Hinter dem Tresen stehen und Platten verkaufen ... das war der Anfang von Heidi van den Amstels Karriere. Aus Londons Phonica Shop ist sie mittlerweile durchgestartet in die Clubs der Welt. Get Physical hat dabei geholfen.
Text: Constantin aus De:Bug 107

Minimal

Heidi
Dreckiger als UK-Bräute

Dass sich Minimal in London als vorherrschende Musikform in den Clubs durchgesetzt hat und “German Techno” den Booking-Mainstream bestimmt, kann Heidi nur bestätigen. Seit vier Jahren arbeitet sie jetzt hinter der Theke bei Phonica Records, einem der besten Plattenläden Londons für diese Musik. Vom Minimal-Hype ist sie genervt. Da kann die sonst so charmante Heidi auch mal gereizt reagieren. “What the fuck do they mean?“, antwortet sie auf die standardisierten Fragen der italienischen Touristen nach dem letzten Schrei der Minimal-Szene. “Do they want House or Techno?“ Für sie ist Minimal nämlich nur eins: Techno. Trotzdem, ihre freischnäuzige Art und Weise und ihr immens großes Musikwissen hat Phonicas Ruf, der angesagteste und bestbestückte Plattenladen der britischen Hauptstadt zu sein, mehr als geholfen. Wer nach London zum Auflegen reist, schaut auf jeden Fall mal in der Poland Street in Soho vorbei. So auch die Jungs von M.A.N.D.Y., die dort auf Heidi aufmerksam geworden sind. Seitdem legt man zusammen auf, macht Parties in London. “Sie sind einfach die charmantesten Männer, die ich kenne. Sie sind sehr ehrlich und wahrhaftig, immer noch, auch nach ihrem Mega-Erfolg. Sie standen die ganze Zeit hinter mir und haben mich dazu gepusht, immer bessere Sachen zu machen.“

Als Get Physical sie bat, für ihre Monza-Club-Mix-CD einen eigenen Track beizusteuern, war sie begeistert. Als logische Fortsetzung aus Raven, Auflegen und Platten verkaufen hatte sie sofort viele Ideen im Kopf. Die Exil-Kanadierin ist aber kein Studiohase und bat ihren Freund um Hilfe. Zusammen mit Henry von der englischen Electro-Clash-Crew Riton, mit dem sie seit zwei Jahren zusammen ist, entstand so dann ihr erster Release “Vejer“, ein Chicago-House-Monster im Detroit-Reedit. “Es ist großartig. Henry ist superschnell und talentiert und macht verschiedenste Musik.“ Auf die Kritik, dass sie nur das hübsche Aushängeschild der Kombo ist, reagiert Heidi gelassen. “Ich bin keine Produzentin. Ich bin mehr ein Songwriter. Ich will gar nicht das Lob für die Produktion bekommen, weil ich es einfach nicht mache. Aber es ist wirklich einfach, Henry zu vermitteln, was ich will.“

Heidis musikalische Sozialisierung drückt sich in dem Track aus, ihre Liebe zu Chicago House und Detroit Techno ist klar spürbar. Aufgewachsen ist sie in Windsor in Kanada, war somit nur eine Rillenlänge von Detroit entfernt. Trotzdem kam sie erst spät zur elektronischen Musik. “Früher war ich begeistert von der englischen Indie-Szene, habe viele halluzinogene Drogen genommen. Als ich ein bisschen älter wurde, wurde mein Musikgeschmack etwas differenzierter, und nur 10 Minuten von Detroit weg zu wohnen, hat definitiv dazu beigetragen, dass ich begann, diese Musik zu lieben.“ Sie liebt diese alte Platten, die deep sind und Soul haben oder einfach mit dicken, dreckigen Basslines daherhüpfen. Den gesamten Abend über ein Minimal-Set zu spielen, würde sie langweilen, sie muss sich selber bewegen können, um die Crowd in Bann zu nehmen. Heidi ist angesteckt worden vom Produzieren und will zusammen mit Henry noch viel mehr machen. Am liebsten würde sie auf ihrem nächsten Release mit Vocals von DJ Funk oder DJ Rush arbeiten, eine Art Booty Bass auf 120 Bpm. Wem das gefällt, ist ihr egal. Englischen Frauen ihrer Meinung nach sowieso nicht. “Englische Frauen verstehen das nicht, es ist zu schnell und zu angespannt für sie. Sie können nicht dreckig genug sein.“

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Elektronische Lebensaspekte.