Text: Sascha Kösch aus De:Bug 24

HIER PASSEND ZUM TITEL UND IN ERMANGELUNG EINES FOTOS DAS GUNEGLIGUNG LOGO TIFF EINSETZEN. WIE BEI FUCKY. MAEDCHEN AUF SCHAUKEL, EBEN. Gungeligung, Anonym und Wack Warum will man eigentlich niemals wissen, was Studiotypen so in ihren Studios treiben? Warum möchte man gar nicht dabei sein, in denSchlüsselmomenten der Mediengenerationen, den Momenten der großen Umwälzungen unserer Zeit? Weil es einfach stinklangweilig ist. Ein Mensch, ein Computer, mit Glück ein nettes Interface und ein paar freundliche Augen, die auf einen Bildschirm oder ähnliches blicken, als hätten sie Gott gesehen. Nunja. Bei den Gungs, wie man Tony Senghore und Martin Venetjoki nach ihrem Label Gungeligung nennt, was, wie das Logo bezeugen kann, Schaukel auf schwedisch heißt, und verflucht schnell zu einem der eigenen Lieblingsworte werden kann, auch wenn man die Musik noch nicht kennt, ist alles anders. Da krümeln sich in großen Momenten zwei halbe Exilschweden auf englischen Teppichen zwischen Kabeln, Codewarrior CD’s und einem Haufen Comics und lachen sich tot. Warum, weil sie grade wieder einen ihrer Tracks gemacht haben, und die sind eben einfach albern. Gungeligung vertritt wie kaum ein anderes Label auf dieser Welt die Idee, daß Housemusik nur dann wirklich etwas für sie ist, wenn jedes Kleinkind sie verstehen und darüber lachen kann. Infantilismus mit Methode. Doch zuerst, weil wir alle ja Ordnung lieben, zurück zu den Akten. In einem Alter, in dem andere noch versuchen, die Geheimnisse des Bartwuchses zu ergründen, und erstaunlich merkwürdige Mythologien der Geschlechterdifferenzen aufstellen, machte Tony schon seine ersten Tracks. 12 war er, oder 13. Wer soll das wissen. Mit Martin releaste er seinen ersten Track vor 5 Jahren. Beide damals 15. Liebe war nicht wichtig. Obsession hieß das Ding, und die Obsession war Musik und Boote stehlen, unter den Augen der Security und ihrer Hunde, auf die nächstbeste Insel fahren, um dort Partys zu veranstalten. Idyllisch, gell? Dann zog Tony Senghore aus Schweden und von Martin Venetjoki weg. Damit begann der ganze Ärger. Er hatte bei einer Spieleproduktionsfirma Namens Team 17 angefangen, nachdem sein Pinball ??? Spiel ihn in Spielekreisen zu einem Guru der virtuellen Pinball Welt gemacht hatte, und begann alberne Figuren zu kreieren, die Klassiker wie Worms und einiges andere bevölkern sollten. Martin Venejoki begann zu dieser Zeit ein Soundengineeringstudium in Orebro und begann, verdrehte Cartoons und Bilder zu malen. Senghore gründete das Label Anonym und sorgte damit für Wirbel in der damals (96) noch recht rigiden Housewelt der Präfranzosen Ära. Lustige Housetracks. Oh jeh, war Herbert denn nicht schon genug? Die Deephouse-Fraktion, sofern sie es mitbekam, war erschüttert. Die, die Wildpitch zur Spitze der Housemusik machen wollten, wussten überhaupt nicht, was los war, auch wenn Tony zur Besänftigung ein paar Tracks für Strictly Rhythm und Peacefrog machte. Und ausserdem Schweden, seit wann dürfen die House machen? Alberne Samples, kickende Beats, aber trotzdem weder Chicago- noch der übliche Funhouse- Ibizadiscosound, sondern grundsolide und sehr ernstzunehmende alberne Musik mit einem Overload an Samples und abseitigen Ideen. Spaß haben im Club, nicht nur durch Drogen, sondern auch noch wegen der Musik, das war einfach unvorstellbar. Aber auf einmal wahr. Unaufhaltsam kam eine Anonym nach der anderen raus, Tony Senghore bildete mit Martin Venetjoki die Supergroup La Cienda Honduras, nahm erste Tracks mit Paul Woolford auf, französische Housemusik überflutete die Clubs, die Discowelle war erneut ausgebrochen. Die Zeit war reif für Gungeligung, und wir alle lernten mit großartigen Songtiteln wie “Pelle hos polisen”, “Festen kommer hem” und “Go Natt Sandviken” unsere ersten Brocken Schulbuchschwedisch, woraufhin Schweden begannen, an der authentischen Herkunft von Schweden zu zweifeln. Aber auf den Partys lagen sich nicht mehr nur alle in den Armen, sondern auch der Ruf wurde immer lauter: Wer sind diese komischen Schweden, von denen alle reden? Mittlerweile auf drei Label gewachsen (Wack, das neuste als Tribute an Booty House verstanden, das grade dieses Jahr, wo die Releases immer weniger werden, Dance Mania, Relief und alle anderen Label nahezu am Boden liegen, weil das Genre einfach immer zusehr allein auf den Chicago Effekt gebaut hat, eine heimliche Renaissance erlebt, weil es so vielen einfach fehlt) ist das Imperium der Exilschweden langsam sicher. Hinter allen steckt Tony Senghore, mal mit Paul Woolford (für Wack) mal mit Martin Venetjoki (bei Gungeligung) und mal mit sich allein. Er fasst die Labelphilosophie ungefähr so zusammen: “Ich sehe überall Leute, die sich die ganze Zeit viel zu ernst nehmen. Da knirschen mir die Zähne. Wir versuchen, den DJ’s andere Tools zu geben, um damit die Monotonie zu brechen. Wir benehmen uns einfach wie Kinder, die zum ersten Mal ein Instrument in die Hand bekommen. Martin und ich kennen uns halt auch schon seit unserer Kindheit und machen ziemlich häufig Tracks, die uns an Dinge erinnern, die damals in Schweden passiert sind, als wir klein waren. Trotzdem passen wir in die schwedische Houseszene nicht so wirklich hinein. Ich liebe zwar Label wie Svek, die die schwedische Flagge hochhalten, und halte Cari Lekebush definitiv für einen der funkigsten Bastards dieser Erde, aber wir sind einfach längst nicht so minimal, wie der Rest gerne gesehen wird.” Mittlerweile hat die Arbeit für die Musik so zugenommen, daß Tony wohl die Bühne der Spieleprogrammierer verlassen wird, was man finanztechnisch als Selbstmord bezeichnen müsste. Aber nachdem seine Label endlich so funktionieren, wie er es sich immer vorgestellt hat, kann es ja vielleicht klappen. Und ausserdem: Der Unterschied zwischen einem Spiel, das man als 12″ auflegen kann, und dem, was man auf den Rechner laden muß, ist so groß nun auch nicht mehr. “Es macht zwar viel Spaß Spiele zu programmieren, aber es ist vor allem auch extrem stressig. Ich werde wohl aus dem Business diesen Sommer aussteigen. Meine Musik passte dort eh nicht wirklich hinein, ausser vielleicht bei einem gelegentlichen Introtrack”. Dann doch lieber Phantasmen auslegen, sich wie ein Kleinkind benehmen, die Flagge der ewigen Albernheiten hochhalten, und vor allem: keine Blutklöße von Fremden annehmen.

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Elektronische Lebensaspekte.