Strange Bongosounds, wirre Flöten, merkwürdiges Geschrei und ein Groove wie ein liegen gebliebener Chicagowankelmotor.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 123


Ich bin zwar leicht zu begeistern, aber Fan von etwas werde ich selten. Einfacher ist’s, wenn es einen intriganten Namen dazu gibt. Gavin Herlihy. Wie soll man das aussprechen? Herlie Hee. Iren. Wenn die Dänen nicht schon erfunden wären … Egal. Die erste Platte von ihm auf Kindisch (noch so ein Name) war schuld. Strange Bongosounds, wirre Flöten, merkwürdiges Geschrei und ein Groove wie ein liegen gebliebener Chicagowankelmotor. Da muss man sich verlieben.

Stört auch nicht, dass Gavin Jahrelang Technoreviewer für MixMag war. Mich nicht. Auch wenn er selbst das ausbaden musste. “Ich musste den schweren Weg gehen. Über die Hinterzimmer wirklich schlimmer Clubs. Aber das war eine Herausforderung, denn die Leute hätten sonst gedacht, ich würde als Musikjournalist meine Gigs nur durch Beziehungen bekommen.” Jahrelang suhlen alle wie blöd in Effekten, aber am Menschen scheint Multitasking immer noch ein Makel zu sein.

Noch mal zurückspulen. Großgeworden in Irland, Gitarre gespielt in vielen Bands. (“Tatsächlich war ich sogar mal fünf Minuten lang in einer ‘Rage Against the Machine’-Coverband.”). Elektronische Musik auf dem Reading Festival entdeckt. Eine Woche später in London Drum and Bass entdeckt. (“Das klang wortwörtlich so, als würde jemand die Zukunft durch die Radiowellen beamen”).

Umzug nach England, Studium, MixMag, Bonusauftritt im Piratenradio (“Das war in einem Ghettotowerblock. Die haben mir einen falschen Namen gegeben, Doctor Tickle, und sind dann zum Chinesen abgehauen. Versuch mal, wie ein Pirate Radio DJ zu klingen, wenn dich alle für Doctor Tickle halten.”) Der Startschuss auf Moodmusic mit dem limitierten einseitigen Release “Machine Ate My Homework” war dann auch schon fast die Entscheidung.

Letztes Jahr kam er endgültig nach Berlin. “Bis acht im Büro und bis zwei Uhr morgens dann produzieren. Das ist ein Albtraum. Ein anderer guter Grund, lieber Musik zu produzieren als zu schreiben: Als Musiker ist es fast schon eine Arbeitsplatzanforderung, Deadlines zu verpassen.”

Und seitdem: eine Platte nach der anderen. “Opium Haze” auf Kindisch, “Praia Brava” auf True To Form, “Ok No Disco” auf Paradigma, “Give Me A Fünf” auf Buzzin Fly, und eine Leftroom-EP und einen Remix für Dakar auf Get Physical. Nicht nur viel, sondern auch immer wieder ein neuer Sound. Nur der Optimismus der Tracks bleibt allen gemeinsam.

“Wenn man über Musik geschrieben hat, hat man so eine Art Vogelperspektive. Ich mag so vieles, dass ich mich selbst nicht beschränken will. Wenn alle um einen herum das Gleiche hören und in die gleichen Clubs gehen, dann neigt man wohl eher dazu, einen speziellen Sound zu haben. Für mich sind Eklektizisten wie Carl Craig vermutlich eher eine Inspiration als jemand, der seinen Sound wirklich gefunden hat.

Mir ist es wichtiger, dass Tracks der Zeit standhalten. Musik ist so instant geworden. Zwei Wochen auf Beatport und dann vergessen. Ich liebe darke und stimmungsvolle Tracks, aber 90% der Undergroundtracks heutzutage versucht diesen verdrogten Darkness-Effekt zu rekreieren. So schön das ist, mich reizt das nicht so, weil es davon einfach zu viel gibt. Vielleicht sollte ich das für den Sommer auf meine ToDo List schreiben, dann kann ich sagen, das habe ich auch schon gemacht. ”
http://gavinherlihy.com/

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Elektronische Lebensaspekte.