Spieglein, Spieglein in der Hand - qua schlecht designtem Display hat man mit seinem Gameboy nicht immer nur Freude. Doch Abhilfe naht: Ein internes Lightning-Kit ist auf dem Markt. Voraussetzung: Frickelfinger und keine Angst vor dem Ende der Garantie. Trotzdem wirkt es.
Text: Nils Dittbrenner aus De:Bug 65

Trotz immer größer werdenden Softwareangebots mit mittlerweile einigen wahren Rennern im Portfolio verkauft sich Nintendos Handheld GameBoy Advance bisher nicht so wie eigentlich erhofft. Leistung steckt zwar genug im Flachmann, viele Besitzer zeigten sich aber vor allem aufgrund der schlechten Display-Performance enttäuscht und verkauften ihren alsbald wieder. Bei Tageslicht als auch bei Dämmerung ist – Nintendos Sparpolitik sei dank- nämlich vor allem eins zu sehen: das Gesicht des Spielers durch mangelnde Entspiegelung und fehlender Hintergrundbeleuchtung. Für ersteres kaufte man sich einfach ein Austauschlinse und wunderte sich, dass das kaum was brachte, für letzteres musste eine der mehr schlecht als recht funktionierenden externen Lichter herhalten, sogar Stirnlampen wurden von einigen Usern propagiert.
Diese ganzen Notbehelfe funktionieren vor allem nach dem Prinzip Hoffnung. Nach einiger Wartezeit ist nun die Peripherie auf dem Markt, die Spielenden unterwegs die bisher fehlende Killer-Applikation zum Einbau bietet: das interne Lighting-Kit mit dem vielsagendem Namen “Afterburner”. Adam Curtis, notorischer Bastler und flinker Erfinder (De:Bug berichtete) hat sich mit seiner Firma Tritonlabs an die Entwicklung und Vermarktung gemacht, in Deutschland wird dieses feine Upgrade u.a. vom Umbauspezialisten Wolfsoft vertrieben.

Das Kit kommt in erster Linie unspektakulär daher: Die Lichtquelle besteht aus einer Folie, die über dem Display angebracht wird. Auf das LCD-Display selbst kleben wir einen Anti-Reflective-Film, welcher dafür sorgt, dass Licht die Pixel erhellt und nicht einfach nur zurückstrahlt. Für den Einbau muss der GBA natürlich geöffnet werden. Dazu genügt ein 1,5 mm – Schlitzschraubenzieher, mit dem die Spezialschrauben vorsichtig herausgelöst werden. Schwitzige Hände gibt’s natürlich aufgrund der just flöten gehenden Nintendo-Garantie. Nach dem Öffnen gestaltet sich der kleine Spieljunge jedoch allerfeinst und aufgeräumt, nun noch schnell Mainboard vom Gehäuse gelöst und los geht’s. Als erster chirurgischer Eingriff muss in der Plastikgussform genügend Platz für die Leuchtfolie geschaffen werden. Dazu braucht man ein Teppichmesser oder anderes plastikschneidendes Equipment, um eine 6.5 mm hohe Schneise unterhalb des Display zu schlagen. Danach wird’s ein wenig fummeliger: So muss der anti-reflective Film möglichst blasen- und staubkornfrei auf das LCD geklebt werden, ein Vorgang, der für Aufregung sorgt. Ich brauchte drei Anläufe – ohne zu einem perfekten Ergebnis zu kommen. Danach werden zwei Lötpunkte auf dem Mainboard mit der Leuchtfolie verbunden, wobei zwar genau gearbeitet werden muss, das Frickeligste beim Umbau aber schon hinter uns liegt. Ein Potentiometer zur Regelung der Lichtintensität liegt zwar bei, muss aber nicht eingebaut werden, da Batteriesparen nicht wirklich geht (die Lebensdauer mit zwei AA-Mignon bleibt aber bei aufregenden neun Stunden) und danach ein unschönes Rädchen am Gehäuse prankt. Also belassen wir‘s lieber dabei, schrauben die Teile fix wieder zusammen und freuen uns von nun an über das fancy-unter-der-Decke- Gezocke. Für totale Bastelnotoriker bieten diverse Firmen im Netz auch einen Einbautarif an, auch bei Eigenleistung dürfen für dieses beste aller Upgrades so far aber immerhin 50 Euro berappt werden. Dafür besticht der GameBoy nach dem Umbau aber mit einer nie dagewesenen Kontrasttiefe und Farbschärfe. Afterburner ist somit das Tool für Neidgarantie auf dem Schulhof und die erste wirklich lohnende Peripherie-Investition für den GameBoy Advance; Jetzt könnten auch TV-Tuner und MP3-Upgrade endlich kommen.

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Elektronische Lebensaspekte.