Punkschule macht perfektionistischen Minimal
Text: Ji-Hun Kim aus De:Bug 128


Jon Gaiser kommt aus Michigan und ist gelernter Perkussionist. In der High School war er der Außenseiter im Schulorchester: “Ich war damals schon immer der komische Typ mit dem Irokesen, der auf die Pauke haut.” Denn er begeisterte sich früh für harten Punk. Spielte Schlagzeug bei diversen Bands und schaffte es gar zum Support für die Death-Metal-Helden Napalm Death. Als er aber begann, sich mit Drumcomputern auseinander zu setzen, war auch die letzte Integrität im Dunstkreis Detroit verpufft. “Nach den Warehouse-Parties war aufgrund der dortigen Restriktionen alles vorbei, was mit elektronischer Clubkultur zu tun hatte. Partypromoter wurden wegen angeblichem Drogenschmuggel und Hehlerei verhaftet. Die Politik hat auf einen Schlag eine gesamte Kultur zerstört”, so Gaiser, der jetzt auf Minus sein erstes Album “Blank Fade” veröffentlicht hat. Sein Umzug nach Berlin und das Andocken an die Minus-Familie haben ihm eine neue künstlerische Existenz gegeben. “Es ist einfach eine ganz andere Welt, von Europa aus elektronische Musik zu machen”, konstatiert er und sieht aber immer noch Parallelen aus früheren Punkeinflüssen und seiner jetzigen Musik: “Das Düstere und die psychedelischen Elemente sind eindeutig von Acid Rock und Punk beeinflusst. ”
Wir waren mit ihm in einem Friedrichshainer Proberaum und haben ihn wieder hinters Schlagzeug gestellt, wo er, laut eigener Aussage, seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gesessen habe. Spaß am Spielen hat er immer noch, auch wenn die improvisierte Session von Autor und Drummer Gaiser zum Glück die Eierkarton-Wände doch nicht verlassen hat. Gibt es dennoch keine Sehnsucht wieder im Proberaum zu schwitzen? “Teils teils, es macht schon Spaß, mit anderen Leuten gemeinsam zu spielen, aber das ewige Diskutieren und Anpampen kann schon auch nerven. Aber im Gegenzug nervt es heute, wenn man live spielt und die ersten Reihen nicht tanzen, sondern stundenlang wie blöd jede kleine Fingerbewegung von einem analysieren. Da war man hinterm Schlagzeug schon unbeobachteter.”

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.