Auf der Suchen nach Deutschlands erstem dezidierten Roboter-Laden fand Anton Waldt, incognito unterweg, viel Bot-Folklore, unlogische Flure, eine japanische Roboter-Qualle. Und Antje Ebert. Die Macherin von General Robots erklärt, was im Roboter-Handel so geht.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 137

Roboter sind die direkte und gleichzeitig oft fantastische Verkörperung unseres stetig wachsenden Maschinenparks. Die prototypische Projektionsfläche für die Vermenschlichung von Technik. Was natürlich eine zweischneidige Angelegenheit ist, weil Technik nüchtern verstanden und beurteilt werden will. Einerseits. Andererseits ist Technik heute zu wichtig, um ihr nicht auch emotional zu begegnen, der moderne Mensch sollte sich mit seinem Gerätepark ins Einvernehmen setzen, sonst hakt es in der Koexistenz.

Roboter sind daher so etwas wie Kulturbotschafter aus dem Maschinen-Universum, die den Menschen auf seinem eigenen, schrecklich unlogischen Terrain abholen. Wobei Roboter ohnehin Grenzgänger zwischen Funktion und Unterhaltung sind, da die Übergänge vom Industrieroboter, der Autokarosserien verschweißt und dem Blechroboter aus dem Kinderzimmer fließend sind. Aber während diese Zusammenhänge Japanern wie eine zerlassene Walfischschwarte reinfließen und für kollektive Roboter-Besessenheit sorgen, sind hartgesottene Fans hierzulande eher ein Nerd-Phänomen – wobei es auch unter diesen eine große Fraktion gibt, die Technik auf keinen Fall emotional befrachten mag und Roboter daher besonders dämlich findet. Roboter für den Heimgebrauch finden sich daher als Nischenprodukte in Spielzeugabteilungen, Modellbaugeschäften und beim Elektronik-Discounter (Staubsauger-Bots!).

Bei General Robots, Deutschlands erstem dezidierten Roboter-Laden, der aktuell rund 450 verschiedene Roboter-Produkte im Angebot hat, gibt es vor allem Spielzeugroboter, aber zunehmend auch programmierbare High-Tech-Modelle. Außerdem jede Menge Bot-Folklore bis hin zum Roboter-Tattoo und zuletzt vereinzelte Exemplare mit echter Funktionalität wie Clocky, dem rollenden Wecker, oder den lebensgroßen R2D2 mit Video-Projektor und Lautsprechern. Bedauerlicherweise handelt es sich bei General Robots um einen Webshop, denn Bot-Fanatikern geht es um die konkrete Verkörperung. Wir haben uns daher unter dem fadenscheinigen Vorwand eines Interviews in die Firma geschlichen, um möglichst viele Exemplare in die Finger zu bekommen.

Die Roboter-Lady
Auf dem Weg ins General Robots-Hauptquartier, das sich in dem Teil des Prenzlauer Bergs findet, der knapp noch nicht von segelschuhtragenden Öko-Loft-Schnöseln besetzt wurde, fragen wir uns, welche Fanatiker hinter dem Laden stecken. Vielleicht ein New Economy-Idiot, aber wahrscheinlich ein pickeliger Treckie, der seine Actionfiguren originalverpackt sammelt und japanische Seriennummernwitze reißt.

Das fabelhafte Reich der Technikfantasien entpuppt sich zunächst als Hinterhofklitsche, konkret handelt es sich um eine Remise, die im DDR-Style mit viel Aluminium errichtet und anschließend durch zahlreiche Umbauten an sich wandelnde Nutzungen angepasst wurde. Am Ende eines unlogischen Flurs werden wir von einem mannshohen Exemplar des Roboters aus dem Zeichentrickfilm “Der Gigant aus dem All” begrüßt, als nächstes werden unsere Klischees in Trümmer gelegt, denn statt des Treckies empfängt uns Antje Ebert, eine große, dunkelblonde Mittdreißigerin, die jederzeit als Werbegrafikerin durchgehen würde und nichts von der Nerd-üblichen, verdrucksten Schüchternheit zeigt.

Stattdessen geht es freundlich seriös zu, aber schnell zeigt sich auch, dass Ebert den Schalk mit Löffeln gefressen hat, denn beim Gang durch die Regale steht ihrer diebischen Freude an den versammelten Robotern unserer in nichts nach: “Wenn es klingelt und fiept und sich bewegt, finde ich das toll”, erklärt sie lachend, um anschließend etwas unsicher zu gucken, ob das Bekenntnis zur albernen Begeisterung angesichts mechanischer Spielzeugfiguren auch auf Verständnis stößt. Diesbezügliche Unsicherheiten lösen sich allerdings flott als wir die japanische Roboter-Qualle entdecken, die wir nur aus dem Netz kannten – leider ein unverkäufliches Einzelstück. Wir schlendern weiter durch die Regalreihen und begutachten einzelne Exemplare, während Ebert ihre Firma erklärt und wie sie zum Roboter-Business kam.

Antje Ebert: In den 90ern hatte ich einen Indie-Plattenladen, Orange Age in der Alten Schönhauser. Und da ich gerne Dinge zusammenbringe, auch kulturell, habe ich dort auch Comic-Ausstellungen gemacht mit Jim Avignon, Fil und anderen Berliner Zeichnern. Über die Comics kam ich dann zu den Robotern: Ich mag die Idee eines Themenshops, also ein Ding durchzuexerzieren, von der Haarspange bis zu programmierbaren Robotern eine ganz große Bandbreite anzubieten. Bei den Robotern heißt das alles vom Trash und dem Schnullilkram, bis hin zu wirklich programmierbaren Modellen und den Sammlerstücken. Mein Traum ist es, irgendwann wieder einen Laden zu haben und auch wieder Ausstellungen zu machen, große Sammlungen nach Berlin zu bringen. Roboter sind wegen der Mischung aus Tradition und Science Fiction faszinierend. Einerseits geht es um Fortschritt, Zukunft, gleichzeitig gibt es das 50er Jahre Retro-Blechspielzeug.

Vor uns steht der Proton Robot, ein hochwertiges Retro-Modell aus Blech, das wir unbedingt in Aktion sehen wollen.

De:Bug: Kann man den auch aufziehen?

Ebert: Natürlich – ich verkaufe übrigens auch Ersatzschlüssel. Ein eher selten verlangter Artikel, aber die wenigen Käufer sind wahrscheinlich echt glücklich, dass sie so etwas überhaupt irgendwo bekommen.

De:Bug: Was ist denn überhaupt ein Roboter?

Ebert: Das ist ja das schöne: Was ein Roboter ist entscheide ich! Nabaztag ist zum Beispiel ein cooles Gadget, das die Aufnahmeprüfung bestanden hat, genau wie Clocky, der rollende Wecker.

De:Bug: Wie findest du neue Bots für deinen Shop?

Ebert: Das Sortiment habe ich 2006 angefangen aufzubauen, vor allem über das Netz. Inzwischen ist es aber wichtiger auf Messen zu fahren. Also zu den großen Spielzeugmessen in Nürnberg oder New York, aber auch zu kleineren Messen, die erstmal gar nichts mit Robotern zu tun haben. Auf einer Kinderklamottenmesse in Amsterdam habe ich zum Beispiel die Roboterkissen entdeckt. Manchmal sind es aber auch einfach Zufälle: Über den Synthesizer-Bot Thingamakit bin ich zum Beispiel bei Flickr gestolpert, das war Liebe auf den ersten Blick. Dummerweise gab es außer dem Foto keine weiteren Hinweise. Ich bin wahnsinnig geworden und musste wirklich lange suchen, bis ich den Bastler gefunden hatte, der den Thingamakit baut.

De:Bug: Inzwischen hast du aber auch schon Roboter produzieren lassen?

Ebert: Ja, den Räucher Roboter. Im Osten hatten wir ja diese Räucher-Männchen, die konnte man sogar als Geschenk in den Westen schicken. Und zufällig hatte ich Kontakt zu einem Drechsler im Erzgebirge, der die Idee toll fand. Die Räucher Roboter gingen dann auch in alle Welt, was mich sehr gefreut hat.

De:Bug: Was hast du als nächstes vor?

Ebert: Erstmal muss den Versandhandel größer werden, dann kommt ein Laden in Berlin, dann eine Ladenkette! Aber das muss organisch wachsen, alleine weil alles, was ich auf der Site anbiete, wirklich bei mir im Lager steht. Ich kaufe nämlich selbst gerne online ein, aber dann will ich es auch sofort haben! Bestellungen, die vor 14 Uhr kommen, werden daher noch am gleichen Tag ausgeliefert.

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Elektronische Lebensaspekte.

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