Neben der ganzen Bande um Andreas Tilliander und das Mitek-Label, überraschen in Schweden auch Menschen wie Hans Appleqvist mit wunderbaren, kleinen Elektronikaschnuppseleien.
Text: René Margraff aus De:Bug 61

Elektronika

Midsommarindietronics
Hans Appelqvist

Nach einer 10″ auf dem Minilabel Mjäll veröffentlicht der in Malmö lebende Hans Appelqvist gerade sein erstes Album bei Komplott, einem Label, das schon die großartigen Figurera und Komp Platten veröffentlicht hat. Bei Hans Appelqvist denkt man sofort “Konzeptalbum”, ohne es überhaupt eingelegt zu haben, denn unter den großen “Tonefilm”-Lettern ist ein Kinosaal zu sehen. Etwas karg und alt sieht er aus, kein Multiplex-Kino, soviel ist klar. Ein nostalgisch wirkendes Bild, passenderweise heißt ein Stück auf “Tonefilm” auch “Grammofonnummer”.

Die Musik dazu ist tatsächlich voller Filmprojektorengeratter, schwedischen Sprachsamples, Kritzelbitzelbeats und Akustikgitarren. Unbeholfen sage ich mal, dass man sich diese Platte gleich zur letzten Wechsel Garland und Fourtet direkt über die Soundtracks ins Regal stellen kann, Folktronics für Cineasten? Nun, ich stelle mir schon vor, wie Hans aus dem alten Kino am Eck zurück kommt, eine Schelllackplatte auflegt und dann die Antworten auf meine Fragen erstmal mit Stift auf Papier bannt, bevor er mir antwortet…

Debug: Wo kommen die ganzen Sprachsamples auf deiner CD her? Was für Filme sind das und von was handeln die Dialoge?
Hans: Die Stimmen auf dem Album haben verschiedene Quellen. Manche Dialoge habe ich selbst geschrieben und aufgenommen, andere kommen von alten schwedischen Filmen. Die Stimmen sind nie willkürlich dort wo ich sie eingesetzt habe, sondern haben alle ihre eigene Bedeutung. Ich hatte das Bedürfnis, meine Musik mit Worten anzureichern, etwas verbal auszudrücken als ich sie komponierte. Die Samples an sich haben auch alle verschiedene Inhalte, jeder Song hat sein eigenes Thema. Ein Beispiel: “Ser ni Lena jag ser Lena och Ola” ist ein Blick zurück in meine Kindheit, die Aufnahmen wurden damals von meiner Mutter gemacht. “Bakfylleoro” bedeutet soviel wie Hangover-Sorgen. Ein Paar streitet sich am Morgen nach einer Party über etwas, das sie gesagt hat.

Die Musik von Hans kommt ebenfalls eher melancholisch rüber, nicht depressiv, aber schon etwas nachdenklich, in runden Mollakkorden verbreiten sie etwas luftige Melancholie. Hej Hans, kannst Du das erklären?
Hans: Melancholisch? Warum das so ist, kann ich nicht beantworten. Ich mag das einfach. Ich bin gar keine traurige Person, im Gegenteil, ich würde behaupten, dass ich mich echt bemühe, immer das Gute in Allem zu sehen. Musik in Moll hat etwas, das Musik in Dur so oft fehlt. Etwas Feierliches und das schätze ich sehr.”

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Elektronische Lebensaspekte.