Zwei Maxis auf DFA und schon winkt der Lorbeerkranz. Der New Yorker Andy Butler ist das neue große Glamour-Versprechen im Geschmäckler-House. Wir begrüßen ihn aus vollem Herzen.
Text: Finn Johannsen aus De:Bug 121


Die aktuelle Verheißung in der Schleuder mit Jack, Glitz, Deepness, tragischer Größe und aufrechter Haltung sind Hercules And Love Affair, die auf ihren bisherigen Singles und dem nun anstehenden Album schlüssig demonstrieren, dass Referenzen nicht als Schmuckwerk verenden müssen und man sich seiner Gefühle in keinem Club zu schämen braucht und sonst schon gar nicht. Mastermind Andy Butler und seine Mitstreiter senden von New York aus, doch die Skepsis, die sich aufgrund der von dort schon so oft exportierten Oberflächlichkeits-Kombi von Club und Kunst vielleicht einstellen könnte, ist unangebracht.

Das Gleichgewicht zwischen Intro- und Extrovertiertheit ist hier wohl austariert und linst in der Karriereplanung nicht zwangsläufig auf die Abspielgeräte von Fashion Execs, sondern auf eine ernsthafte Mission zwischen Rück- und Ausblick. Wir blicken dann mal jetzt dazwischen.

De:Bug: Dir ist es gelungen, mit zwei starken Singles auf DFA relativ zügig in den Blickpunkt des Interesses zu gelangen. Kannst du etwas über das Projekt erzählen und wie es dazu kam?

Andy Butler: Das ist jetzt seit ein paar Jahren in der Entwicklung. Ich schreibe Musik seit meiner Kindheit und begann mit Freuden auf dem College an Projekten mit elektronischer Musik zu arbeiten. Antony von Antony & The Johnsons hat schon vor gut vier Jahren ein paar Spuren für das Hercules-Projekt eingesungen. Vor anderthalb Jahren hat dann Daniel Wang, ein guter Freund und Mentor für mich, vorgeschlagen, die Musik bei DFA anzubieten. Er arrangierte ein Treffen mit ihnen und der Rest ist Geschichte.

De:Bug: Wie kam es zu den Kollaborationen auf dem Album?

Andy Butler: Durch Freundschaften. Antony und ich waren schon eine ganze Weile befreundet, bevor wir “Blind“ aufnahmen. Bei Kim Ann und mir war das genauso, schon vor “Classique“ oder “Athene“. Und Nomi kannte ich auch schon länger, bevor ich sie bat, mit mir aufzunehmen. Rückblickend sind das also die Stimmen aus meinem Privatleben.

De:Bug: Womit hast du dich vor Hercules And Love Affair befasst?

Andy Butler: Ich habe Musik geschrieben und mit Leuten um mich herum aufgenommen, während ich unter der Woche diverse Jobs hatte. Ich war Kellner, Musikjournalist, habe in Büros gearbeitet, solche Sachen.

De:Bug: Deine Veröffentlichungen bis jetzt bieten eine ganze Menge Referenzen und Stile der Clubmusik-Geschichte auf, so wie etwa mehrere Spielarten von Disco und frühem House. Was sind deine Einflüsse und wie transformierten sie sich zu deinem Sound?

Andy Butler: Meine Inspiration kommt definitiv von der Liebe zur Musik in meiner Kindheit. “Situation“ von Yazoo ist ein Song, den ich immer als den Anfang meiner Leidenschaft für Techno und Disco bezeichne. Die Kombination von solch leidenschaftlichem Textinhalt und solch simplen, superspacigen analogen Klängen war magisch für mich. Als Teenager fand ich, dass die gleiche Zubereitung bei House präsent war, und ich wurde süchtig danach. Die House-Produzenten haben oft Discosongs gesamplet und als ich die Originale hörte, interessierte ich mich sehr dafür, die Geschichte von House-Musik und Disco zu erkunden. Für mich ist das alles sehr emotionale Musik und ich denke, diese emotionalen Höhen und Tiefen sind das, was ich in meiner eigenen Musik anstrebe.

De:Bug: Deine Musik scheint den Dancefloor mit einem bewussten Element von sowohl Freude als auch Melancholie zu verbinden. Ist das etwas, dass du verfolgst, eine Mixtur verschiedener Emotionen?

Andy Butler: Meine Lieblingsmusik ist immer emotional. Die besten Tanzmusiksongs sind für mich bittersüß. Sie wecken bei mir das Bedürfnis, zur gleichen Zeit tanzen und weinen zu wollen. Nimm frühe Murk-Produktionen zum Beispiel. Die waren vom Klang her kahl und textlich oftmals herzzerreißend, und die besten deepen Grooves polterten darunter. Für mich als Hörer funktionieren gebrochene Herzen und Freude in der Tanzmusik gleichermaßen auf einem körperlichen und emotionalen Level.

De:Bug: Wie wichtig sind andere Kunstkontexte für deine Arbeit?

Andy Butler: Kunst ist generell sehr wichtig für mich. Ich habe am College Modernen Tanz und Kunstgeschichte studiert. Kollaboration ist so ziemlich das Lebenselixier meiner Arbeit, und das geht über Musiker, Produzenten und DJs hinaus. Ich habe in der Vergangenheit mit Tänzern, Bildenden Künstlern und Modeschöpfern an Soundtracks gearbeitet. Ich bin von Freunden umgeben, die als Fotografen, Designer, Bildhauer und Tänzer usw. arbeiten. Und ich finde mich fast so oft in Diskussionen zu diesen Medien verwickelt wie zu Musik.

De:Bug: Gibt es bestimmte Aussagen, die du mit diesem Projekt machen willst, die über bloße Musikrezeption hinausgehen?

Andy Butler: Neben der bloßen musikalischen Rezeption von Hercules And Love Affair gibt es ein paar Botschaften über menschliche Wesen, die darüber, dass sie emotional präsent und verletzlich sind, zu Stärke finden, über die Ermutigung zum Tanzen als Gesundheitsrezept und über mehr Sorgfalt im Umgang mit der Welt. Aber der Boogie ist von größter Wichtigkeit, also keine Angst vor den zuweilen ernsten Textinhalten!
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Elektronische Lebensaspekte.