Kate Wax reckt die Faust und bleibt ladylike. Postfeministische Kämpfe sind eben keine Krämpfe.
Text: Sarah Elena Schwerzmann aus De:Bug 93

Glam-Zicke mit Knacks-Garantie oder
Wer keine Ahnung hat, hält am besten die Fresse
Kate Wax

Techniker und Frauen hassen sie. Das macht aber nichts. Geliebt zu werden ist schließlich so anstrengend. Die Ich-und-vielleicht-manchmal-noch-ein-paar-andere-im-hintersten-Hintergrund-AG Kate Wax hält auf ihrem Debüt den Vertretern der männlichen Gattung den blank polierten Spiegel vor. Doch vor allem macht sie kleinen, ängstlichen Mädchen Feuer unterm Hintern. Fazit: Halt ein bisschen wie Spiderman 1 auf Russisch mit türkischen Untertiteln zu gucken. Hauptsache, Tobey zieht sich vor dem Spiegel aus.

”My sweet darling, I can handle this.” Muss ich nett sein, nur weil ich eine Frau bin? Natürlich. Nicht. Also das probiere ich jetzt mal. Es wird hart werden. Besonders in einer Gesellschaft, in der niemand das Wort Gleichberechtigung auch nur buchstabieren kann. Entlässt ein Typ 100 Leute, hat er Führungskompetenz und ist ein toller Hengst. Macht eine Frau dasselbe, ist sie karrieregeil und hat wahrscheinlich gerade ihre Periode. Was tun? Vorschlag a) Du nimmst es dir zu Herzen. Du zerbrichst daran. Und alle schauen dir bei einem kühlen Blonden dabei zu. Vorschlag b) Pustekuchen. Soweit zur Theorie. Gesagt ist eben gesagt. Aber noch nicht getan. Und genau dort liegt das Problem. Und dabei klingt es doch so einfach. Besonders aus Kates Sprechapparat. Oder? ”Was soll ich sagen? Ich bin gar nicht so krass, wie ich immer tue. Das finde ich irgendwie auch nicht erstrebenswert. Aber manchmal muss man halt zu radikalen Worten greifen, damit die Nachricht ankommt.“ Das alleine reicht aber noch nicht. Denn Provokation führt nur in Kopplung mit einem ausgeschöpften Knacks-Fundus zum Erfolg; Kates persönliches Erfolgsrezept. ”Jeder Künstler hat einen Knacks. Wie sonst könnte er Künstler sein? Dann hätte er ja gar nichts zu sagen.“ Bei dem Talent ist deshalb kaum verwunderlich, dass Kates Sammelsurium an zerbrochenen Tassen ziemlich groß ist. Waise, gesundheitliche Probleme, Leute, die sie hassen. Und dann wäre da noch Water Lilly, die ihr aus unerfindlichen Gründen den Krieg erklärt hat. Na, wenn das nicht reicht, um ein gutes Album zu produzieren.

Kein kahler Kopf …
… und keine Lederjacke, um Kate ins Klischee Marke Kampflesbe zwängen zu können. Selbstgefällig, sehr madamelike und vor allem bezaubernd guckt sie vom Cover ihres Erstlings ”Reflections Of The Dark Heat”. Hier kriegen alle ihr Fett weg: Männer, Frauen, Lovers, Protegés. Alle werden umerzogen. Die pädagogischen Maßnahmen werden von rheumatischen Beats untermalt und von chansonesken Lyrics, in denen Kate immer natürlich-krampfhaft ihren französischen Akzent zu verstecken sucht, dominiert. Mal gibt sie sich hermetisch, dann wieder zerbrechlich und verletzlich oder schillernd, sexy und fordernd. Das Stück ist eine geschickte Chantage des Dancefloor. Hält aber gleichzeitig auch als treuer Begleiter durch die Nacht her, der einem nicht auf die Füße kotzt. Vor allem aber ist die Platte eine effektive Psychotherapie, die sich an alle von der Männerwelt eingeschüchterten Mädchen richtet. Und das natürlich auf pinkfarbenem Sofa. ”You scream and shout every day.“ Das mache ich schon die ganze Zeit. ”Get rid of all you always say.” Mach’ ich auch. ”But say is nothing it doesn’t change.” Nichts Neues. ”It’ll be the same the following day.” Ja, is’ klar … Und erst wenn man von der neonleuchtenden Couch aufsteht, merkt man, dass einem das Küchenmesser im Rücken steckt.

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Elektronische Lebensaspekte.