Text: Sascha Kösch aus De:Bug 26

Das Medium ist etwas, das keiner so richtig versteht. Wenn man Philosophen von deutschen Universitäten zuhört, was man ja ab und an mal macht, fällt genau das auf: Sie wissen nicht, was sie mit “Medium” meinen. Medium ist ein beliebter Begriff, weil er die Schwammigkeit besser aufzusaugen scheint als alle anderen. Schön. So müssen Begriffe sein, wenn man sich richtigen Medien zuwenden will, wie zum Beispiel der 7″. Hier ist nämlich alles klar. Das ist gut. 7″es haben den Ruf, klein zu sein, niedlich, billig (siehe das Interview mit Frau Vera), gehen schnell, zirkulieren gut, kommen immer an, und sind auch noch “immer Hits”. Die 7″ ist also folglich die bestfunktionierendste Kommunikationsmittel auf der Erde. Perfekt für die Lösung aller möglichen Fragen. Hal 9000, das Frankfurter Label von Falk ist schon bei Nummer 11 angelangt. Mit Unterstützung von ein paar Freunden: Horus, Rajko Müller, Daniel Tippmann, Bodo Elsel mit dem Falk auch schon Tracks für Lo-fi gemacht hat, Sylvie Marks, mad-net.de und Groovemann C-rock. Immer in netten Plastikhüllen und kopiertem Cover mit gelegentlichen Gedichten (“Auf die ersten drei möchte ich nicht eingehen, die habe ich in eher schwierigen Lebenslagen geschrieben, manchmal sind es einfach die Texte, die in den Liedern vorkommen, auf der sechsten eins von Bodo”), und stellenweise kryptischem Layout, flattern die HAL9000 Singles immer rein wie von einem sehr, sehr weiten Draussen, in dem HAL9000 verlassen und abgeschaltet, seit Jahrzehnten seine Kreise zieht. AI’s werden nicht einsam. Weshalb sie vermutlich auch Singles hören würden. Falk verliess Mitte der 80er das schöne Rostock auf damals noch ungepflasterten Wegen, um in Frankfurt zu einer Zeit zu landen, als die Single schon so gut wie ausgestorben war. Dort lernte er irgendwann Bodo kennen, machte mit und für ihn auf dem Pool der “3ten Generation Frankfurts”, dem sensationellen Label Zehnkampf Tracks, und schuf sich mit Hal9000, nachdem er 2001 in der Uni beim Kulturwissenschaftsstudium als den zentralen Punkt der Beziehung zwischen Mensch und Maschine kennengelernt hatte, seine eigene Platform für Releases von sich und seinen Freunden. “Hal 9000 ist das lauteste 7″-Label auf dem Markt. Und für mich ein Weg, keiner ‘Kontrolle’ zu unterliegen, da man schnell das machen kann was man will. Hal9000 ist komplettes Homework.” Man soll nie wissen, wer hinter diesem blinkenden Auge des Zentralrechners steht. Warum auch? Und so kommen alle Releases zwar gelegentlich mit Texten, aber nie mit Angaben, wer nun was getan hat, damit diese Single in limitierter Auflage durch eine handvoll Läden und eine handvoll Freunde zirkuliert. Hal funktioniert als Label so, dass es, wie sein großer Bruder irgendwo in Saturnnähe, alles selber machen kann. Vertrieb, Musik, Ideen. “Das blinkende Auge … Es ist wie eine Art Altar. Die Stelle, die auf alles eine Antwort weiss. Die sich nicht irrt. ” hal 9000/12 und 13 sind fertig und werden Ende August / Mitte September kommen

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Elektronische Lebensaspekte.