Auto im Dreck und Shooter unter Wasser aus De:Bug 116

Colin McRae DiRT

Codemasters
PC / Xbox360

Alle sprechen von “Casual-Gaming“ und erzählen sich Geschichten von erweiterten Zielgruppen, die angeblich den Videospielmarkt umkrempeln könnten. Dabei sind es doch immer noch die klassischen Genres, die sich vor allem über Grafik verkaufen und mit Rennspielen und Fußball-Simulationen die Hitlisten anführen – teilweise zu Recht. Bei der Fülle von Neuerscheinungen auf diesem Gebiet ist es aber für den Gelegenheitsrennfahrer oder -kicker schwierig, abgesehen von einer Aktualisierung der Mannschaften oder einer noch besser geshadeten Lackierung der Wagen, auf den ersten Blick gravierende Unterschiede festzustellen. Bei einer genaueren Betrachtung von Rennspielen gibt es aber schon mal die grobe Unterteilung in Fuhrparkspiele, Fahrsimulationen mit hohem Realismus-Anspruch, Arcade-Racer und Rallye-Spiele; wobei die Grenzen heute teilweise fließend sind. Die inzwischen etwas betagte Rallye-Serie Colin McRae galt dabei bisher als der Streber im Rennspiele-Zirkus.

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Woran das lag? Wahrscheinlich war Rallye einfach immer zu speziell und es wurde zu viel Wert auf eine realistische Umsetzung des Sports gelegt und dabei zu wenig auf die Pimp-Hupe gedrückt. Jetzt soll das anders werden. Bei DiRT, dem neuen Teil der Serie, wird also zuerst das Auge angesprochen: In aktuellen Rennspielen sehen die Wagen standardmäßig klasse aus. Aber hier ist der optische Gesamteindruck riesig, wenn man über eine staubige Strecke in Italien oder Spanien brettert oder eher bei gewittrigem Wetter in Nordengland den Schlamm durchwühlt und zusammen mit den Lichtverhältnissen eine sehr passende Stimmung entsteht. Zweiter erwähnenswerter Hingucker ist die extrem flott präsentierte Menüführung mit ihren dynamischen Pfeilen und dreidimensionalen Auswahl-Kästen.

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Aber ist das nur Blendwerk? Der Einstieg ins Spiel geht schnell. Man quält sich nicht lange mit komplizierter Steuerung, so dass sich erste Erfolgserlebnisse bald einstellen. Man will mit mehr verschiedenen Wagen auf noch mehr neuen Strecken fahren und fängt also an, sich Mühe zu geben. Dabei merkt man, welchen Mehrwert an subjektivem Empfinden der Force-Feedback-Controller bringt, mit dem man die unterschiedlichen Fahreigenschaften der Wagen spüren kann. Man freut sich über das ansehnliche Schadensmodell, das natürlich gerade bei einem Rallye-Spiel extrem wichtig ist, und beginnt zu lernen, wie sich die einzelnen Wettbewerbe unterscheiden, in denen es manchmal eher um Präzision und ums Finden der Ideallinie geht und manchmal eher um die Arcade-Action, bei der man mit fetten Trucks über die Piste ballert und rammt, springt und abdrängelt.

Zu wenig Dreck

Zugegeben: Besonders innovativ ist DiRT nicht, aber kann ein Rallye-Spiel das heute überhaupt noch sein? Vielmehr besticht das Game dadurch, dass es alle Erwartungen an ein Rennspiel so gut erfüllt und dabei nicht in übertriebenem Maße der Verherrlichung des Automobils gefrönt wird. Zwar gibt es kleine Mängel wie z.B. die nervige deutsche Sprachausgabe und, für meinen Geschmack, das zu wenig an Dreck auf der Windschutzscheibe, aber ansonsten bietet DiRT viele Stunden Spielspaß.
Florian Brauer
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Bioshock

2k Games
XBox 360 / PC

Die Bewohner von Rapture City müssten eigentlich die glücklichsten Menschen der Welt sein: Auf dem Meeresgrund hat ihr Erbauer Andrew Ryan eine Stadt geschaffen, in der die Freiheit regiert, ohne Eingriff von oben, ohne Blockzugehörigkeit. Ein liberales Paradies, erschaffen in den 1930er Jahren. Bis zum Neujahr 1959 läuft so weit wohl auch alles glatt, von einer Konkurrenz zwischen den aufkommenden Schmugglern und der rechtschaffenen Bevölkerung einmal abgesehen. So viel wissen wir jedoch zum Anfang des Spiels noch gar nicht.

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So wird das Spiel-Erlebnis die ersten Stunden über primär von dem fantastischen Setting der Unterwasser-Stadt getragen, in das wir als einziger Überlebender eines Flugzeug-Absturzes Eintritt erhalten. Über Funkgerät werden wir von einem vermeintlichen Freund instruiert, uns in der teilweise zerstörten Umgebung zurecht zu finden, erwehren uns den ersten angreifenden Mutanten und merken schon bald: Irgendetwas muss hier so richtig schief gelaufen sein. Schon bald bekommen wir Zugang zu den so genannten Plasmiden, die in das Erbgut eingreifen und in der untergegangenen Gesellschaft neben Schönheitsoperationen wohl der letzte Schrei waren – Nebenwirkungen nicht ganz ausgeschlossen. In dieser Form können wir unsere Werte beeinflussen, Rollenspiel-typisch benötigen sie eine besondere Form von Energie und erweitern die bloße Waffengewalt in sinnvoller Art und Weise.

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Einen großen Teil im Spiel verwenden wir übrigens auf das Hacken von allerlei Maschinen: Verkaufsautomaten, Sicherheitskameras etc. pp. Wo wir uns jedoch auch hinbewegen, der Übervater der submarinen Metropole bekommt es mit und meldet sich hin und wieder über das Funksprechgerät, um einen zynischen Kommentar vom Stapel zu lassen. Der Spannungsaufbau ist dabei nahezu perfekt: Trägt sich die Faszination die ersten Stunden allein ob des Settings und der grandiosen Atmosphäre, wird die mittels hinterlegter Sprachaufzeichnungen erzählte Hintergrundgeschichte gerade in der Phase spannend, als die ständige Gefahr vor den angreifenden Irren schleichend zu einer zunehmend gähnenden Angelegenheit verkommt.

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Der erste größere Plot-Punkt setzt dem Erlebten denn auch eine unerwartete Krone auf und bis zum packenden Finale nimmt die Story einen gefangen. Nebenbei steigt der Schwierigkeitsgrad in einer angemessenen Art und Weise an, so dass trotz der zahlreichen Erweiterungen am eigenen Leibe die nötige Spannung vorhanden bleibt. Für weitergehende Gen-Updates benötigen wir außerdem eine Substanz namens ADAM, welche wir kleinen Mädchen abnehmen, die je nach unserer Entscheidung entweder sterben (wofür wir die volle Substanz erhalten) oder gerettet werden (was uns nur die Hälfte des wichtigen Guts beschert). Beschützt werden sie von toughen Kampfrobotern, die wir nur mit großen Mühen besiegen.

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Charakter-Design, Interface und Storyverlauf sind von allerhöchster Güte, die Spielwelt ist konsistent und die gebotene Entscheidungsfreiheit bietet genügend Anlass, das Spiel ein zweites Mal durchzuspielen – insgesamt ein Ego-Shooter, über den man sich auch in Jahren noch unterhalten wird.
Nils Dittbrenner
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Elektronische Lebensaspekte.