Ein Kanadischer Eskimo am Rhein. Sheldon Thompson aka Gringo Grinder oder Pan/Tone unter der Lupe.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 83

Ein Eskimo am Rhein
Pan/Tone

Verlier niemals dein Passwort für deine Webseite. Sonst denken hinterher Leute, du wärst ein Matador aus Kanada, und rufen den WWF, um dich aus Köln, deiner geliebten Exilstadt mit all deinen Freunden von Areal, Substatic und Onitor zu vertreiben, weil du den letzten lebenden Bullen des Grüngürtels der Domstadt killen könntest. Mr. Shelbono Del Monte, Sheldon Thompson, Pan/Tone, Sid Le Rock oder Gringo Grinder, wie er unter anderem für das erste seiner drei Alben heißt, die diesen Sommer erscheinen, ruft sogar Björn von Textone in einer Whiskey-Seance an, um nicht eines Tages als Roadkill auf den eisigen Straßen von Kanada neben einem schnurrenden Elch zu landen. Ja, aus dem Matador wurde sogar ein Gringo Grinder. Offiziell, um als Rache das schlechte Gewissen heimzusuchen. Dabei lieben die Kanadier ihre verlorenen Söhne wie Fairley, Caulfield usw., auch wenn sie ihnen mit Rockno drohen. Aber ein Job in einer Finanzfirma oder an der Bar (“Das Einzige, was du da tun kannst, um zu überleben.”) lockt einfach keinen vom Rhein weg.
Shelbonos Lebensgeschichte vor der großen Bassdrum? “Ich bin ein stolzer Indianer mit einem Schuss französischer Güte. Mein Vater zog immer quer durch Northern Ontario und meine Mutter war eine Salontänzerin. Bis sie ihr linkes Bein im Krieg gegen Amerika verlor. Sie haben all unsere Eisbären gestohlen, Bastarde! Also gingen wir runter und brachten ihnen Hockey bei, um sie abzulenken, und holten unsere armen kleinen Polarbärenbabys wieder zurück. Nahezu alle. Aber die Eskimos hatten kaum eine Chance bei all dem heißen Wetter.” Verwirrt? Ich auch.
Sheldon jedenfalls landete zufällig in Köln und liebt den sexuellen Subtext, den Charme, die Verführung an Rock, Post Rock und Pop. “Ich würde gerne Musik für Frauen machen. Techno braucht mehr weibliche Überredungskunst, damit man sich dafür interessieren kann. Wir brauchen mehr Produzentinnen, es gibt einfach zu viele Würste.” Microhouse und Kanada, das ist längst vorbei. Als Sheldon allerdings mit dem halb fertigen “Breakfast Included”-Album, eine Aphotheose erster Begegnungen morgens auf den Kissen im Hotelzimmerbett, in Kanada landete, kam das Eis zurück, und aus einem Rockprojekt wurde mithilfe der Vocals von Ada, Amy Fletcher und Sid LeRock (der übrigens bald ein Album für Mute macht) doch wieder ein kanadisch feinteiliges Glitzerparadies daraus. Glam-Techno voller Facetten. Und das liebt er, wie das verlorene Kind, das sein vor über einem Jahr entstandenes Pan/Tone-Album für BipHop sein wird, wenn es mit all seinen Remixen dann eines Tages erscheint. Das Jahr des Gringo Grinders kann kommen, die Arena ist ja längst eröffnet. Fehlt eigentlich nur noch der Sommer und ein Kübel Eiswürfel für die Whiskeyflasche, damit den Eskimos Köln nicht zu heiß wird.

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Elektronische Lebensaspekte.