David-Ivar und Néman, gemeinsam Herman Dune, setzen statt auf Laptops und Synthies lieber auf Gitarren aus den 60ern und 24-Spurmischpulte.
Text: Ji-Hun Kim aus De:Bug 126


Herman Dune lassen sich nicht verorten. Irgendwo zwischen den USA, Frankreich und Schweden polen sie selber ihre Herkunft aus. Ebenso ist die Musik zwischen Beatnick, Post-Hippie, Anti-Folk und George Martin’schen Arrangements so traditionsbewusst wie auch neu gedacht. Zeitlosigkeit durch bewährte Mittel. Konzentriertes Komponieren mit bedachter Reflektion im Nacken. Bewusstsein über Pop-Geschichte ist hier nicht retrospektive Verpflichtung, sondern Mittel, um das Wesentliche ihrer Musik, den Song, zu perfektionieren.

Dabei nimmt Chuck Berry eine gesonderte Stellung ein. Wo alle ihren Referenzkanon mit Beatles und Pink Floyd anstimmen, ist der Vater des Rock’n’Roll für Herman Dune Ausgangspunkt für alles, was heute durch den Song dargestellt werden kann: “Ich finde, es ist ein bisschen wie bei der Quantensprungtheorie. Als Chuck Berry ‘Maybelline’ geschrieben hat, war das so ein Quantensprung. Der Song hat die Entwicklung bestimmt, in welcher wir uns jetzt befinden: Es ist eine Evolution. Ein Song dauert drei Minuten und hat einen Chorus. Es muss nicht heißen, dass keiner einen besseren Song schreiben kann als Berrys ‘Havana Moon’, aber es war da und das, was wir heute machen, beruht auf jenen Quantensprüngen. Da muss man keine Missing Links deklarieren.”

Da verwundert es nicht, dass digitale Revolutionen im Zusammenhang gedacht werden: “Suicide haben ja auch Rhythm’n’Blues gespielt. Alan Vega ist Rock’n’Roll. Auch hier haben Computer noch immer die gleiche Musik gemacht. Beim Songwriting ist es doch so: Auch wenn ich jetzt sage, ich gehe jetzt für ein Jahr in ein U-Boot und schreibe dort oder ich hänge mich an den Füßen auf und komponiere, letzten Endes ist man doch froh einen guten Refrain hinzubekommen, wie jeder andere auch.” So wie Stift und Papier für die Schreiberzunft auch die Zukunft über unverzichtbar sein werden, so verhält es sich bei der Musik ihrer Meinung nach auch. Neues kann nur dann Sinn machen, wenn man weiß, worauf es basiert, wo der Ursprung ist. Auch alte Produktionsmethoden müssen nicht unbedingt verdrängt werden, um zum kreativen Ziel zu kommen:

“Die Sache mit Technologie finde ich ja auch nicht schlecht, aber man muss sich nicht immer darauf verlassen und diese auch benutzen. Ich sehe das ein bisschen wie in der Malerei: wenn man mit Öl malt und drei Tage warten muss, um eine neue Schicht aufzutragen. Als dann Acrylfarben kamen, wollten alle auf einmal schnell malen. Es war eine gute Sache, aber wir können ja noch immer mit Öl malen und es kann gut aussehen, und es gibt auch Leute, die lieber ein Ölgemälde haben wollen. Im Unterschied zur Musik handelt es sich bei der Musikindustrie aber um eine sehr kurzzeitige Industrie. Jetzt haben alle Computer und es klingt in vielen Ohren gut oder neu. Es gibt Synthesizer, die wie ein Saxophon klingen. Und es kommen viele Leute auch zu uns und fragen, wieso wir auf einem 24-Spurmischpult aufnehmen wollen und nicht am Laptop. Wir sind mit den alten Dingen besser vertraut, meine neueste Gitarre ist von 1963, aber ich spiele sie ja im Jetzt und Heute. Was ist daran falsch, dass ich mit Öl malen will und 20 Tage brauche, um ein Gesicht zu malen, anstatt in 15 Minuten? Außerdem gibt es noch immer Ölgemälde.”

Zweifelsohne kein falscher Punkt. Und die Kunst und Malerei hat tatsächlich durch die Neue Leipziger Schule einen zeitgenössischen ruhmreichen Protagonisten für Ölmalerei und Gegenständlichkeit entdeckt, was zuvor auch nur müde belächelt wurde und hierzulande auch noch immer wird.
http://www.hermandune.com

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Elektronische Lebensaspekte.