aus De:Bug 68

SPYRO – ENTER THE DRAGONFLY (GAMECUBE / UNIVERSAL)
Nach einer erfolgreichen PS-One-Karriere löste der kleine lila Drache seine Verträge mit Insomniac (die als Ausgleich einen Newcomer namens Ratchet anstellten) und unterzeichnete einen neuen Megadeal mit Universal Interactive. Nun rennt, hüpft und segelt er wieder, kann neben Feuer nun auch Eis, Blitze und Seifenblasen spucken, letztere, um Libellen einzufangen, die englischen Dragonflies, die, wie ihr Name ja sagt, dazu bestimmt sind, um Drachen herumzufliegen. Die Spyro-Serie hatte bisher einen gewissen Charme, war ein Jump-and-Run für Kinder, mit dem erstaunlich viele Nicht-mehr-Kinder etwas anfangen konnten. Aber wie das mit Stars eben so ist, wenn sie nach einem erfolgreichen Frühwerk zu einem Major wechseln: es wird häufig nur noch der bereits vorhandene Erfolg inszeniert, die Größe wird zur Produktionsmaxime und begräbt das Originelle unter sich. So auch bei Spyro. Durch endlos lange, eigentlich ziemlich leere Landschaften muss er rennen, sonst nichts. Eigentlich ist es nur ein Run-Spiel, ohne Jump, aber für ein Rennen bräuchte es dann doch einen Konkurrenten. Manchmal gibt es das zwar, in Form von kleinen Zeit-Herausforderungen, bei denen es eine bestimmte Zahl von Vogelscheuchen umzustoßen gilt, aber die sind dann im Vergleich zum öden Dauerlauf des Restes so schwer, das ein richtiger Ehrgeiz gar nicht aufkommen mag.
MWM 2 Punkte

THE SCORPION KING (GAMECUBE / UNIVERSAL)
Was für ein Proll-Spiel! “Proll” hier verstanden als jener selbstironische Metazustand, in den man sich zum Zwecke der Entspannung von seiner sonstigen hochintellektuellen und gesellschaftlich äußerst verantwortlichen Daseinsweise begibt. Also schön zur Tanke gegangen und Bier geholt, die Manowar-CD eingelegt, das alte Eddie-T-Shirt übergestreift und ab in nordafrikanische Wüstenstädte und Tempelanlagen, um auf Männer in Kleidern, Megacobras und sonstige niedrige Lebensformen zu dreschen. Zwischendrin verrutschen dann mal die mythologischen Bezüge, wenn man in Ägypten unmittelbar hintereinander die Medusa und den Minotaurus bekämpfen muss, but who cares. Man stemmt ja auch riesige Vasen hoch, die man gegen seine Gegner schleudern kann, und wirbelt mit Schwertern um sich, die gemäß der Hebelgesetze gar nicht mehr bewegbar sein dürften. Die Klassenstreber mit Geschichtsfimmel können ja weiter Tomb Raider spielen. Kriegen ja sonst auch keine Frauen zu sehen. Die richtigen Machos spielen Hack and Slay: immer längere Laufstrecken, immer schön den eigenen Fähigkeiten angepasste Gegnerhorden, immer die passende neue Ultrawaffe in einer Kiste nahebei, immer ein nützlicher Health-Bonus in einem der besiegten Gegner versteckt. Das Ganze kombiniert mit einigen Streetfighter-Combos zum Auswendiglernen oder Wild-Herum-Probieren und vor allem einer passenden Lizenz: der Scorpion-King, der als Nebenfigur in Die Mumie schon eine bestimmte Zielgruppe so begeistert hatte, dass sie ihn in ihrer eigenen Filmversion bekamen. Er hatte einfach einen zu schönen Brustkorb und Hackfresse, als dass man ihn für noch weitere kommerzielle Verwertung hätte ignorieren können. Nichts für Über-Ich-Spieler.
MWM 3-4 Punkte

CASTLEWEEN (PS 2 / WANADOO)
Wie Alicia und Greg an Halloween auf die aberwitzige Idee kommen konnten, ein einzelnes Haus im Wald zu suchen, um dort mit “Trick or Treat”-Rufen Süßigkeiten zu schnorren, statt das Überangebot an Türen in der Stadt wahrzunehmen, bleibt ihr Geheimnis, beziehungsweise das ihrer Schöpfer. Oder nein, wir verraten es hier einfach: Damit sie von bösen Geistern ins Totenreich befördert werden können, wo sie in einem Jump-and-Run-Parcours zwischen Skeletten, Teufeln, Hexen und dem Schwarzen Mann nach den Seelen ihrer zu Stein verwandelten Freunde suchen können und das Ganze so seine erzählerische Motivierung sowie seine gestalterische Legitimierung bekommt. Das erinnert dann an Tim Burton-Filme wie Beetlejuice oder Edward Scissorhands, ganz besonders aber an Nightmare before Christmas mit seinen Plastillin-Animationen im Halloween-Land. Und wie bei Burton ist es schwierig zu sagen, für wen es eigentlich gemacht ist. Die Erwachsenen finden die Story zu kindisch, die Kinder können mit dem schwarzen Humor und dem schrägen Design nicht so viel anfangen. Irgendwo dazwischen müssen sich also die Zuschauer von Burton befinden, und genau diese Menschen dürften auch ihre Freude an Castleween haben. Die Hardcore-Jump-and-Runner könnten am linearen Aufbau der Parcours herummäkeln und auf avanciertere 3D-Konzepte verweisen, die Liebhaber von Old-School-Plattform-Gaming und aktuellen 2 _-D-Spielen kommen aber auf ihre Kosten, zumal das Hüpfen auf sich öffnenden und schließenden Sargdeckeln und herumwackelnden Flößen sehr schnell ziemlich viel Geschick erfordert. Wenn “Super Mario World” ein LSD-Trip war, dann ist “Castleween” ein bisschen so wie der erste jugendliche Absinth-Rausch.
MWM 3 Punkte

007 NIGHTFIRE (GAMECUBE / ELECTRONIC ARTS)
Vielleicht sind die Bond-Filme ja schon von jeher Computerspiele gewesen? Mit einzelnen Leveln, die an verschiedenen Schauplätzen spielen, mit einer Figur, die in ihren Fähigkeiten perfekt an den Engine der Umgebung angepasst ist, die ständig Health- und Ammo-Packs zu finden scheint, mit zu vernachlässigender Backgroundstory, mit mehr oder weniger ansehnlichen Cutscenes zwischen den Actionsequenzen und, vor allem, mit einem beinahe übermächtigen Endgegner im Boss-Level. Und wenn die Filme das schon waren, dann erklärt sich auch, warum die Computerspiele mit Lizenz zum Bonden so ansprechend sind, zumindest seit dem legendären Goldeneye auf dem N64. Pünktlich zum Kinostart des 20. Jubiläumsfilms kann man den Agenten auch wieder über den heimischen Bildschirm steuern. Dass er diesmal tatsächlich wie der aktuelle Smokingträger Brosnan aussieht, erhöht den Reiz, dass es eine eigenständige Geschichte und keine Adaption des Films ist, macht noch mehr Spaß. Herausgekommen ist ein sehr erzählungslastiger Ego-Shooter, der mit abwechslungsreichen Missionen und Aufgaben aufwartet, sehr stimmungsvoll gestaltet ist und perfekt für einen freien Sonntag geeignet ist. Dann ist man allerdings auch schon durch, man stelle sich also auf einen schönen Film mit Überlänge ein, bei dem man sich ein bisschen anstrengen muss, um ihn am Laufen zu halten. Manchmal wird es sogar unfreiwillig komisch, etwa bei einer Party, wo man sich durch Horden von gleich aussehenden Polygonenweibchen in Cocktailkleidern und Stilettos schieben muss, die einen mit demselben unschuldigen Augenaufschlag anstarren und “Hall-oh!” hauchen, immer eine nach der anderen, ad infinitum. Man fühlt sich unweigerlich an Being John Malkovich erinnert, als Malkovich in seinen eigenen Kopf einfährt.
MWM 4 Punkte

HERR DER RINGE: DIE ZWEI TÜRME (PS 2 / ELECTRONIC ARTS)
HERR DER RINGE: DIE GEFÄHRTEN (GBA / PS 2 / UNIVERSAL)
Damit keine Verwirrung aufkommt erst einmal die Bestandsaufnahme: E.A. ist im Besitz der Lizenz zur Versoftung des zweiten Teils der Peter Jackson Adaption, integriert dabei aber auch Passagen aus dem ersten Film (z.B. das Abschlagen des Rings von Saurons Hand durch Isildur oder die Ruinen von Moria). Die aktuelle Nummer Eins der Merch-Verwurster, Vivendi Universal, lässt sich da nicht zweimal bitten und legt parallel seinen Auftakt zur Umsetzung des Jahrhundertwerkes auf Basis der Buchlizenz vor. Capiche ? “Die zwei Türme” versucht einen frischen Ansatz im Segment der Games, die gerne filmisch sein wollen, dabei aber oft das Spiel als Spiel vergessen: Längere Original-Filmszenen in DVD-Qualität, die den diachronen Part der Erzählung abarbeiten, blenden über in engine-eigene Cut-Scenes und ab geht’s in medias res. Atmosphärisch geschlossen und aufregend ist’s, aber wie so oft nur bei den ersten Durchläufen. Danach steigt durch halbherzige Intro-Skip-Möglichkeiten der Nerv-Faktor. Das eigentliche Geschehen bietet fulminante, wenn auch manchmal leicht konfuse Massenschlachten ohne Gimmicks, ein bisserl wie Golden Axe, wenn das noch jemand kennt. Man kloppt sich entweder mit Legolas, Aragorn oder Gimli entlang unnötig überdeterminierter Wege, sammelt Erfahrungspunkte, für die zwischen den Episoden brav neue Moves gekauft werden. En passant schaltet man Making-Of Filmchen frei, die leider genauso redundant sind wie viele ihrer Pendants auf Video-DVDs. Vivendi wickelt dagegen die Zusammenkunft der Gefährten auf GBA in Form eines Rollenspiels, auf PS 2 als äußerst hausbackenes Action Abenteuer ab. Dabei wird die Handlung in den einzelnen geographischen Regionen Mittelerdes wie dem Auenland oder dem Alten Wald durch Seitenquests nach dem Motto “Der will dies, dafür kriegste das, was wiederum der und der gerne hätte” gestreckt. Gerade auf dem GameBoy machts schon aufgrund der schwammigen Steuerung, bei der die Gefährten wie mit drei Brandys zu viel unter der Kappe herum torkeln, nur wenig Spaß. Schon den, RPG-technisch wohl am einfachsten umzusetzenden, ersten Teil mit seiner klassischen Party-Zentrierung so zu Versemmeln, lässt für die nächsten Episoden leider nichts Gutes hoffen. Da hat mal wieder der Filmstart und nicht das gelungene Produkt die Deadline bestimmt. Der Sieg nach Punkten geht also eindeutig an E.A., weil die Umsetzung erfrischend einfach und auf den Punkt gebracht gelöst wurde. Bis nächsten Dezember dann.
BUB E.A.: 4 Punkte, UNIVERSAL: 2 Punkte

S.O.S. THE FINAL ESCAPE (PS 2 / BIG BEN)
Droht im Fortsetzungswahn der Survival Horror-Serien mit ihren unzähligen verlassenen Gebieten und fehlgeschlagenen Experimenten schon leicht der Überdruss, denken die ehemaligen “R-Type”-Macher von Irem unser Überleben-Müssen mal anders. Beim Film schon ein alter Hut und selten tauglich, bei Games noch ein unverbrauchtes Setting: Katastrophenalarm durch Erdbeben. Unser Protagonist, ein Zeitungsreporter, kommt nach einem Knock-Out wieder zu Sinnen und findet die halbe Stadt um sich im Trümmerzustand vor. Die Rettungsmaßnahmen per Hubschrauber sind scheinbar schon passé, und so müssen wir (fast) allein durch die Stadt gen Freiheit kraxeln. Die Straßen von Capitol City sind verwinkelt, zudem zerbröseln ab und an ganze Gebäude, legen dabei neue Wege frei und machen andere unpassierbar. Liegengebliebenes darf aufgesammelt, auseinander genommen und sogar rekombiniert werden. So weit, so nett. Leider bleibt die Präsentation unterirdisch: Weder Optik noch Sound geben den zusätzlichen dramaturgischen Kick, über die Steuerung gehört der Mantel des Schweigens. Summa Summarum eine vertane Chance, die sich aber garantiert jemand anders krallt.
BUB 3 Punkte

BMX XXX (GAMECUBE / ACCLAIM)
Ohne jetzt böse sein zu wollen, aber rückblickend bleiben von Acclaim in 2002 doch eher unkonventionelle Marketingevents statt Daddelknüller im Gedächtnis: Werbung auf Grabsteinen (“Shadowman 2”), Strafzetteltilgung für Verkehrsrowdies (“Burnout 2”) oder die unvergessene “Ich bin so bescheuert und ändere für nur 500 £ und ‘ner XBox meinen Namen in Turok”-Aktion. Dabei gab es im Line-Up durchaus Perlen zu fischen wie den Trendsport-Smasher “Aggressive Inline”, der die wenigen Design-Neuerungen von “Tony Hawk 4” bereits vorwegnahm. Gerade dieser Titel ging ungerechtfertigter Weise in der Flut vergleichbarer Spiele unter, was jedoch keine Legitimation für dieses Biker-Machwerk ist. Einen nicht schlechten, aber doch ziemlich egalen Titel mit Sex und Crime für Sofakartoffeln aufzupeppen, kommt doch sehr kalkuliert. Dabei geht man unverhohlen gleich soweit, nackte Girls als Spielcharaktere auf die Räder zu setzen – Scheinbar mit Erfolg wie die Diskussionen in USA oder die Titelstory in der Bravo Screenfun zeigen. Einfach nur arm. BUB 2 Punkte

STAR WARS – CLONE WARS (GAMECUBE / LUCAS ARTS, EA)
Endlich dürfen wir an die Rahmenhandlung der 2. Episode selbst Hand anlegen. Obwohl, so wirklich filmgetreu spielt sich das Ganze nicht, eher eine Ballerorgie für Zwischendurch, der wir in wechselnden Heldengewändern frönen dürfen. So macht das stumpfe Gameplay an sich zwar Spaß, aber die Gesamtpräsentation lässt -wie andere Star Wars-Teile zuvor auch- nicht wirklich Stimmung aufkommen. Zu extrahiert stehen unsere Missionen im Raum und manchmal macht sich Ratlosigkeit ob der Missions- und Bonusziele breit. Also wummen wir zu Lande und in der Luft auf der guten Seite der Macht durch die Heerscharen von Klonkriegern, freuen uns dabei über so manchen toll aussehenden Gegner und riesige Explosionen, das war’s dann aber auch schon. Für Nachwuchs-Jedis vielleicht das lang erwartete Actionspiel, selbst einige Goodies zum Freispielen retten Clone Wars jedoch nicht aus dem Mittelfeld.
BOB 3-4 Punkte

EARTHWORM JIM 2 (GBA / UNIVERSAL)
Und wieder ein 16-Bit-Titel, der portiert den Weg in unsere Hände findet. Auch der zweite Teil von Jimmis Abenteuer hält sich an den etwas kruden Humor, der sich in vielen merkwürdigen Bitmap-Gegnern und eigenartigen Levelaufgaben manifestiert. Als Gameboy-Jump’n Run kann der Regenwurm jedoch nicht mit der hochkarätigen Konkurrenz mithalten. Zu linear der Spielverlauf, außerdem sind Steuerung wie auch Kollisionsabfrage nicht tight genug. Trotzdem behält der Wurm im Supersuit seinen eigenen Charme und wenn wir nur ein wenig Hopsen und mit verschiedenen Laser, Plasma sowie anderen Superguns hantieren, zwischendurch mal hier und da unsere Stirn ob der Eigenartigkeiten runzeln wollen, hält sich auch der zweite Teil ganz wacker. Der Vorgänger wie auch die Nintendo-Konkurrenz haben aber mehr zu bieten.
BOB 3 Punkte

THE GETAWAY (PS 2 / SONY)
Schon seit 2 Jahren geistern Ankündigungen und Screens eines neuen “Meistergames” umher, dass die Grenzen von Film und Spiel auf ein letztes Mal herausfordern sollte. Ein neues, realitätsnahes Erleben einer filmreifen und atmosphärischen Story an ebenso ausgefuchsten Schauplätzen wurde versprochen, aber leider nicht gehalten. The Getaway, dieser interaktive Gangsterfilm, als lifestyliges Pop-Produkt designt und beworben, ist durch die zugegeben brillante Präsentation in den Zwischensequenzen auch atmosphärisch ein Hit, versagt jedoch – sobald wir in der 1:1 nachgebauten Londoner Innenstadt per Auto den jeweiligen Playground erreicht haben – spielerisch auf breiter Linie.
Haben die Entwickler -der Realität wegen- doch auf jegliche Art informativer Einblendungen wie Gesundheitszustand, Waffenvorrat etc. selbst im Pausescreen verzichtet und vertrauen statt dessen auf unsere Adleraugen. Im hektischen Gewusel gezielt zu schießen (und schießen müssen wir häufig) ist so gut wie unmöglich, da wohl selbst ein Fadenkreuz der Illusion des Dabeiseins geschadet hätte. Am jeweiligen Tatort anwesende Zivilisten nehmen brav die Arme hoch und stellen sich bevorzugt in unsere Schusslinie. Dafür wird unser Gesundheitszustand durch simples Lehnen an der nächstbesten Wand regeneriert, so ist das also mit der Realität. Beim Autofahren wurde auf eine Karte verzichtet, was an sich okay geht. Sobald aber unsere Rück-Blinker durch Kollision mit dem Feierabendverkehr oder Gegenständen gesmasht sind wissen wir nicht mehr wohin, da diese uns eigentlich zuverlässig unsere Richtung vorblinken. Die Missionen sind angesichts der GTA-Konkurrenz eher eintönig: hinfahren, erschießen, wegfahren. So bleiben vor allem Schnitzer im Gameplay, die aus einem an sich spannenden und vor allem atmosphärischen Titel ein spielerisches Ärgernis machen. PS2-Zocker mit Gangster-Ambitionen werden mit Vice City einfach besser bedient. Hätte Sony die Kohle in die Filmproduktion gesteckt und die realen Schauspieler nicht einfach nur zum Motion Capture für die Zwischensequenzen genutzt, dann wäre es wenigstens ein respektabler B-Movie geworden. –
BOB 2-4 Punkte

ACE GOLF (GAMECUBE / FRESH GAMES, EIDOS)
In der letzten Zeit kommen Fun-Golf-Spiele immer mehr in Mode. Warum auch nicht das an sich langsame Gameplay, durch Power-Schläge, Special-Items und ähnlichen Klimmbimm anreichern !? Das Konzept geht bei Ace Golf leider nur bedingt auf, und sorgt nicht sonderlich für Laune. Auch sind die Charaktere nicht wirklich brillant designt. Items wie Superbälle und Sprüche gegen Bunker oder für ein sauberes Landen auf dem Green winken als Preise bei den zahlreichen Turnieren, auf ganzer Linie überzeugend ist dieser Mario Golf-Abklatsch jedoch nicht. Dafür ist die Steuerung zu unausgereift und die Gesamtpräsentation ein wenig zu lieblos, Spielmodi wie Minigolf, Ringgolfen oder ähnliche Boni fehlen. Ständig belasten eine stets dudelige Musik und die dauernd Kommentare abgebenden Caddys unser Ohr und den Geduldfaden. Wer auf das neue Mario Golf nicht warten kann, gibt sich mit diesem Comic-Golf-Ausflug zufrieden, da das Spiel an sich – gerade zu mehreren – durchaus Laune machen kann. Allen, den das Setting zu bunt ist, mögen auch getrost mit Tiger Woods den digitalen Schläger schwingen.
BOB 3 Punkte

BOMBERMAN GENERATION (GAMECUBE / HUDSON, UNIVERSAL)
Hudsons Evergreen geht in eine neue Runde. Im neuesten Aufguss wird endlich wieder ein anspruchsvoller Single-Player-Modus geboten, der mit bonbonbunter Cell-Optik und unterhaltsamen Kniffeleien daherkommt. Der eigentliche Knüller bleibt aber weiterhin die implementierte Multiplayer-Version, vom Spielprinzip her das Ur-Bomberman mit massig Optionen aber ohne wirkliche Innovationen. Der Spielspass ist wie beim Original immer noch top, gerade zu viert vor’m Cube kommt richtig Laune auf. Das gerade mal ein Stück Hintergrundmusik ins Game gefunden hat, geht jedoch fix allen Vieren auf die Nerven, außerdem dürfen Bomberman-Besitzer sich aufgrund der mangelnden Innovation an die jeweils schon vorhandene Version halten. Vorzugsweise natürlich auf dem Sega Saturn, wo sich bis zu acht Bombenleger bekämpfen konnten. Unter’m Strich also ein lohnendes aber nicht zwingendes Update eines großen Klassikers, der gegeneinander einfach Spass macht.
BOB 4 Punkte

Achtung Buch !

DAVID CHOQUET (HG.): 1000 GAME HEROES
TASCHEN VERLAG, 29,99 EURO
Bildbände aus dem Taschen Verlag haben zumindest den Vorteil, dass viel Kunst für wenig Geld geboten wird. So lautet auch hier die Devise: Klotzen und nicht kleckern. Um den aktuellen Stand an Spielehelden und -heldinnen abzubilden, stehen wuchtige 600 Vollfarbseiten zu Verfügung. Unterteilt in Kategorien wie Legends of Video Games, Funny Heroes oder Sexy Heroes findet sich leider mehr Masse als Klasse. Gleich in zig-facher Ausführung stereotype Action-Bratzen abzubilden, spiegelt zwar exzellent den Status Quo wieder, aber eigentlich will ich mir die außerhalb von Spielumgebungen nicht auch noch anschauen müssen. Zudem beschränkt sich die Auswahl ausschließlich auf weitgehend aktuelle Titel: Klassische Helden im verdienten Ruhestand oder spannende Gestern-Heute-Morgen-Gegenüberstellungen fehlen komplett, ebenso wie den Begleittexten mit ihren reinen trilingualen Story-Inhaltsangaben jegliche weiterführende Reflektion, historische Einordnung oder kritische Gewichtung abgeht. Obwohl es noch viel besser hätte werden können, lohnt “1000 Game Heroes” natürlich trotzdem ein Blättern, gerade aufgrund der exzellenten Photoqualität und des Value-For-Money-Aspekts.
BUB 3-4 Punkte

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Elektronische Lebensaspekte.