Macht Spaß. Sieht gut aus. Funktioniert erstaunlich gut. Und verbessert die Welt.
Text: Mercedes Bunz aus De:Bug 132


Hasso Plattner, Christoph Meinel, Ulrich Weinberg,
design Thinking. Innovation lernen – Ideenwelten öffnenmi-Wirtschafsbuch

Hasso Plattner ist in den USA über Design Thinking gestolpert. Jetzt hat er zusammen mit seinem Umfeld darüber ein Buch geschrieben. Erstmal kann man sich über dieses Buch freuen. Definitiv ist es an der Zeit, dass in Deutschland jemand “Design Thinking“ pusht. In den USA purzelt die von IDEO entwickelte Methode schon seit einiger Zeit durch die Presse – und das zu recht.

Design Thinking macht Spaß. Sieht gut aus. Funktioniert erstaunlich gut. Verbessert die Welt. Und ist erfolgreich. Gemeint ist damit der Ansatz, Problemlösungen nicht geradeaus, sondern als kreativer Querkopf anzugehen. Und das heißt, visuelle, gestalterische oder organisatorische Probleme nicht gradlinig, zielstrebig, engstirnig zu begreifen, sondern wildes Denken zu praktizieren. Man könnte auch sagen, erstmal das Problem auf den Kopf stellen, und zwar möglichst unkonventionell. Deshalb beginnt man damit, sich Platz zu lassen. Platz um zu beobachten, zu visualisieren, zu sammeln und herumzuspielen.

Es muss nicht immer gleich alles auf eine Lösung ausgerichtet sein, nein, mehr noch, bei Design Thinking darf es das nicht einmal. Design Thinking betont als Begriff weniger die Logik, sondern mehr die Kreativität, logisch, denn selten liegt das Neue ja einem direkt vor der Nase herum. Wenn man eine wirklich neue Lösung finden will, muss man Umwege machen. Und das heißt, Lösungen müssen mit Verwirrung beginnen, oft sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Tatsächlich treibt Hasso Plattner, der Gründer der Software-Schmiede SAP, das Projekt in Deutschland maximal nach vorne, denn neben dem Buch hat er in Potsdam gleich eine ganze Schule gegründet, die d-school, an der die Methode gelehrt wird – in lockerer Zusammenarbeit mit einem Schwesterninstitut in Stanford, auch von Plattner gestiftet. Auf der großen Fahrt von den USA hinüber zum deutschen Import ist natürlich allerhand passiert, klar. Erst einmal fehlt einem natürlich das Design bei dem Buch – es ist ein normales Buch und strengt sich in punkto Aussehen nicht besonders an.

Das sagt schon sehr viel. Auch wenn es eine gute erste Einführung ist, nimmt es doch dem Design Thinking ein wenig zu sehr seine Wildheit, Hipness und Sexyness und unterfüttert die Methode anstelle dessen mit Managersprache und Effektivitätsversprechen, einen Tick zu geradeaus eben. Trotzdem gut, dass es da ist, man muss ja mal einen Anfang machen. Wildes Denken ist eben viel schwieriger, als es aussieht.

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Elektronische Lebensaspekte.

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