Die Pianokünstler reden über den anderen und präsentieren ihre wichtigsten Klavierplatten.
Text: Thaddeus Hermann aus De:Bug 126


Goldmund über Hauschka

Das erste Mal habe ich Volker in Düsseldorf getroffen, bei einem seiner Festivals. Ich habe selten einen so freundlichen Menschen kennen gelernt. Gleichzeitig finde ich seine Musik und seine Ideen sehr inspirierend. Wenn jemand mit präparierten Pianos arbeitet, klingen die Resultate oft einfach nur wie Neuinterpretationen von Cages Arbeiten aus den 50ern, aber Hauschkas Musik ist einzigartig. Er kennt sich einfach wahnsinnig gut aus, sowohl in der Klassik als auch in zeitgenössischer Musik und sein Blick ist immer nach vorne gerichtet anstatt auf das Recyceln alter Hüte. Sehr beeindruckt haben mich auch die Konzerte, die ich von ihm gesehen habe. Er improvisiert alles auf der Bühne. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig das ist. Beim Publikum kommt das ausgesprochen gut an. Sowohl Volker als auch die Konzertbesucher haben einfach viel Spaß, was auch sehr ungewöhnlich bei Klavierkonzerten ist.

Top 5 – Goldmund

1. Howard Skempton/John Tilbury- Well, Well Cornelius
(Sony Classical)
Diese Aufnahme kannte ich schon lange, bevor ich selber angefangen habe Klavier zu spielen. EInfach unfassbar gut und viel zu wenige Menschen kennen diese Platte. Sensationelle Kompositionen von Skempton, hervorragend gespielt und interpretiert von Tilbury. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen, ist Skempton weniger atonal und vielmehr in klassischen Harmonien verwurzelt. Gleichzeitig sind die Stücke experimentell, aber doch sehr einladend.

2. Johann Sebastian Bach – Organ Sonatas (Bach 2000 box set, vol. 8, cd 4)
OK, kein wirkliches Klavier-Album, aber Bach ist mein absoluter Lieblings-Komponist und diese Sammlung beinhaltet die besten Interpretationen seiner Klaviersonaten, die ich bislang kenne. Die Aufnahmen sind wunderschön und Ton Koopman spielt grandios. Ich habe Stunden damit verbracht, die Stücke auswendig zu lernen, nur durch Hören. Das finde ich viel spannender als die Partitur zu lesen.

3. Felix Mendelssohn-Bartholdy – Songs without Words Op.62
(EMI Classics)
Was soll ich sagen, einfach toll! Kein Wunder, dass er großer Bach-Fan war. Seine Kompositionen brechen mir immer wieder das Herz. Einer der besten Klavier-Komponisten aller Zeiten.

4. Bill Carrothers – The Blues and the Greys
(Bridge Boy)
Hier ein ganz ausgezeichneter Jazz-Pianist, den auch viel zu wenige Leute kennen. Dabei veröffentlicht er locker zwei Alben pro Jahr. Er kommt aus Minnesota. Er hat einen sehr eigenen, ausgeprägten Stil und auf dieser Platte interpretiert er Traditionals aus der Ära des amerikanischen Bürgerkriegs. Zusammen mit Kevin Burns war Carrothers eine große Inspiration für mein erstes Album, Corduroy Road.

5. Thomas Newman – White Oleander
(Colloseum)
Newmans Musik fand ich schon toll, bevor ich überhaupt wusste, wer er ist. Dann hab ich die ganzen Filme gesehen: American Beauty, Shawshank Redemption … “White Oleander” ist einer meiner Lieblings-Soundtracks, weil er so ambient ist. Der Film hat mich übrigens nie interessiert. Auch wenn seine Soundtracks immer auf dem Piano aufbauen und irgendwie ein wenig gleich klingen, hat er für sich selber einen ganz eigenen Sound entwickelt. Ich krieg da Gänsehaut. Außerdem habe ich durch seine Aufnahmen eine Menge darüber gelernt, wie man Räume einsetzt.

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Hauschka über Goldmund

Ich hörte das erste Mal von Keiths Projekt Goldmund in einer Review zu meinem eigenen Release “Substantial” und habe ihn dann im Internet recherchiert.
Seine Musik hinterließ sofort einen starken Eindruck bei mir, sodass ich Keith zum ersten Approximation-Klavier-Festival im Düsseldorfer Salon des Amateurs einlud. Er kam mit seinem Zwillingsbruder und die beiden spielten ein tolles Konzert. Ein weiteres Mal trafen wir uns in Boston. Wir sind zusammen in einen tollen Plattenladen gegangen und haben uns gegenseitig Musik empfohlen. Zeit mit jemandem zu verbringen, erhebt sich meist über den rein musikalischen Austausch und ich fühlte mich in den Tagen in Boston durch seine Anwesenheit bereichert. Seine Klaviermusik, aber auch seine Musik als Helios ist für mich nur ein kleiner Ausdruck seiner musikalischen Vielfalt. Es scheint, als sei die Musik nur ein Kanal für einen großen inneren Reichtum, und es ist schön jemanden zu kennen, der diese Gabe hat und gleichzeitig entspannt und freundlich ist. Ich glaube, dass wir uns immer wieder begegnen werden.

Top 5 – Hauschka

1.
Sven Kacirek – The Palmin Sessions (Pingipung)
Diese CD ist super.

2.
Steve Reich – Different Trains (Nonsuch)
Wundervolle Komposition!

3.
Sylvain Chauveau- Nuage (Type)
Sylvains CD “Une autre decembre” war für mich eine wichtige CD. Ich mag aber ganz besonders seine Musik für Orchester.

4.
Mapstation/Paul Wirkus – Forest Full of Drums (Staubgold)
Ich finde die Idee, mit Sounds in der Natur zu arbeiten, großartig. Dabei muss man noch den Film darüber sehen, wie die CD entstand.

5.
Tom Brosseau – Cavalier (Fat Cat)
Tom traf ich im letzten Jahr bei einer USA-Tour. Er ist ein sehr netter Mensch und ein toller Songwriter.

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Elektronische Lebensaspekte.