Dubstep gekapert, Dancefloor klarmachen
Text: René Margraff aus De:Bug 110


Hey-O-Hansen … das war früher eine Mixtur aus französischem Chanson, österreichischem Folk und sachter Elektronik. Mittlerweile haben die Wahlberliner Dubstep gekapert, afrikanische Percussion für ihren Sound adaptiert und sind komplett Dancefloor-kompatibel. Nächster Halt: Afrika.

hey-o-hansen sind schon lange ein fester Bestandteil des Debug-Kosmos, vor sechs Jahren erschien eine Zusammenfassung verschiedener Hey-7“-Platten auf unserem hauseigenen Hartwaren-Label. Sechs Jahre sind eine lange Zeit und natürlich hat sich in den letzten Jahren bei den Innsbrucker Wahlberlinern einiges getan. Neben personellen Veränderungen im Hause hey-o-hansen sind 2006 auch format- und soundmäßig alle Dinge etwas größer geraten. Ja, es geht eigentlich um 2006, denn es ist mal wieder Zeit, Dinge zusammenzufassen und gebündelt noch mal auf einem Tonträger zu präsentieren. Statt vier kleiner Singles, die zwischen Chanson und Indietronic-Ska pendeln, sind es bei der aktuellen Werkschau sechs massive Split-12“-Scheiben. Der Sound von hey-o-hansen hat nun noch mehr Subbass und manche Rhythmen klingen tatsächlich ein wenig nach Dubstep. Konzepte werden hier aber nicht blind übernommen … die machen hey-o-hansen lieber selbst, so auch bei den letzten sechs 12“-Veröffentlichungen: die Verschmelzung traditioneller österreichischer Volksmusik mit moderner Klubmusik. Mir persönlich trieb diese Beschreibung zunächst einmal den Angstschweiß auf die Stirn, Elektronik mit Akkordeon? Huch! Helmut Erler hat dafür Verständnis, scheint es doch vor allem in Deutschland als unhip, Folklore in irgendeiner Weise in die Musik zu bringen: “Deutlich ist schon eine pauschale stirnrunzelnde Abneigung gegen ‘Ethno’, ‘Afro’ oder ‘Folklore’ zu spüren im deutschen Elektronika-Universum. Das mag ein Grund dafür sein, weshalb sich Veranstalter, Vertriebe und Labelpartner hierzulande einigermaßen schwer mit unseren Veröffentlichungen tun. In England und dem Rest der Welt ist das nämlich überhaupt kein Thema.“

Wer es noch nicht ahnt, dem sei gesagt, dass man den Stücken ihre “Tiroler“ Elemente nicht wirklich anhört. Die Remixe auf den zweiten Seiten der Maxis tun noch ein Übriges, sie sind nämlich etwas elektronischere Remixe von DJ Maxximus, Harzkrafthof, Karl Marx Stadt sowie Thaddeus Herrmann und Multipara. Sind hey-o-hansen jetzt bei Dubstep angekommen?
Helmut: “Von irgendwie ankommen keine Rede. Forward we go. Eines Tages sagte ich der Band, dass wir jetzt Dubstep machen. Das fanden sie gut. Die Remixer hatten natürlich einen Rieseneinfluss auf unseren Stil. Das hat sich von Platte zu Platte weiterentwickelt und ist schön anzuhören. Ein Schlüsselerlebnis bezüglich Dubstep waren die ‘FWD>> Parties’ von DJ Maxximus in Berlin, da besonders der Abend mit Kode9, hauptsächlich sein Stück ‘9 samurai’. Dieses Stück brauchte eine Antwort und deshalb ist es auch am Ende unserer Serie auf der letzten 12“ zitiert. Wie Dubstep funktioniert, muss man selbst ‘rausfinden, das hat gar keinen Sinn, da drüber zu schreiben oder sich das daheim auf Omas Plattenteller vorzuspielen. Und: Auch wenn’s jetzt alle sagen, aber ein Grund, sich im Dubstep zu Hause zu fühlen, war Burial, auch wenn der schon lange viel weiter ist als der ganze Rest. Grenzmusik, das ist interessante Musik.“

Helmut Erler und Michael Wolf machten hey-o-hansen einige Zeit alleine, im letzen Jahr wuchsen sie durch den Einstieg von Gordon Odametey aus Ghana zu einem internationalen Trio, das gerne nach vorne denkt. Ihre gemeinsame Herzensangelegenheit nennt sich Berlin-Accra, ein Studio und ein Club für Livemusik sollen in Afrika entstehen.

Woher kommt die Idee und woher nehmt ihr so viel Elan?
Helmut: “Berlin-Accra begeistert viele Menschen hier und in Afrika. Das ist keine Frage von: ‘Wer hat die Idee gehabt?’ Das ist eine Frage von Dynamik und wie wir sie erhalten und weitertragen können, für uns alle. Viele Leute in Accra arbeiten jeden Tag für das Projekt. Jetzt geht es darum, dass auch hier bei uns Menschen anfangen, aufzuwachen und mitzuarbeiten. Wir sind alle da, wo wir sind, und tun das, was zu tun ist, so gut es geht. Es ist keine Frage von überschüssigem Elan, sondern von Notwendigkeit. Begeistert sind wir natürlich, keine Frage. Ohne Begeisterung kann man sich gleich eingraben. Erstaunlich ist das aber nicht, eher logisch – faszinierend … Im Moment sind wir dabei, die Probleme zu lösen, die wir lösen können, und die Suche nach allem zu starten, was uns noch fehlt, und das zu tun, was wir können, damit es weitergeht.“
http://www.heyrec.org

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Elektronische Lebensaspekte.