Die Next-Generation-Hardware steht vor der Tür. Kein Wunder, dass die Games Convention 2006 in Leipzig alle Besucherrekorde brach. Aber qualitativ ließ sie einige Wünsche offen.
Text: Florian Brauer aus De:Bug 106

Viel hilft nicht viel
Games Convention

Ganz selbstbewusst hatte in diesem Jahr die fünfte GC mit dem Motto “Play, it’s your Nature“ geworben und damit auf das wissenschaftliche Fundament von Spiel- und Kognitionsforschung hingewiesen, das immer gerne gegen die Kritiker von Computerspielen ins Feld geführt wird. Überhaupt sind Spieltheorie und Edutainment bei Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sehr en vogue und versprechen trotz “Killerspiel“-Debatte blühende Landschaften. Während also im Business-Bereich die Hände geschüttelt wurden und man sich schon mal über Außenwirkung der GC und gesteigerte gesellschaftliche Akzeptanz freute, wurde an den Messeständen nach allem gegrabscht, was ein Logo hatte. Richtige Spielfreude kam nicht auf in den brechend vollen Ausstellungshallen, in denen in erster Linie mit Lautstärke, Promo-Geschenken und knapp bekleideten Hostessen um die Aufmerksamkeit des jungen Publikums gebuhlt wurde. Die Spiele waren eher schmückendes Beiwerk auf der Veranstaltung, die auch noch anderen Zwecken gedient hat, als den uns angeborenen Spieltrieb zu befriedigen.

Höher, schneller, weiter
Die Erwartungen in diesem Jahr waren hoch. Schließlich befinden wir uns mitten in der Einführung der Next-Generation-Hardware und man hätte sich gerne ein Bild gemacht vom Status Quo der neuen Technik. Umso enttäuschender, dass die beiden neuen Konsolen PS3 und Nintendo Wii nicht präsentiert wurden. Beide sollen erst auf der Tokio Game Show offiziell vorgeführt werden und kommen dann aber rechtzeitig zu Weihnachten in die Läden. Auf den Messeständen gab’s also keine große Hardware-Offenbarung. Nur der Presse war es vergönnt, die neuen Konsolen selbst zu testen. Die PS3 verbarg sich dabei jedoch noch hinter einem anderen Gehäuse und hatte noch keinen neuen Controller, trotzdem ließen die ersten Bilder von “Virtual Tennis“ an Detailfülle und perfekten Animationen nichts zu wünschen übrig. Um das heiß ersehnte Wii von Nintendo in Aktion zu sehen, musste man auch lange warten, merkte dann aber schnell, dass Nintendo weiterhin seine Sonderstellung im Konsolenkampf beibehalten würde. Das Wii mit den wirklich innovativen Controllern, deren Position im Raum gemessen wird und die in erster Linie Tennis- und Fechtbewegungen unterstützen, fordert zum körperlichen Einsatz auf und setzt weiterhin eher auf intuitives Gameplay und einfache Formen wie Pilze und Schildkröten als auf Grafikdetail und Frame-Rate. Obwohl zum Start des Wii namhafte Titel wie u.a. “Sonic Wild Fire” von Sega und ein neues “Legend of Zelda: Twilight Princess“ von Nintendo bereitstehen sollen, ist es schwer zu beurteilen, wie dieses Spielkonzept angenommen werden wird, da insgesamt in den Messehallen immer noch Bilder von waffenstrotzenden Grunzpaketen und körperbewaffneten Bikini-Amazonen vorherrschend waren. Videogames werden weiterhin hauptsächlich über Grafik verkauft. Die Firma Microsoft, die im letzten Jahr von ihrer Xbox360 auch nur ein Gehäuse vorstellen konnte, weitet zwischenzeitlich ihr Software-Portfolio auf über 150 Titel aus, feiert Erfolge mit ihren Xbox-Live-Retro-Games und gewinnt zunehmend an Kontur in den Köpfen der Spieler. Die Entscheidung um die Pole Position im Konsolen-Rennen ist noch lange nicht gefallen.

Nischen-Wohlgefühl
Bei der Software wird von Sony und Nintendo weiter eine Ausdifferenzierung und Zielgruppenerweiterung gepflegt. Zu nennen sind hier v.a. die Partyspiele, die mit Tanzmatten, Buzzern, Mikrophonen und jetzt auch endlich dem rockenden Gitarren Interface “Guitar Hero“ für PS2 dem fettleibigen Chips- und Cola-Klischee ans Leder wollen und die Videogames weiter als Familienunterhaltung im Wohnzimmer etablieren. Außerdem sind es immer noch die Soap-Simulationen der Sims, die jetzt mit “Sims Pets” Haustiere bekommen, und die virtuellen Hundewelpen von “Nintendogs“, die zunehmend weibliches Publikum an die Unterhaltungselektronik heranführen sollen. Dementsprechend waren auch die Messestände von Nintendo und Sony farblich auf PSP, das neue abgespeckte DSLite und die sich immer noch gut verkaufende PS2, die es jetzt alle auch in Rosa und in Weiß gibt, abgestimmt. Eine weitere erschlossene Zielgruppe ist eine Generation 50up, die mit “Dr. Kawashimas Gehirnjogging” für das DS und Modelleisenbahnsimulationen wie “Sid Meier’s Railroads“ für den PC umworben wird. Außerdem gibt’s jetzt auch Fremdsprachentrainer für das DS.
Die großen Seller bleiben aber sicher weiterhin die Sport- und dabei die Fußballgames wie ProEvo-Soccer und EAs FIFA-Serie. Die Anzahl der Kriegssimulationen und Ego Shooter nimmt eher zu, wobei auch hier immer noch kleinere Neuerungen und Verbesserungen jährlich den Standard weiter hochschrauben. Bleibenden Eindruck hinterließen 2Ks “Bioshock“, das mit beeindruckender Liebe zu Story und Setting und ohne viel Geballere das Ego-Perspektiven-Genre auf eine anspruchsvollere Ebene bringen soll, und Ataris “Alone in the Dark“ für PC und Xbox 360, das angelehnt an die bekannten DVD-Seasons in Episoden eingeteilt, neue Wege in der Art der Erzählung gehen will. Auch Ubisofts “Assassins Creed” hat im Bereich der Schleich-Action-Games einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht und beeindruckt mit einer KI, die das Verhalten von größeren Menschenmassen simuliert. Deutlich angewachsen ist die Zahl der Crime-City-Simulationen à la GTA. Hier werden inzwischen alle mehr oder weniger erfolgreichen Filme und Serien von Scarface über MiamiVice bis zu John Woo teilweise sehr ansehnlich verwurstet. Rennspiele sind inzwischen natürlich alle onlinefähig und auf “Massive Multiplayer Racing“ ausgelegt.

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Elektronische Lebensaspekte.

Die Next-Generation-Hardware steht vor der Tür. Kein Wunder, dass die Games Convention 2006 in Leipzig alle Besucherrekorde brach. Aber qualitativ ließ sie einige Wünsche offen.
Text: Florian Brauer aus De:Bug 106

Viel hilft nicht viel
Games Convention

Ganz selbstbewusst hatte in diesem Jahr die fünfte GC mit dem Motto “Play, it’s your Nature“ geworben und damit auf das wissenschaftliche Fundament von Spiel- und Kognitionsforschung hingewiesen, das immer gerne gegen die Kritiker von Computerspielen ins Feld geführt wird. Überhaupt sind Spieltheorie und Edutainment bei Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sehr en vogue und versprechen trotz “Killerspiel“-Debatte blühende Landschaften. Während also im Business-Bereich die Hände geschüttelt wurden und man sich schon mal über Außenwirkung der GC und gesteigerte gesellschaftliche Akzeptanz freute, wurde an den Messeständen nach allem gegrabscht, was ein Logo hatte. Richtige Spielfreude kam nicht auf in den brechend vollen Ausstellungshallen, in denen in erster Linie mit Lautstärke, Promo-Geschenken und knapp bekleideten Hostessen um die Aufmerksamkeit des jungen Publikums gebuhlt wurde. Die Spiele waren eher schmückendes Beiwerk auf der Veranstaltung, die auch noch anderen Zwecken gedient hat, als den uns angeborenen Spieltrieb zu befriedigen.

Höher, schneller, weiter
Die Erwartungen in diesem Jahr waren hoch. Schließlich befinden wir uns mitten in der Einführung der Next-Generation-Hardware und man hätte sich gerne ein Bild gemacht vom Status Quo der neuen Technik. Umso enttäuschender, dass die beiden neuen Konsolen PS3 und Nintendo Wii nicht präsentiert wurden. Beide sollen erst auf der Tokio Game Show offiziell vorgeführt werden und kommen dann aber rechtzeitig zu Weihnachten in die Läden. Auf den Messeständen gab’s also keine große Hardware-Offenbarung. Nur der Presse war es vergönnt, die neuen Konsolen selbst zu testen. Die PS3 verbarg sich dabei jedoch noch hinter einem anderen Gehäuse und hatte noch keinen neuen Controller, trotzdem ließen die ersten Bilder von “Virtual Tennis“ an Detailfülle und perfekten Animationen nichts zu wünschen übrig. Um das heiß ersehnte Wii von Nintendo in Aktion zu sehen, musste man auch lange warten, merkte dann aber schnell, dass Nintendo weiterhin seine Sonderstellung im Konsolenkampf beibehalten würde. Das Wii mit den wirklich innovativen Controllern, deren Position im Raum gemessen wird und die in erster Linie Tennis- und Fechtbewegungen unterstützen, fordert zum körperlichen Einsatz auf und setzt weiterhin eher auf intuitives Gameplay und einfache Formen wie Pilze und Schildkröten als auf Grafikdetail und Frame-Rate. Obwohl zum Start des Wii namhafte Titel wie u.a. “Sonic Wild Fire” von Sega und ein neues “Legend of Zelda: Twilight Princess“ von Nintendo bereitstehen sollen, ist es schwer zu beurteilen, wie dieses Spielkonzept angenommen werden wird, da insgesamt in den Messehallen immer noch Bilder von waffenstrotzenden Grunzpaketen und körperbewaffneten Bikini-Amazonen vorherrschend waren. Videogames werden weiterhin hauptsächlich über Grafik verkauft. Die Firma Microsoft, die im letzten Jahr von ihrer Xbox360 auch nur ein Gehäuse vorstellen konnte, weitet zwischenzeitlich ihr Software-Portfolio auf über 150 Titel aus, feiert Erfolge mit ihren Xbox-Live-Retro-Games und gewinnt zunehmend an Kontur in den Köpfen der Spieler. Die Entscheidung um die Pole Position im Konsolen-Rennen ist noch lange nicht gefallen.

Nischen-Wohlgefühl
Bei der Software wird von Sony und Nintendo weiter eine Ausdifferenzierung und Zielgruppenerweiterung gepflegt. Zu nennen sind hier v.a. die Partyspiele, die mit Tanzmatten, Buzzern, Mikrophonen und jetzt auch endlich dem rockenden Gitarren Interface “Guitar Hero“ für PS2 dem fettleibigen Chips- und Cola-Klischee ans Leder wollen und die Videogames weiter als Familienunterhaltung im Wohnzimmer etablieren. Außerdem sind es immer noch die Soap-Simulationen der Sims, die jetzt mit “Sims Pets” Haustiere bekommen, und die virtuellen Hundewelpen von “Nintendogs“, die zunehmend weibliches Publikum an die Unterhaltungselektronik heranführen sollen. Dementsprechend waren auch die Messestände von Nintendo und Sony farblich auf PSP, das neue abgespeckte DSLite und die sich immer noch gut verkaufende PS2, die es jetzt alle auch in Rosa und in Weiß gibt, abgestimmt. Eine weitere erschlossene Zielgruppe ist eine Generation 50up, die mit “Dr. Kawashimas Gehirnjogging” für das DS und Modelleisenbahnsimulationen wie “Sid Meier’s Railroads“ für den PC umworben wird. Außerdem gibt’s jetzt auch Fremdsprachentrainer für das DS.
Die großen Seller bleiben aber sicher weiterhin die Sport- und dabei die Fußballgames wie ProEvo-Soccer und EAs FIFA-Serie. Die Anzahl der Kriegssimulationen und Ego Shooter nimmt eher zu, wobei auch hier immer noch kleinere Neuerungen und Verbesserungen jährlich den Standard weiter hochschrauben. Bleibenden Eindruck hinterließen 2Ks “Bioshock“, das mit beeindruckender Liebe zu Story und Setting und ohne viel Geballere das Ego-Perspektiven-Genre auf eine anspruchsvollere Ebene bringen soll, und Ataris “Alone in the Dark“ für PC und Xbox 360, das angelehnt an die bekannten DVD-Seasons in Episoden eingeteilt, neue Wege in der Art der Erzählung gehen will. Auch Ubisofts “Assassins Creed” hat im Bereich der Schleich-Action-Games einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht und beeindruckt mit einer KI, die das Verhalten von größeren Menschenmassen simuliert. Deutlich angewachsen ist die Zahl der Crime-City-Simulationen à la GTA. Hier werden inzwischen alle mehr oder weniger erfolgreichen Filme und Serien von Scarface über MiamiVice bis zu John Woo teilweise sehr ansehnlich verwurstet. Rennspiele sind inzwischen natürlich alle onlinefähig und auf “Massive Multiplayer Racing“ ausgelegt.

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Elektronische Lebensaspekte.