Konsumfeinschmecker am Apparat
Text: Anton Waldt aus De:Bug 120

Was wohl der Unterschied zwischen “Electric Black” und “Hypnotic Black” sein mag? Der japanisch-schwedische Konzern SonyEricsson erteilt seinen US-Kunden gerade eine angewandte Lehre in Sachen Handy-Gourmet-Kultur. Denn während das “Walkman-Handy W350i” hierzulande nur im elektrischen Schwarz auf den Markt kommen soll, werden die sprichwörtlichen US-Konsumenten dazu angehalten, sich auch in der Krise zivilisiert zu benehmen, und dazu gehört aus japanischer Sicht nun mal auch ein Handy in “Ultimate Orange” oder “Sunny Pink”.

Konsumkultur auf höchstem Niveau, so ein Telefon in “Venus Gold” oder “Urban Black”. Da fragt man sich natürlich: Warum bekommt ein Handy, das in “Cocktail Gold” schimmert, einen schnöden Namen wie “P904i”? Das liegt wohl daran, dass Japaner sich beim Erwerb eines Mobiltelefons gerne poetischen Anwandlungen hingeben und sich gleichzeitig ganz schrecklich vor einem Gesichtsverlust fürchten: In aller Öffentlichkeit losheulen, weil “Pink and Butterfly” so aufwühlt, wäre aber auch echt peinlich.

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Modelle in Farben wie “Daylight Blue”, “Wine Chocolate” oder “Platinum and Frost” bekommen daher immer furztrockene, nichtssagende Namen, so wird das Gleichgewicht zwischen Emotion und Technik fein austariert. US-Konsumenten sollten demnach gut abwägen, ob sie ein W350i in “Electric Black” oder “Hypnotic Black” shoppen. Und zwar ohne Genöle über das japanische Marketing, denn das liebt die Amerikaner und will ihnen keineswegs mutwillig Kaufkopfschmerzen bereiten. Dann hätten sie nämlich “Asphalt and Hairline” und “Premium Dark” zur Auswahl gestellt.

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Elektronische Lebensaspekte.

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