Wenns dunkel grummelt und man irgendwie an Ennio Morricone denken muss zwischen zwei Breakbeats, dann dürfte es Dubstep sein. Das Genre, das sich aus 2Step entwickelt hat, ist in London mindestens so vital wie Grime. Damit wir das auch jenseits der Insel begreifen, erklärt uns der UK-Journalist Martin Clark aus allernächster Nähe, wie die Pflanze gewachsen ist und sich verästelt hat.
Text: Martin Clark aus De:Bug 101


Die Wurzeln von Dubstep? London, Mitte der 90er, würde ich sagen. House war immer populär, Hardcore war um 1992 zu Jungle mutiert und 1995 dann begann UK Garage im Untergrund zu rumoren. Um die Jahrtausendwende war 2Step der wichtigste Garagesound in London, vor allem, weil er die 4/4 in die Wüste schickte und sich eher am R’N’B orientierte.
Gleichzeitig, 1999 etwa, begannen die Produzenten El-B, der erst bei Groove Chronicles war und dann bei Ghost, und Steve Gurley, der früher bei Foul Play Jungle gemacht hatte, die darken Basslines von Drum and Bass mit den lockeren Beats von 2Step zu kombinieren. Das war die Geburtsstunde von Dubstep.

Das spielte sich damals vor allem in Croydon ab, wo sich Produzenten und DJs geradezu stapelten. Der Plattenladen “Big Apple” war der Dreh- und Angelpunkt der neuen Szene. DJ Hatcha oder aber Jon, der Chef von Big Apple, und die Produzenten Artwork und Menta hingen ständig im Laden. Skream und Benga tasteten sich damals langsam an diesen neuen Sound heran und auch Horsepower war damals schon in Croydon.

2001 gab es dann die erste Party-Serie. Die Ammunition-Crew startete die “Forward>>”-Abende und launchte die Labels Soulja, Tempa und Shelfife. Die “Forward>>”- Parties waren wichtig, weil die Protagonisten der Szene nun eine Plattform hatten, um ihren Sound abseits der verkrusteten Garage-Szene zu entwickeln. Breakbeat Garage (gepusht von DJ Zincs Label Bingo und Oris Jays Texture), frühe Grime-Tracks (vor allem von Slimzee, der damals noch bei “Pay As You Go Cartel” war) und Broken Beat (Landslide) vermischten sich und wurden von eine Multikulti-Crowd dankbar angenommen. Die Leute ließen sich alles auftischen und DJ Hatcha kreierte Dubstep.

In den folgenden Jahren zerbrach in London einiges. 2Step wurde immer unwichtiger, die Garage-Szene diversifizierte sich immer weiter, Grime wurde groß und beschritt neue Wege und auch Dubstep wuchs zur eigenständigen Szene. Bengas und Skreams darke, minimale Produktionen drückten Dubstep einen neuen, sehr elektronischen Stempel auf.

2005 dann die Explosion, der Hype. Neue Leute wie Digital Mystikz, Kode 9 und Loefah gaben mit ihren Produktionen neue Impulse. Darkness war ab sofort nur noch eine Variante, plötzlich war die Devise: anything goes. Digital Mystikz’ und Loefahs DMZ-Parties zogen große Crowds an und tauschten den Bass-Fokus mit unendlicher Energie. DJ Youngsta war der wichtigste Halfstep-Pionier und Skream merged Grime mit Dubstep.

Mittlerweile ist Dubstep längst nicht mehr ein Phänomen, das auf London begrenzt ist. Bristol brummt, hat seine eigenen Produzenten (Vex’d und DJ Pinch) und die “Subloaded”-Parties. In den Staaten hat sich Joe Nice etabliert und die BBC pumpt den Sound durchs ganze Land.
Es ist wie die Ursuppe. Aber eins ist klar. Wenn sich neue Subgenres aus den internationalen Einflüssen herausschälen, dann werden sie nach wie vor in Südlondon gebrandet.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.