"Geschichte eines Tracks": Eric D. Clark über seinen Zufalls-Hit
Text: Eric D. Clark (aufgezeichnet von Bianca Heuser) aus De:Bug 160

Music is music, a track is a track. Oder eben doch nicht. Manchmal verändert ein Song alles. Die Karriere der Musiker, die Dancefloors, wirft ganze Genres über den Haufen. In unserer neuen Serie befragen wir Musiker nach der Entstehungsgeschichte eben dieser Tracks. Wo es wann wie dazu kam und vor allem warum. Den Anfang macht Eric D. Clark, der zusammen mit Hans Nieswandt und Justus Köhncke im Studio von CAN stand, den Teppich nicht mochte und sich zum Glück an die Gospel-Zeiten seiner Kindheit erinnerte.

Mit Whirlpool Productions hatten wir es nicht immer so leicht, wie das Lied vielleicht klingt. Speziell zur Zeit unseres zweiten Albums “Dense Music” waren wir drei auch privat an unterschiedlichen Punkten. Justus hatte mit verschiedenen Projekten eine Menge zu tun und Hans schon eine Familie, während ich die meiste Zeit in Paris lebte und oft ein wenig neben der Spur war: manchmal fertig von einer Party, dann wieder, weil ich mir die Nächte mit irgendeinem Loop um die Ohren schlug. “Dense Music” haben wir in den CAN Studios in Weilerswist südlich von Köln aufgenommen. Charlotte Goltermann von Ladomat hatte das für uns arrangiert, aber ich war trotzdem wenig begeistert von der Idee in einem professionellen Studio zu arbeiten. Für mich bedeutete das vor allem beige-farbener Teppich, große Fenster und eingeschüchterte Musiker. Außerdem wollte ich mir nicht von irgendeinem Produzenten über die Schulter gucken lassen. René Tinner, der die Studios damals leitete, machte mir aber schnell klar, dass er keiner der Nervensägen ist, die einem sagen, eine Zeile hätte zu viele Silben.

“From: Disco To: Disco” war der letzte Song, den wir produziert haben. Wir hatten schon Monate am Album gearbeitet und wussten immer noch nicht, was aus dem Track werden sollte. Als ich Hans davon überzeugte, die E-Saite seines Basses auf ein F zu stimmen und diese alte Saite dann so vor sich hin schepperte, hat es aber irgendwie geklickt. Dann war der Track nach einem anderthalbstündigen Take im Kasten. Die Pianomelodie, die ich durch das ganze Stück spiele, kannte ich übrigens aus dem Gospelchor meiner Kindheit. Aber das hätte mit einem intakten Disco-Bass alles nicht funktioniert – ich kann schließlich auch nicht singen wie eine Disco-Diva! Außerdem sollte “From: Disco To: Disco” kein Disco-, sondern ein Punk-Song sein.


Illustration: Nils Knoblich (Ganzes Bild hier)

Unser Label Motor Music wollte das Stück dann nicht auf dem Album haben. Es wäre noch nicht fertig. Über ein Jahr später, als wir plötzlich die Nummer 1 der italienischen Charts waren, sahen sie das natürlich ganz anders. Ich glaube, den Italienern gefiel aber hauptsächlich die soulige Seite des Songs. Wir persönlich standen in dieser Zeit, also 1995, 1996, auf die frühen Strictly-Rhythm- und Nu-Groove-Releases, also meist billig produzierter amerikanischer Underground House wie zum Beispiel “Stompin Grounds” von Kerri Chandler als K.C.Y.C. Die – im besten Sinne – Clowns in Sachen elektronischer Musik kamen Anfang der 90er aber definitiv aus Deutschland. Ich denke dabei an die frühen Ladomat-Platten, die ich auch heute noch wunderbar schräg finde. Die waren ihrer Zeit eindeutig voraus.

Als “From: Disco To: Disco” in Italien groß wurde, nahmen wir gerade das nächste Album in Jamaika auf. Von dem ganzen Zirkus haben wir also wenig mitbekommen, abgesehen davon vielleicht, dass mich plötzlich Leute wie Grace Jones zum Tee einluden. So wirklich auf uns hören wollte trotzdem keiner. Wann wir zum Beispiel das Video zu “FD2D”, wie wir sagten, in meinem damaligen Stammclub Funky Chicken drehen wollten, interessierte niemanden. Statt wie verabredet Dienstagabend, stand die Filmcrew Mittwochmorgen um 10 vor der Tür. Ich hatte den Club nach der Party um 7 erst verlassen. Fuck y’all, dachte ich mir, ich gehe in die Sauna! Und da blieb ich auch, bis die Durchsagen auf dem Anrufbeantworter irgendwann zu viel wurden. Nur um mir dann anhören zu dürfen, ich wäre zu spät. Den Funky Chicken Club gibt es heute sogar noch, im Gegensatz zu den CAN Studios in Weilerswist. Letztere wurden in die Amsterdamer Rock’n’Roll Hall Of Fame verlegt. Inklusive unserer Tapes.

Whirlpool Productions, From: Disco To: Disco, erschien 1996 auf Ladomat.

6 Responses

  1. Gabriel

    hallo,

    In Zeiten der Infragestellung des Urheberrechts bitte seid so nett und gebt Credit wo er gebührt.
    Gewährt Nils Knoblich, http://www.nilsknoblich.com/ dem Zeichner des “Disco Inferno” die zustehenden Rechte.

    Sprich: anfragen,erwähnen&verlinken

    vielen Dank!

    gez.,
    alle Illustratoren da draussen

    • debug

      Na klar, Gabriel! Ist nun auch im Artikel verlinkt.

  2. roger

    fast 1:1 aus “plus minus acht” von hans nieswandt übernommen, kann das sein?