In London wird aus Grime gerade Grim. Das kleine Label “Werk” ist dafür verantwortlich. Auf der Maxi-Serie “Grim Dubs” wird nur das Nötigste des letzten Hypes in die neuen Tracks gerettet.
Text: Multipara aus De:Bug 93

Weg mit dem E
Grim Dubs

Po-Ski haben die Nase voll von Genrezuschreibungen. Als die beiden DJs Ende 2002 eine monatliche Partyreihe in einem Pub in Camberwell aufzogen, ging es ihnen einfach nur darum, etwas verdrehte Musik präsentieren zu können, zu der man auch tanzen konnte – wo nicht nur Jungs vor einem Laptop herumstanden. Mit der Zeit fingen sie an, eigene Tracks zu produzieren, und vor einem Jahr erschien dann die erste “Werk”, eine Vinylcompilation. Einer der beiden Po-Skis, Darren Cunningham, schob eine EP seines Soloprojekts Actress nach und mit dem dritten Release machten Werk dann im April das große Fass auf: Grim Dubs. “Wir haben keine Ahnung, was eine Grime-Platte sein soll”, sagen die beiden und erfinden kurzerhand ihr eigenes Genre, das keines ist. Das Konzept: eine 12″-Serie, schöne fette Pressung in einfacher Hülle, ein Stück pro Seite. Von wem die Stücke stammen, bleibt vorerst ein Geheimnis: “Tracks kommen von neuen Produzenten, die wir ausprobieren, von uns selbst, von Typen, die lebenslänglich im Knast sitzen, von einer Horde Zwergen aus Russland.” Möglich ist dabei offenbar alles, was sich in London grade um monströse Bässe wickeln lässt – und zwar gleichzeitig. Das Korsett “Grime” ist den beiden dabei zu eng: “Wir sind schon eine Weile involviert in Brixtoner Gemeindeprojekte, zuerst mit einem DJ-Workshop. Dann wollte Darren einen mobilen Youth Music Workshop gründen, setzte sich ein Jahr hin und erstellte einen Businessplan und konnte eine örtliche Kunstkommission überzeugen, Geld für ein Gemeindeprojekt herzugeben. Darren ist schwarz, und es frustrierte ihn, dass so wenig schwarze Kids in den Clubs zu sehen waren. Grime hat das zwar geändert, aber das ist halt schon wieder eine eigene Szene. Jetzt arbeitet er mit Kids aus Peckham, an die man schwer rankommt, aus kaputten Familien, die zum Teil mit Waffen oder Drogen zu tun hatten … produziert mit ihnen und ermutigt sie, ihre eigene Stimme zu finden, gibt ihnen Sachen zu hören wie 3MBs ‘Jazz is the teacher’ oder Anthony Shakirs Sachen auf Metroplex. Die Kids sind technisch nicht versiert, aber sie wissen, was sie wollen. Im Moment basteln sie an einem Sound, den sie ‘Peckno’ nennen. It’s all good.” Das finden wir auch.

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Elektronische Lebensaspekte.