Mit der Verbindung zwischen HipHop und Jazz lässt Guru via "Jazzmatazz" die Puppen tanzen. Die Weiterentwicklung des HipHop mittels Massenappeal, Simplizität und Bodenforschung. Vormals und noch immer bei Gang Starr MC, inzwischen professioneller Prophet des Straßenherzens.
Text: clara völker aus De:Bug 45

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Die Seele des Pflasters
Guru

Guru gilt unter anderem durch seinen prägnanten Rapstil mit hohem Wiedererkennungswert als unanfechtbare Größe des HipHop. Er ist MC des legendären Duos Gang Starr, dessen andere Hälfte der charismatische Produzent DJ Premier ist, und sucht mit seiner Serie “Jazzmatazz” nach der Verbindung zwischen den Inspirationsquellen Jazz, R’n’B, Soul und eben HipHop. Die findet er auch, und bewegt unter anderem seine vorherigen Vorbilder sowie hauptsächlich aktuelle Akteure zum Mitwirken an dieser Reihe, die soeben in die dritte Runde gegangen ist. Auf der “Jazzmatazz Streetsoul Episode” singen sich illustre Gäste des Soul und R’n’B Spektrums (wie Erykah Badu, Craig David, Macy Gray, Isaac Hayes), sowie akustisch ein paar Produzenten (wie The Roots, The Neptunes, natürlich Premier etc.) die Seele aus dem Leib, unterbrochen von Gurus rauhen Rapeinlagen. “Jazzmatazz muss nicht notwendigerweise eine Menge Jazz beinhalten. Das Konzept gründet sich auf Fusion, auf das Vermischen von HipHop mit anderen Elementen. Ursprünglich ging es darum, mit all den älteren Jazzern, die man gesampelt hatte, zusammenzuarbeiten. Gangstarr kam zu der Zeit auf das HipHop Feld, als alle James Brown und 70´er Funk sampelten. Leute wie Premier, Large Professor, Q-Tip, Pete Rock, also Typen, die gleichzeitig Produzenten und DJs waren. Beim Cratediggin´ Jazz fanden sie Platten und ließen diese mit HipHop verschmelzen, jedoch nicht um Jazz-HipHop oder HipHop-Jazz zu machen, sondern einfach, um HipHop zu machen. HipHop umschließt alle Musikformen, die es davor gab”, sagt Guru in einer Geschichtsstunde aka Pressekonferenz gesponsort von Lucky Strike.

Ruhe bitte, der Guru spricht

“Alle Mitwirkenden auf Streetsoul sind Leute, mit denen ich schon immer mal arbeiten wollte, auf die ich im Business treffe, Nummern austausche etc. Dieses Album könnte auch ‘Guru und Freunde’ heißen, weil wir uns alle gegenseitig schätzen, was eine Menge vom Druck nimmt.” So ist Guru dann zu allen hingereist, um die Platte unter Dach und Fach zu bringen. Er schrieb sich zuvor eine Liste der potentiellen Teilnehmer, die er von den Managern und Rechtsanwälten abchecken ließ, gab dann jedem Künstler auch immer bloß einen Track, auf den sie direkt alle voll geflasht waren. Es passte perfekt. Das war Guru wichtig, dass sich alle bei dem Projekt wohl fühlen und es keine reine Geschäftssache wird. Ein hohes Maß an Professionalität. Dennoch, so Guru, sei die Verbindung von HipHop mit anderen Genres problematisch, um zum Beispiel im Radio gespielt zu werden, da die Leute es nicht eindeutig einordnen könnten. “HipHop geht heute in so viele verschiedene Richtungen und ist sehr kommerziell, eine Milliardenindustrie. Jazzmatazz ist für mich immer noch Underground. Als ich mit dem Projekt angefangen habe, meinten viele Kritiker, dass ich versuchen würde, sell-out zu gehen. Dabei habe ich nur versucht, die Musik auf ein neues Level zu bringen.” Mit diesem Projekt fühlt er sich seiner Zeit voraus. Es öffnet Türen, denn “es ist gut, wenn sich Künstler nach verschiedenen Formaten und Richtungen innerhalb der Musik umsehen, weil es die Sache bereichert”, zum Beispiel die Monopollage der Radioplaylists beeinflusst und damit verschiedene Köpfe erreicht. Die Basis für das Ganze ist jedoch noch immer Gang Starr. Da macht das Zusammenarbeiten auch ein bisschen mehr Spaß.
Es ist lockerer und daher leichter, denn Premier und Guru machen sich keinen Stress und inspirieren sich gegenseitig in der Themen- und Scratchvorlagenwahl. Bei Jazzmatazz kommt Guru ab und an ganz schön ins Schwitzen, die Zusammenarbeit mit erfahrenen Musikern ist allerdings in zweierlei Hinsicht sehr lehrreich. Zum einen was die Musik betrifft: “Ich habe gelernt, dass ein Fehler auch richtig sein kann. Wenn es sich gut anfühlt, let it go, let it flow.” Und dass man ab und an aus der “kreativen Box”, in der man sich befindet, dem, was die Leute gewohnt sind, heraustreten sollte, um die Sachen fresh und neu zu belassen. Andererseits “… haben sie mir neben Musik auch eine Menge über das Leben beigebracht. Die Sache ist die, dass Leute dich an deiner Arbeit messen. Man muss zentriert und in Harmonie mit sich selber bleiben, die verschiedenen Rollen, die man spielt, abwägen. Das Leben ausbalancieren können.” Denn “… du kannst dich durch Negativität um dich herum nicht konsumieren lassen.” So wird Guru inspiriert, in welche Richtung er weiterhin arbeiten will. Genauso möchte er auch seine Hörer beeinflussen: “Ich will all das Wissen und die Weisheit, die ich habe, weitergeben. Das ist es worum´s geht. Wenn man Sachen weiß und sie für sich selbst behält, wozu sind die dann gut?” Also streut Guru weiterhin mit der notwendigen Straßenverbindung Herz, Seele und Realität des Pflasters in simplen Reimen unter die ständig wachsende Hörerschaft.

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Elektronische Lebensaspekte.