Das UK-Label Very Friendly lizenziert japanische Boredoms-Alben. Chefentscheider Darren Crawford erklärt, was sonst noch gut an dem Label ist.
Text: Erik Benndorf aus De:Bug 93

Her mit den kleinen Japanern
Very Friendly

Die im letzten Jahr wieder veröffentlichten Boredoms-Alben waren einer der Knüller schlechthin. Erwarten konnte das niemand, sind doch Lizenzierungen aus Japan nicht unbedingt an der Tagesordnung am europäischen Markt. Auf der Suche nach der Identität oder den übrigen Releases des Labels ”Very Friendly“ stößt man dann leider viel zu leicht auf ungeahnte Grenzen: Es gibt keine labeleigene Website! http://www.cargorecords.co.uk soll weiterhelfen, aber hier fehlt sogar jeder Hinweis auf das Cargo Inhouse-Label. Seltsam und so gar nicht typisch für einen Verlag, der doch wie alle anderen den Gesetzen des Markts unterworfen ist, diesen aber offensichtlich nicht wie üblich übersäuern möchte und eher unscheinbar seine Alben präsentiert. Wie und warum aber tummeln sich neben den Boredoms großartige Alben von Kid606, DJ /Rupture, Enduser, von den Sonic-Youth-artigen Amp, den Psych-Rockern von Acid Mothers Temple oder gar dem Noise-König Merzbow? Zusammenhänge fehlen, vieles bleibt verschwommen und unklar.

Darren Crawford, der Mann mit Finger, hilft aus: “Angefangen hat’s 2003. Nachdem wir mit Cargo über die Jahre etwa 60 Merzbow-Titel vertrieben haben, hat’s einfach gepasst, dass Merzbow die VF001 bekommt. Der Label-Name kam eines Freitagnachmittags, die Cargo-Crew spielte Throbbing Gristles ‘Very Friendly’ at full blast, was uns in die richtige Wochenendstimmung gebracht hat! Die Richtung, die wir mit VF gehen wollten, hätte zu keinem der drei anderen Inhouse-Label Sweet Nothing, Cargo UK oder Livewire gepasst.”

Wie passen DJ /Rupture, Merzbow, Amp, Mark van Hoen und die Boredoms unter ein Dach? Wer steht dahinter? “Das läuft alles über mich. Ich suche die Künstler aus, kümmere mich um die Produktion etc. Ich denke, es gibt kein großes Konzept oder dass die Musik überhaupt irgendwie zusammenpasst. Wir versuchen, so vielfältig wie möglich zu bleiben, und wollen definitiv nicht leicht einzuordnen sein.”

Wie lief der Boredoms-Deal? “Die Verhandlungen über die Boredoms Releases dauerten ein Jahr (VF005 Onanie Bomb Meets The Sexpistols, VF006 Pop Tatari, VF007 Chocolate Synthesizer). Es ist sowieso schwierig mit einem Major zu verhandeln … und obendrein noch mit einem japanischen! Der Vertrag wurde letztendlich unterschrieben, Geld wurde überwiesen und erst dann hat uns Warner Japan gesagt, dass sie weder das Artwork noch die Audio Masters haben. Wir mussten also alles mit Hilfe der japanischen Originale herstellen, was ziemlich teuer war. Außerdem lag’s am Time-schedule. Wenn ich eine Email geschickt habe, kam die Antwort nach einer Woche, manchmal erst nach zwei Wochen. Ich weiß, dass sie auch sehr beschäftigt sind, aber es hatte den Anschein, dass jeder immer erst jemanden Höheren in der Hierarchie fragen musste. Das war alles ziemlich frustrierend. Vielleicht ist das ja einer der Gründe, warum niemand japanische Musik lizenzieren will?! Ich denke auch, dass sie einige Dinge recht elitär betrachten und die Musik lieber als teure Importe zu Verfügung stellen. Klar würden wir aber mehr davon bringen – the Boredoms deserve to be heard!”

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Elektronische Lebensaspekte.