Mit Gideon und Lessismore kann in Holland immer wieder neuer Sound entdeckt werden
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 132


Es gibt immer wieder Sounds in Holland zu entdecken, mit denen man nicht gerechnet hat. Auf die Frage “nenn mir ein Labelimperium in Holland” würden die meisten vermutlich mit Delsin und so, oder vielleicht noch Clone antworten. Holland, das ist für die meisten unter uns etwas, das zwischendurch immer wieder aufblitzt, aber in der Tiefe fast noch unentdeckt ist.

So wie das Labelimperium von Gideon. Lessismore machte 2003 den Anfang. Dann zog er mit Anticlub, einem Label zur seiner Partyserie in Eindhoven nach, dann Grayarea und Minimalplus. Gerade eben hat Grayarea mit Gayarea noch ein Sublabel bekommen und sein eigener Vertrieb, Home Distribution, ist mittlerweile die Heimat für 14 Label. Darunter eigentlich nur Perlen wie Southern Comfort, Old Skool, Dandylion oder auch Detroit Disco.

Und wie nebenher produziert er seit 2003 auch noch eine Platte nach der anderen und das unter mittlerweile drei Pseudonymen. Gideon, The Economist und Alexis Tyrel. Gideon Alexis Tyrel Hommes ist, wenn es um Eindhoven geht, überall. Eindhoven hat eine lange Beziehung zu Detroit. Dafür sorgte nicht zuletzt Stefan Robbers und Eevolute Musique und sein direkter Draht zu Carl Craigs Planet E.

Aber während in den letzten Jahren immer mehr Amsterdam der einzige Fokus auf Holland wurde, hat sich in Eindhoven rings um Gideon eine Szene entwickelt, deren Detroiteinfluss wiederum ganz anders ist. Hier geht es immer mehr um House. Nicht die flirrenden Melodien der zweiten Detroit-Generation oder der Purismus einer Detroit-Liebhaberei steht bei den Platten von Gideon im Zentrum, sondern die Deepness, die aus der stolzen Melodie erwächst, die mit dem Groove völlig auf Augenhöhe funktioniert.

Und dabei spielt für ihn Minimal dennoch eine Rolle. Wenn man wollte, könnte man den Sound von Gideon irgendwo zwischen Delsin und Net28 einordnen. Oder aber zu den Größen der Detroit-Dancefloor-Killer zählen. Selbst ein Album auf Kanzleramt letztes Jahr hat ihm aber hierzulande nicht den Ruf eingebracht, den man erwartet hätte. Dabei ist es genau dieser Sound, der eine perfekte Synthese aus Minimal und Detroit darstellt, der melodische Geradlinigkeit mit einer gewissen kantigen Eigenheit, und einem subtil funkigen Sound so komprimiert auf den Dancefloor bringt, dass jeder Track ein Hit ist.

Und das alles mit einer so erfrischenden Leichtigkeit, die einfach verblüfft. So ungezwungen war Detroit, House, Minimal schon lange nicht mehr. Und rings um ihn herum entwickelt sich auch noch eine Szene von neuen Producern und Eindhovener Legenden, deren Macht man im kommenden Jahr nicht unterschätzen sollte. Seine Labelmates Axel X, Burgermeister B, Gringo Gomes, MBC, Noes, Xander Zoë, Zaxxon haben jedenfalls alle etwas vor und werden Eindhoven wieder zu einer festen Größe auf der Karte des Dancefloors machen. Das Jahr gehört Eindhoven. Da sind wir uns sicher.

http://www.lessismorecordings.com

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Elektronische Lebensaspekte.