Kehrtwendung marsch, Servicewüste ade!
Zwei Wochen später bei den Gebrüdern Albrecht. Player plus 256MB im Angebot, sprich 120 ¤. Service bedeutet hier, wenn’de nich willst, gib zurück, kein Problem. Aber zuhause will ich das gar nicht mehr. Denn das kleine Gerät ohne Namen ist irgendwie pfiffig. Neben einem griffigen Gehäuse tönt es ordentlich, hat eine einwandfrei funktionierende Software, einen EQ mit ausreichend Möglichkeiten und *tätärä* sogar einen Line-Eingang für Aufnahmen. Da hüpft der Journalist und wird außerdem noch mit einem integrierten Mikro in zwei Streichholzschachteln großen Gehäuse verwöhnt. Für Notizen nebenbei. Die scheppern dann einem leise durch den Minilautsprecher entgegen und lassen sich natürlich auf die Festplatte ziehen.
Was lernen wir daraus?!? Service gibt’s nur noch im Supermarkt zwischen den Dosen, aber auch da wird man manchmal fündig. [MO]

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Elektronische Lebensaspekte.